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Schiffsmeldungen
(Shipping News, The; USA, 2001)
Von den wenigen Europäern unter den etablierten Regisseuren Hollywoods dürfte wohl der Schwede Lasse Hallström mittlerweile einer der kassenträchtigsten sein, auch wenn sein neues Werk "Schiffsmeldungen" hinter den Erwartungen zurückblieb. Mit Filmen wie "Gilbert Grape", "Gottes Werk und Teufel Beitrag" und "Chocolat" bewies sich Hallström als äußerst zuverlässiger Filmemacher, der gekonnt Mainstream mit literarischen Stoffen zu verbinden wußte und unter dem immer ausgezeichnete Darstellerleistungen zum Standard wurden. Auch hier macht "Schiffsmeldungen"" basierend auf einem Bestseller der Autorin E. Annie Proulx, keine Ausnahme.
Quoyle (Kevin Spacey) ist durch und durch ein Verlierer. Seine Eltern haßten ihn, im Leben bekam er kaum eine Chance, immer zurückhaltend, in sich gekehrt und mit leiser Stimme sprechend, so tritt Quoyle auf. Ändern tut daran auch sein Treffen mit der flippigen Herumtreiberin Petal (Cate Blanchett) nichts, auch wenn sie zur Liebe seines Lebens wird und ihn schließlich heiratet. Denn danach hat sie auch nichts anderes zu tun als ihn wie der Rest seiner Umgebung zu demütigen. Sie betrügt ihn immer wieder, auch nach der Niederkunft der gemeinsamen Tochter Bunny, reißt tagelang aus, Quoyle jedoch erträgt sein Schicksal, schon lange ist er ein gebrochener Mann, der als Langweiler abgestempelt ist. Dem plötzlichen Selbstmord seiner Eltern folgt jedoch auch der plötzliche Tod seiner Frau, die endgültig mit ihrem neuen Liebhaber die Biege machen wollte, dabei jedoch von einer Leitplanke aufgehalten wurde. Die Trauer Quoyles, die er nach außen zeigt, innerlich aber kaum einordnen kann, wird gestört von seiner ihm bis dahin unbekannten Tante Agnes Hamm (Judi Dench), der Halbschwester seines gewalttätigen Vaters. Die ist eigentlich nur auf der Durchreise, sie will zurück in ihre Heimat nach Neufundland, dort wo die Wurzeln der Quoyles liegen, und dort ein neues Leben beginnen. Es gelingt ihr Quoyle zu überreden mit Bunny mit ihr zu ziehen. Hier, am Ende der Welt, wo ihn keiner bisher kennt und der Name Quoyle noch ein Symbol ist, hofft er ein neues Leben beginnen zu können. Auch wenn der Neuanfang im alten und bröckeligen Haus der Quoyles zum kleinen Albtraum wird, so wird er recht liebevoll von seinen neuen Mitmenschen aufgenommen. Der knorrige Zeitungsbesitzer Jack Buggit (Scott Glenn) gibt ihm einen Job als Reporter, er soll die Schiffs- und Unfallmeldungen machen. Anfangs ein recht seltsam anmutender Job, eröffnet ihm sein Kollege Billy Pretty (Gordon Pinsent) schnell das wahre Geheimnis des Schreibens, so dass Quoyle bald in der Zeitungshierarchie aufsteigt. Doch zwei Dinge belasten weiterhin Quoyles Leben, zum einen kommt er den düsteren Geheimnissen seiner Familie auf die Schliche, zum anderen kann er Petal nicht vergessen, auch nicht als die ebenfalls verwitwete Kindergartenleiterin Wavey Prowse (Julianne Moore) in sein Leben tritt...
"Schiffsmeldungen" erzählt in den unterkühlten Bildern des Nordens eine wunderbare Geschichte. Lasse Hallström hat es schon immer verstanden poetische Bilder zu erschaffen, die beeindrucken und fesseln können, etwas Neues hat er jedoch seit langem nicht mehr geschaffen. Sich heutzutage einen Hallström-Film anzusehen bedeutet einen schönen netten und emotionell aufgeladenen Kino-Abend verbringen zu können. Hallströms Filme haben zwar eine anspruchsvolle Story, sind aber grundsätzlich luftig erzählt, so dass sie ein großes Publikum ansprechen, wobei sie dadurch aber eine recht geringe Nachwirkung haben. "Schiffsmeldungen" lebt hauptsächlich von drei Dingen: den skurrilen Charakteren, den blassen Blau-Tönen und den wunderschönen Naturbildern, die in diese getaucht sind, sowie großartigen Darstellerleistungen. Wie in allen von Hallströms Hollywoodfilmen lassen auch hier die Darsteller nicht im Stich, Kevin Spacey spielt zwar einen ähnlichen Charakter wie in "American Beauty", jedoch wächst Quoyle auf eine viel ruhigere Art aus seinem persönlichen Dilemma heraus als Lester Burnham, so dass der großartige Spacey auch hier seiner Figur wieder etwas neues abgewinnen kann. Die restlichen Schauspieler gehen dabei leicht unter, was auch daran liegt, dass Quoyle die eindeutige Hauptfigur ist und den übrigen Figuren nicht sehr viel Raum gelassen wird. Trotzdem kann die restliche Star-Riege natürlich auf ganzer Linie überzeugen, allen voran vor allem Judi Dench und Scott Glenn.
Unterscheiden von "Gottes Werk und Teufels Beitrag" tut sich "Schiffsmeldungen" jedoch darin, dass Hallström hier teilweise zu einem recht europäischen Inszenierungstil zurückkehrt. Interessanterweise erinnern die in Amerika spielenden Szenen in Bildaufbau und Darstellung an den europäischen Autorenfilm, während nach dem Übergang in das rohe Neufundland alles wieder recht amerikanisch wirkt. Vor allem die Sequenz wenn der total abgewrackte Quoyle auf Petal trifft und sie beide schließlich Sex haben, überrascht durch ihre sensible und ausdrucksstarke Inszenierung.
Inhaltlich hat der Film auch ein paar kleine Knackser. Zum einen wird die Beziehung zwischen Quoyle und Wavey nicht genug vertieft, zum anderen ist Quoyles Lebenssinnsuche gegen Ende des Films immer weniger differenziert dargestellt, dass was er denkt und fühlt ist für den Zuschauer nicht konkret nachvollziehbar. Auch werden einige Nebenstränge nicht zu Ende geführt und vor allem, dass Quoyles Tochter durch den Eintritt in die neue Heimat das zweite Gesicht erhält, was jedoch nie vertieft wird und somit sinnlos bleibt, wirkt sich etwas störend aus, da es die Handlung auf eine pseudo-philosophische Ebene verschleppt.
Dank seiner ideenreichen Nebenhandlunsstränge garantiert "Schiffsmeldungen" aber Unterhaltung auf recht hohem Niveau und Fans von skurrilen Tragikomödien kommen fraglos auf ihre Kosten. [srs]
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