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Spider-Man

(Spider-Man; USA, 2002)

1962 erschien der amerikanische Kult-Comicverlag Marvel angeknackst. Eine ihrer größten Reihen, die Comic-Serie "Amazing Fantasy" wurde mangels Interesse eingestellt - nicht ohne aber in der letzten Ausgabe einen neuen Helden vorzustellen, einen durchschnittlichen Highschool-Schüler, der durch den Biss einer radioaktiv verseuchten Spinne zum Superhelden mutierte. Das sprach natürlich das Zielpublikum Marvels ungeheuer an und das Unternehmen erlebte bereits ein Jahr später den Beginn eine neue Blütezeit, die neue Reihe "The Amazing Spider-Man" wurde zu einem großen Hit und sollte in den folgenden Jahrzehnten nicht nur die USA, sondern die ganze Welt überschwemmen und Millionen von Heranwachsenden zu großen Fans machen, die dies auch im erwachsenen Alter blieben. "Spider-Man" wurde zu einem ungewöhnlichen Phänomen, auch wenn das Interesse an den Geschichten um ihn zwischendurch immer mal wieder erlahmte, so schwand das Interesse an der Figur selbst aber nie. 40 Jahre nach der Geburt des Spinnenmenschen erlebt er nun nach verschiedenen Fernsehauftritten seltsamerweise erst jetzt seinen ersten großen Leinwandauftritt. Sam Raimi, ein Regisseur der selber durch seinen Hang zu Comic-Elementen immer wieder auffiel, sein Erstlingswerk "Tanz der Teufel" wie auch seine spätere Hollywood-Produktion "Darkman" weisen Comic-Strukturen auf, zeigt sich für die Inszenierung verantwortlich, David Koepp, Autor von Blockbustern wie "Jurassic Park" für das Drehbuch. Und auch die Besetzung kann sich sehen lassen. Zu erwarten ist hier also ein durch und durch kommerzielles Hollywood-Produkt. Diese Erwartung wird natürlich nicht enttäuscht, "Spider-Man" ist aber ein gutes Beispiel dafür, das Popcorn-Kino durchaus funktioniert.

Peter Parker (Tobey Maguire) ist ein Außenseiter. Er neigt zu recht tolpatschigen Aktionen, hat zuviel Grips und gilt als Schwächling. Seine Eltern sind tot, als Ersatz haben sein liebevoller Onkel Ben (Cliff Robertson) und seine Tante May (Rosemary Harris) fungiert. Für Peters Geschmack ist er etwas zu beschützt aufgewachsen und so träumt er davon nach der Schule nach New York zu gehen und ein großer Fotograf zu werden. Und er träumt von Mary Jane Watson (Kirsten Dunst), dem Mädchen aus der Nachbarschaft, dass er schon seit Kindheitstagen liebt, dass ihn aber nicht wirklich beachtet. Sein einziger Freund ist Harry Osborn (James Franco), der Sohn des Großindustriellen Norman Osborn (Willem Dafoe), der nicht besser in der Schule da steht als Peter, allerdings nur aus dem Grund, weil er einfach aus zu guten Verhältnissen kommt. Während eines Ausfluges in ein Forschungslabor macht Peter Bekanntschaft mit einer entfleuchten genetisch manipulierten Super-Spinne, die ihn in die Hand beißt. Danach stellt Peter unglaubliches fest, sein Körper hat sich verändert. Aus seinem Handgelenk kann er Spinnweben verschießen, er kann an den Wänden hoch krabbeln, hat ungeheure Energien und Kräfte von denen er nie zu träumen gewagt hatte. In der Schule schlägt er mit voller Wucht zurück und beschließt, dass er mit seiner neuen Gabe viel Geld machen könnte. Doch ein Schicksalsschlag verändert Peters Einstellung. Sein Onkel wird Opfer eines Raub-Mordes und in Peter setzen sich dessen letzte Worte fest, dass mit Macht auch eine Menge Verantwortung einhergeht. Peter beschließt in Zukunft für das Gute zu kämpfen, entwirft sich ein Kostüm und macht als Spider-Man bald die Verbrecherwelt unsicher. In der Zwischenzeit arbeitet Norman Osborn an einem Projekt für das Militär, er soll einen neuen Kampfstoff entwickeln. Als die Erfolge ausbleiben, Osborn der Verlust des Auftrages droht und dies das Ende seines Imperiums bedeuten könnte unternimmt er einen gewagten Selbstversuch, der dazu führt, dass er neben Stärkekräften auch eine schwere schizophrene Störung erhält. Immer wieder ergreift nun der Green Goblin von ihm Besitz und bringt ihn dazu Verbrechen zu begehen. Davon ahnt Peter natürlich nichts, Norman Osborn ist für ihn längst zu einer Art väterlichem Freund geworden, ganz zum Argwohn Harrys, der dadurch von diesem zurückgesetzt wird. Die Zeit vergeht, die beiden Jungs machen ihren Schulabschluß und teilen sich in New York eine Wohnung. Spider-Man sorgt in der Stadt für Aufregung, die Medien versuchen ihn nicht als Helden zu feiern, sondern aus ihm nicht mehr als einen Verbrecher zu machen. Dadurch steht er schnell auf den Suchlisten der Polizei. Erst als der Green Goblin auftaucht und die Stadt mit Terroranschlägen in Angst und Schrecken versetzt erscheint Spider-Man in einem anderen Licht. Schnell bemerkt dieser jedoch, dass der Green Goblin ihm ebenbürtig ist, ein Kampf der Supermänner auf Leben und Tod scheint unausweichlich. Durch einen Zufall entdeckt Norman Osborn, dass sein Protegé sich hinter der Maske seines neuen Erzfeindes verbirgt und beschließt, dass er Spider-Man nur aus der Reserve locken kann, indem er den Menschen schadet, die ihm nahestehen. Mary Jane wird dadurch zum besten Druckmittel...

Vom Comic-Strip zur Zeichentrickserie, von der Zeichentrickserie zum Live Action-Kinoblockbuster. Dass diese mittlerweile doch recht übliche Verwertungskette so lange brauchte lag hauptsächlich daran, dass man bislang kaum die Möglichkeit sah die nötigen Effekte standesgemäß umsetzen zu können. Bereits Ende der 70er war der Versuch einer Live Action-TV-Serie eher zur Peinlichkeit mutiert, die heute nur noch trashigen Billig-Charme für Fans zu versprühen weiß. In der Zeit von computeranimierten Dinosauriern und virtuellen Welten ist es nun möglich gewaltige Action-Szenen glaubwürdig umzusetzen, also grünes Licht für "Spider-Man", an dem auch der Marvel Verlag als Co-Produzent immer noch beteiligt ist. Dies dürfte wohl hauptsächlich dafür gesorgt haben, dass der Comic-Styles erhalten geblieben ist, besonders die kunterbunten Action-Sequenzen sind sehr passend umgesetzt wurden, wenn Spider-Man sich durch die Straßenschluchten New Yorks schwingt ist das so schnell, dass es wirklich einen beeindruckenden Nachgeschmack hinterläßt.
Die Comic-Story wurde natürlich aktualisiert, in den Zeiten, in denen bei den Simpsons durch den "Radioactive Man" die Naivität der 50er und 60er Jahre Comics durch den Kakao gezogen wurde glaubt natürlich keiner mehr an den Biss der radioaktiven Spinne, etwas wissenschafliches musste her und man nahm die genmutierte Super-Spinne, von der Idee her nicht niveauvoller, aber unserer Zeit angepaßt. Der Film läßt sich anfangs eine ganze Menge Zeit um zu zeigen wie Peter seine neuen Fähigkeiten kennenlernt. Diese Szenen sind voller Humor, da sie sich am Slapstick-Kino orientieren, es ist nicht wirklich originell, wenn Peter beim ersten Schwung gegen die nächste Hauswand knallt, aber es ist lustig. Leider verpaßt der Film jedoch seine Chance auf eine gelungene Exposition, sofort steigt er in seine Geschichte ein, stellt seine wichtigen Charaktere per Off-Kommentar Peters vor und schon sind wir beim Spinnenbiß. Das ist aber prägend für das Hauptproblem des Films, er hat ungeheuer viel zu erzählen, sieht sich aber genötigt die magische zwei Stunden Marke nicht sonderlich zu überschreiten. Ohne Probleme könnte der Film eine halbe Stunde länger sein, denn auch später merkt man, dass an bestimmten Stellen gespart wurde, sei es nun an der Charakterisierung der Beziehung von Norman Osborn zu Peter Parker, die nicht als die Ersatzvater-Sohn-Bindung rüberkommt, die sie sein soll, oder auch während der Phase in der Peter und Harry die Schule beenden und nach New York wechseln. In wenigen Momenten werden diese wichtigen Stellen abgehandelt, was dem Rhythmus des Films insgesamt schadet. Wenn die erste Stunde vorbei ist, und damit auch Peters Gewöhnung an die neuen Gaben, dringt der Film in sehr stereotype Muster vor, wirklich überraschen kann an der Geschichte nichts mehr. Zu sehr dringt hier bereits der angestrebte Serien-Charakter durch, denn der Green Goblin wird nicht zum Überschurken, sondern nur zum Durchschnittsschurken, die Konfrontation der beiden Comic-Wesen kann nicht wirklich beeindrucken, nur unterhalten, es muss irgendwann etwas größeres, bombastischeres und bedrohlicheres auf Peter zukommen, auch wenn nicht mehr in diesem Film.
Die Besetzung könnte wohl kaum besser sein. Mit Tobey Maguire und besonders Kirsten Dunst hat man zwei bei der jüngeren wie auch der nicht mehr ganz jungen Generation beliebte Schauspieler gefunden, denen man die Rollen auch abnimmt, die also durchaus in der Lage sind aus ihren Comic-Charakteren plastische Figuren zu erschaffen. Auch die Schurkenrolle hat ihre Entsprechung in Willem Dafoe gefunden, dessen Charakter aber vom Drehbuch nicht genug Raum bekommt. Dafür tut Dafoe jedoch sein bestes um die Zweigesichtigkeit Norman Osborns herauszustellen und ihn nicht zum Bösewicht zu degradieren , sondern die tragischen Figur, die er ja auch ist, deutlich zu machen.
Dass "Spider-Man" ein Blockbuster werden dürfte war klar, dass er jedoch an seinem Startwochenende bereits Rekorde brechen würde hatte wohl keiner ernsthaft erwartet, höchstens gehofft. Dabei war dies eigentlich absehbar, die perfekt durchkonstruierte Werbekampagne konnte nur Wirkung zeigen und nach den Terroranschlägen vom September in New York besteht auch wieder ein Verlangen nach Helden, die den Bösen kräftig in den Hintern treten, auch wenn sie nur auf der Leinwand agieren können. Dass ein so ausgeprägtes Symbol für amerikanisches Heldentum, dass mehr Gruppen anspricht als wohl jeder andere Superheld, da nur erfolgreich sein kann ist wohl kaum anzweifelbar. Die Goldgrube ist jedenfalls schon geschaufelt, in den 90ern wurde der Markt mit einer unglaublichen "Batman"-Franchise überschwemmt. Das 21.Jahrhundert gehört nun aber erstmal "Spiderman". Denn auch die Fortsetzung ist eine sichere Sache und auch diese kann gar nicht so schlecht laufen, dass nicht auch schon der dritte Teil so gut wie Fakt ist. Denn die Fans bleiben "Spider-Man" treu, beim jetzigen Ausflug ins Kino sogar ziemlich verdient.

[srs]