Filmdatenbank - DVD Reviews - Filmkritiken - Filmreviews - Kinonews - Kinostarttermine
 
 







 
Suchen nach  in   

Main | Media | Reviews | DVD

Resident Evil

(Resident Evil; USA/D/GB, 2002)

Früher war es Gang und Gebe zu jedem erfolgreichen Film ein Videospiel zu produzieren, heute sieht sich Hollywood dazu genötigt, da die Games-Branche doch mittlerweile sich als äußerst profitabel erwiesen hat, aus erfolgreichen Spielen Filme zu machen. Bisher wurde man dabei aber nicht grade von intellektuellen Stoffen umschmeichelt, trashige Hau-Drauf-Orgien a la "Street Fighter" beherrschen eher den Videospielverfilmungs-Markt. Paul Anderson gab 1995 mit seiner tranigen Adaption des blutigen Kampf-Spielchens "Mortal Combat" seinen Einstand als Regisseur - und machte seitdem Höhen und Tiefen durch. Mit "Resident Evil", der Verfilmung eines äußerst populären Action-Adventures, dass auch vielfach wegen seiner Blutrünstigkeiten, schließlich geht es darum vor einer Horde nach Menschenfleich lüsterner Zombies zu fliehen, in Verruf geriet, geht Anderson zurück zu seinen Wurzeln - und kann diesmal beachtliches vorweisen.

Alice (Milla Jovovich) erwacht nackt und mit blauen Flecken unter der Dusche. Außer den Klamotten fehlt ihr auch jegliche Erinnerung. Schnell wirft sie sich ins rote Mini-Kleid und in Lederstiefel, die sexy Braut ist bereit durch die Düsternis des Herrenhauses zu stapfen - und wird auch schnell von Eindringlingen überrascht. Die Mitglieder einer Spezialeinheit springen durch die Fenster, reißen sie und den aus dem Nichts auftauchenden Polizisten Matt (Eric Mabius) zu Boden und nehmen sie mit sich. Ihr Ziel ist der Hive, eine geheime unterirdische Entwicklungsstation der Umbrella Corporation, die mehr als 500 Forschern Platz gewährt. Umbrella - das ist ein Name der in der Zunkunft für Macht und Geld steht, als der wohl größte Konzern der Welt, der sich auf Computertechnik, aber auch auf Arzneimittel spezialisiert hat, hat Umbrella großen Einfluß auf das politische Gefüge, dass die größten Gewinne mit der Entwicklung von Bio-Waffen und Gen-Experimenten gemacht werden weiß kaum einer. Hier im Hive, tief unter der Kleinstadt Racoon City, geschehen genau diese illegalen Experimente. Alles was die Mitglieder der Spezialeinheit wissen ist, dass der Computer anscheinend eine Fehlfunktion hatte. Die alles überwachende künstliche Intelligenz hat durch einen Gasangriff das gesamte Leben in der Forschungsstation vernichtet. Die Aufgabe der Einheit, die auch im Dienste von Umbrella tätig ist, ist es nun den Computer auszuschalten und herauszufinden was passiert ist. Alice ist ratlos, was ist ihre Rolle in diesem Gefüge? Wie sie herausfindet hat auch sie für Umbrella gearbeitet, angeblich als Sicherheitskraft die den Eingang zum Hive kontrollieren sollte. Doch war es wirklich so, nur winzige Erinnerungsbrocken sind noch vorhanden und die lassen in Alice eher ein Gefühl der Beklommenheit entstehen. Angekommen im Hive bietet sich zwar ein Bild des Grauens, doch das oberste Ziel bleibt der Computer. Nachdem bei der Überbrückung der Sicherheitsschranken die Gruppe schon erheblich dezimiert wird gelingt es schließlich den Rechner lahm zu legen, der Strom fällt aus und die Barrieren aller Türen öffnen sich. Doch dahinter warten keine Leichen, sondern Untote, die nur dem Trieb nach Nahrungsaufnahme folgen. Wie Alice und das ruppige Special Forces Mitglied Rain (Michelle Rodriguez) herausfinden ist es zu einer Freisetzung des neu entwickelten T-Virus gekommen, der totes Gewebe neu belebt und aus dem verstorbenen Opfer eine willenlose Mordmaschine macht, die nur ihren Instinkten folgt. Eine Stunde hat nun die Gruppe Zeit aus dem albtraumhaften Szenario zu entkommen, denn dann wird der Hive zur Sicherheit endgültig verriegelt...

Der Zombiefilm war in den 70ern ein sehr populäres Subgenre des Horrorfilms. Mit dem weltweiten Einzug von Zensur, Jugendschutz und Filmverboten in die Medienlandschaft änderte sich jedoch vieles, die Menge verlangte nach Blut, die Filmemacher durften es ihnen aber nicht mehr in der Art geben wie bisher. Die bisherigen Machwerke landeten vielfach auf schwarzen Listen und eroberten sich dadurch einen zweifelhaften Kultstatus. Nur wenige Regisseure haben sich in dieser Zeit auf angemessene Weise mit der Thematik auseinandergesetzt, vor allem der Pittburgher-Independentfilmer George R.Romero, der erst durch sein Erstlingswerk "Night of the Living Dead" den Zombiefilm populär machte, beschäftigte sich auf eindrucksvolle Weise mit dem Thema, seine Zombie-Trillogie, die er bis 1985 drehte, ist eine ungewöhnliche Mischung aus blutigstem Horror und anspruchsvoller Gesellschaftsstudie, vielfach auch mit zynischem wie satirischem Beigeschmack. Viele halten Romeros Filme bis heute für die besten jemals gedrehten Schocker aus diesem Bereich. Nun ist aber 2002 und schon lange ist der Zombiefilm nur noch eine Legende. Sicherlich tauchten im Lauf der Zeit immer wieder Untote im Horrorfilm auf, aber niemand wagte sich mehr in der Art und Weise an den Stoff wie einst Romero, außer Kleinproduzenten, deren Filme jedoch nie zu mehr als Nischenbeiträgen auf Filmfestivals taugten. Auch Paul Anderson tut dies nicht, aber er denkt in "Resident Evil" im Geiste Romeros und inszeniert so manche Szene als Hommage. So zum Beispiel wenn ein Spezialeinheitmitglied in einen Aufzug voller Zombies rennt und diese über ihn herfallen. Im Videospiel gab es nie solche Zombiemassenszenen, wie auch, mehr als sechs Zombies auf einmal konnte man kaum niederstrecken. In Romeros "Dawn of the Dead", in dem die Schar der Untoten durch ein Einkaufszentrum hinter den wenigen Überlebenden herjagt, hingegen schon und in einer sehr ähnlichen Weise gefilmt wurde hier auch.
Der Film selber erzählt nicht die Geschichte des ersten Spiels der Serie, die mittlerweile aus sechs Teilen besteht. Für einige Zeit bekam der Film den Untertitel "Genesis", eine Metapher darauf, dass er die Vorgeschichte des ersten Spiels, in dem eine Polizeieinheit herausfinden soll was in der Stadt passiert ist und sich auf der Flucht vor den Untoten nur in ein altes Herrenhaus zurückziehen kann, erzählt. "Genesis", nicht nur der Name einer Rock-Band, sondern auch der Titel des ersten Buches der Bibel in dem die Erschaffung der Welt vermittelt wird. "Resident Evil", der Film, erzählt nun wie es zu den Geschehnissen kommen konnte, die eine ganze Kleinstadt ins Chaos verwandelte. Und dabei hält er sich an den Aufbau der Spiele. Die undurchsichtige Hauptfigur Alice wird zum Alten Ego des Zuschauers in diesem Fall, im Spiel würde man sie steuern und am Leben halten müssen. Alice trifft auf die verschiedenen Wesen, die man auch im ersten Spiel traf, die blutgieren Zombie-Dobermänner, halb verweste Untote und auch den nicht immer glücklich im Computer animierten Slicker, eine mutierte Monsterkreatur. Anderson hat seine Vorlage genau studiert, übernimmt neben der gruseligen Atmosphäre und dem hohen Spannungsgrad aber auch die negativen Details: seine Charaktere sind recht grob skizziert, seine Dialoge mitunter recht flach. Auch dies war im Spiel nicht anders, die Figuren blieben austauschbar und ohne Merkmale, Gespräche völlig einseitig. Dafür wurde viel Wert auf eine erotische Zeichnung der weiblichen Charaktere gesetzt. Meist liefen diese nur knapp gekleidet und mit wippenden Brüsten durch die Gegend und traten den Untoten in den Zombiehintern, sie waren die wirklich starken Figuren im Spiel. So ist es nicht verwunderlich, dass mit der hübschen Milla Jovovich eine Hauptdarstellerin gewählt wurde, die man auch ansprechend umsetzen kann. In knapper Kleidung tritt sie gegen das Böse an, zeigt sich offenherzig wie seit ihrer Durchbruchsrolle als Leeloo in "Das fünfte Element" nicht mehr, und bleibt dabei immer nicht nur äußerst stilvoll anzusehen, sondern auch dominant, sie beherrscht von Anfang an die Szenerie. Als entgegengesetzte Figur stellt man der eigentlich doch zarten Milla die wesentlich ruppigere Michelle Rodriguez zur Seite, die ihre Figur ebenfalls mit Leben zu füllen vermag. Rain ist eine rustikale Einzelkämpferin die erst schießt und dann fragt. Ihr werden zynische Dialoge in den Mund gelegt, die auch sehr passend sind und dem Film auch eine Note von düsterem Humor geben. Zusammen zeigt das Filmpaar Jovovich/Rodriguez seine beabsichtigte Wirkung und geben dem Film dadurch einen sehr femininen Anstrich, denn die Männerwelt unterliegt doch hier klar der untoten Übermacht, während die Frauen sich tapfer erwehren.
Als etwas übersteigert erscheinen die vielen Zeitlupen, die Anderson als neumodische Zugabe an seinen Inszenierungsstil anwendet. Zur Spannungssteigerung sind sie durchaus dienlich, aber auf die Dauer erscheinen sie doch eher ermüdend und alles andere als abwechslungsreich. Ansonsten ziert sich Anderson jedoch nicht, er spannt von Anfang bis Ende einen hohen Spannungsbogen, stört den Filmrythmus nicht weiter und ist auch wenig zimperlich wenn es die in diesem Genre doch schon geradezu prägnanten Schocks und Splattereffekte geht, auch wenn er sich nicht in geringstem Maße wohl jemals auf Romeros Level befunden hat. Bedauerlicherweise wurde sein Endschnitt des Films bereits in Amerika nachbearbeitet um eine NC-17 Freigabe zu verhindern, so manches wurde ersetzt und fiel der Schere zum Opfer, blutig ist es dennoch und man sollte nicht die Hoffnung auf eine ungekürzte Fassung auf Video oder DVD aufgeben.
Da "Resident Evil" wohl fraglos recht erfolgreich an den Kinokassen laufen wird und man schon jetzt an der Pre Production zu einer möglichen Fortsetzung arbeitet und angeblich auch Milla Jovovich willens ist sich auf eine Filmserie einzulassen, darf man sich schon auf "Resident Evil II" freuen, was auch besser so ist, denn das düstere Finale schreit schon geradezu nach einem Sequel, zu viele Fragen bleiben unbeantwortet, ohne aber das es so wirkt als hätte Anderson keine Antwort auf diese parat. Warum sollte man eine der besten Videospieleverfilmungen, vielleicht sogar die erste, die diesen Namen überhaupt verdient hat, nicht fortsetzen wo doch heute jeder Schrott sein Sequel findet. Fans des Spiels und von Zombiefilmen kann man "Resident Evil" jedenfalls uneingeschränkt ans Herz legen.

[srs]