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Die Royal Tenenbaums
(Royal Tenenbaums, The; USA, 2001)
Da ist er wieder, blonde Haare, Knollnase und ein Kinn wie Superman in seiner besten Zeit. Owen Wilson, Schauspieler, noch nicht so lange wirklich populär. Bekannt wurde er als Mitstreiter von Bruce Willis in "Armageddon", zum Kritikerliebling als Serien-Killer im "Minus Man". Schade nur, dass Owen Wilson so viele schlechte Filme gedreht hat in der Folgezeit. Vom drögen "Geisterschloß" über die doch recht lahme Western-Parodie "Shanghai Noon" bis hin zum ärgerlichen Kriegs-Actioner "Im Fadenkreuz" hat sich Wilson anscheinend vorgenommen immer abwechselnd gute und schlechte Filme zu drehen. Kaum einer kennt jedoch die Seite des Schreiberlings Owen Wilson, so waren seine bisherigen Werke als Drehbuchautor doch eher einem äußerst kleinen Publikum vorbehalten. Zusammen mit dem Indie-Regisseur Wes Anderson schuf er die Krimi-Komödie "Bottle Rocket" und das skurrile Jugend-Dramödchen "Rushmore". Nun soll es sich aber ändern, Owen Wilson soll mehr als nur ein einfacher Hollywood-Schauspieler werden, denn hier kommen seine "Royal Tenenbaums":
Royal Tenenbaum (Gene Hackman), ein betrügerischer Anwalt. und seine Frau Ethel (Anjelica Huston), eine herzensgute Archäologin, kauften ein großes Haus, bekamen drei geniale Kinder und führten diese zum Erfolg. Mit zehn Jahren war Chas ein Finanzgenie, Richie bereits ein Tennis-Star und Margot, die immer damit zu kämpfen hatte, dass sie nur adoptiert war, eine bekannte Bühnen-Autorin. Doch Royal leistete sich neben seiner Ehe nicht nur verschiedene Affären, er war auch nicht grade nett zu seiner Familie, so dass Ethel ihn schließlich vor die Tür setzte. Anfangs war Royal noch zu Besuchen willkommen, aber das änderte sich - denn Royal änderte sich nicht. So vergingen zwanzig Jahre in denen man sich wenig sah und die Familie immer mehr zerbrach. Chas (Ben Stiller) heiratete, bekam zwei wunderbare Kinder, die er nach seinem Vorbild erzog, alles hätte so wunderbar sein können. Doch dann starb Chas' Frau bei einem Flugzeugabsturz und er fiel in ein endloses Loch. Jetzt ist er ein Nervenwrack, dass meint seine Kinder vor alles und jedem beschützen zu müssen - und diesen damit gehörig auf den Nerv geht. Richies (Luke Wilson) Tennis-Karriere endete sehr plötzlich, keiner weiß, dass er sein wichtigstes Spiel vergeigte weil er nicht mit seinen Gefühlen gegenüber seiner Schwester klar kam. Nun schippert er bereits seit drei Jahren über die Weltmeere und sucht sich selber. Margot (Gwyneth Paltrow) hingegen hat alles mögliche ausprobiert. Immer wieder andere Kerle bestimmten ihr Leben, als der berufliche Erfolg ausblieb machten sich Depressionen breit. Schließlich heiratete sie den väterlichen Psychologen Raleigh St Clair (Bill Murray), ohne jedoch damit aufzuhören diesem ständig Hörner aufzusetzen. Derzeit hat sie eine Affäre mit Eli Cash (Owen Wilson), dem Nachbarsjungen aus Jugendzeiten, der als bester Freund von Ritchie immer in der Nähe der Tenenbaum-Kinder aufwuchs und sich nur wünschte so genial zu sein wie sie. Als Romanautor ist Eli zwar erfolgreich, bekommt aber nur miese Kritiken. Dies hat ihn in die Drogenabhängigkeit geführt. Und Ethel beschließt wieder zu heiraten. Dumm nur, dass ihre Ehe nie geschieden wurde und der nicht minder herzensgute Witwer und Steuerberater Henry Sherman (Danny Glover) nun darauf drängt, schließlich bleibt auch ihm nicht mehr alle Zeit der Welt. Royal hat sich die letzten Jahre über immer mit Gaunereien über Wasser gehalten, er ist aus der Anwaltskammer ausgeschloßen wurden und saß auch eine Zeitlang im Gefängnis. Seine einzigen Freunde sind der Liftboy Dusty (Seymour Cassel) und der ehemalige indische Kopfgeldjäger Pagoda (Kumar Pallana), der einst Jagd auf Royal machte. Pagoda arbeitete auch nach Royals Rausschmiß weiterhin als Butler für die Tenenbaums und ist dessen Spion im familiären Haus. So hört er auch schnell, dass Ethel wieder heiraten will. Das wurmt Royal so sehr, dass er beschließt seiner Familie noch einmal auf den Zahn zu fühlen. Unter dem Vorwand bald sterben zu müssen und grade seine Bleibe verloren zu haben zieht Royal wieder zu Hause ein - und macht das bestehende Chaos dank seiner kleinen Gemeinheiten erst mal noch schlimmer. Aber auch ein Royal Tenenbaum kann dazu lernen und vielleicht sogar hilfreich sein...
Alles an diesem Film ist absolut skurril. Wilson und Andseron beweisen in ihrem dritten gemeinsamen Film mehr noch als je zuvor ihr Auge für Details, denn das Besondere an "Die Royal Tenenbaums" ist, dass es Spaß macht in jeder Sequenz über das Set Design zu schweifen, denn dass ist nicht minder verrückt wie alle Charaktere, so gibt doch auch dieses jedesmal etwas von den inneren Gefühlen der Charaktere wieder. Die Wohnung von Chas ist eine Mischung aus Sicherheitsapparat und spartanischem Finanzbüro, Richie hingegen wohnt in einem Zelt, dass vollgestopft ist mit Reliquien der 60er, Margot mag es eher düster und minimal als Ausdruck ihrer Einsamkeit, Ethels Räumlichkeiten sind edel und geordnet und die Wohnung von Eli Cash ist vollgestopft mit schrägsten Malereien und indianischen Kinkerlitzchen.
Auch das Aussehen der Charaktere ist völlig durchgeknallt. Da ist der schwarze Danny Glover, der weiß-blonde Haare und einen ebenso farbigen gepflegten Vollbart trägt. Da ist der schmierige Gene Hackman, der immer wie ein Überbleibsel aus den 70ern wirkt, Mantel, Mütze, Brille Modell "Längst verstorben", so tritt der glatte Royal Tenenbaum auf. Margot rennt immer mit düsteren Augenringen und traurig-laszivem Gesichtsausdruck herum, Chas hat anscheinend nichts anderes als einen roten Adidas-Träningsanzug und Richie versteckt sich hinter langen Haaren, einem überquellenden Vollbart und einer dunklen Sonnenbrille.
Storytechnisch erweisen sich Anderson und Wilson als fähige Erben Woody Allens. Ihr New York-Film sprudelt nur so über vor dem, was Allen einst berühmt machte: liebevolle, aber trotzdem äußerst bissige Skurrilität. Völlig durchgeknallte Situationen und trockener Dialogwitz sind das Hauptmerkmal des oft auch episodenhaft wirkenden Films, aber gerade durch sowas kann man ja Charaktere äußerst gescheit definieren. Und dies gelingt bei den "Tenenbaums" auf gradezu geniale Art, es geht immer um die Figuren, die Story wird da fast schon zur Nebensache. Perfekt unterstützen tut diese in den Mittelpunktstellung der Figuren vor allem die gradiose Besetzung, angeführt von einem schelmischen Gene Hackman, der sich mit Spaß austobt. Der Rest unterliegt ihm jedoch nicht. Besonders beeindrucken tut Gwyneth Paltrow mit einer äußerst zerbrechlich wie erotisch wirkenden Darstellung, wie auch die Altstars Danny Glover und Anjelica Huston, die dem Film den edlen Touch verleihen.
"Die Royal Tenenbaums" dürfte jedoch trotzdem das Publikum spalten. Sonderlich aussagekräftig ist der Film nicht und der Spannungsbogen läßt auch zu wünschen übrig. Vielen dürfte die durchgeknallte Ader des Films etwas zu durchgeknallt sein, der Zugang dürfte für den Durchschnittszuschauer nicht immer leicht sein, vor allem wenn er weder das alte New York-Kino Woody Allens, noch das neue a la Edward Burns kennt. Dank der Besetzung erreicht dieses Anderson/Wilson-Werk natürlich ein größere Publikum, was jedoch nichts am Geheimtipp-Charakter ändert. [srs]
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