|
| Main | Media | Reviews | DVD |
Feuer, Eis und Dosenbier
(D, 2001)
Auf der Alm sind aolle blöed! Deswegen fällt Türlich, der Enkel des Öhi (Herbert Fux) auch als kleiner Junge nach Genuß seines ersten Bieres um und direkt in einen Weidenkorb hinein, der ihn hinunter ins Tal treibt. Auch die kleine Heidi kann ihm da nicht mehr helfen. 16 Jahre später ist Türlich (Rick Kavanian) zum Rasta-Typen mutiert, der den ganzen Tag mit seinem besten Kumpel Josch (Axel Stein) Computer spielend und saufend vor der Glotze verbringt. Dabei vernachlässigen sie ihren Zivildienstjob als Sanitäter ordentlich. Wenn sie dann aber doch mal mit dem Krankenwagen losbrausen, dann kommt es meistens zu Chaos – und so ist es auch kein Wunder als eine ihrer Terrortouren mit vielen Schwerverletzten endet sie nicht nur aus dem Job geworfen werden, sondern sie auch noch zur Strafe den Rest ihrer Dienstzeit bei der Bundeswehr verbringen sollen. Zuflucht suchen sie daraufhin bei einem nicht minder proletenhaften Pfarrer, der Türlich einst aufzog und ihn nun über seine Vergangenheit aufklärt – und ihm zudem noch einen Brief von Heidi überreicht. So erfährt Türlich, dass es dem Öhi gar nicht gut geht und er nach Hause kommen muss um sein Erbe, das Städtchen Klein-Ischgl, anzutreten. Der Berg ruft, natürlich denken Josch und Türlich, dass Klein-Ischgl und die österreichische Mallorca-Variante für Skifahrer Ischgl ein und dasselbe sind. Doch da haben sie sich leider geirrt, Klein-Ischgl liegt zwar gleich bei Ischgl, jedoch leben die Menschen hier noch wie vor 200 Jahren, es gibt keinen Strom und jeden Abend gibt es Haferschleim oder Käse-Fondue. So wird aus dem Traum der beiden Deppen zur hochgefeierten Bergwacht zu gehören und Bräute ohne Ende abzuschleppen erstmal nichts. Beim Öhi angekommen erkennt Türlich schnell wo sein Zuhause ist, denn auch die zur wunderschönen Frau erblühte Heidi (Eva Habermann) hat es ihm sofort wieder angetan. Josch hingegen findet alles langweilig. Er will sich lieber mit den anderen Touris in Ischgl volllaufen lassen. Hinter der friedlichen Fassade wohnt jedoch auch das Böse. Multi-Millionär Tronald Dump (Christoph M. Ohrt) will aus Ischgl einen großen Freizeitpark machen, dabei steht ihm jedoch der Berg im Weg – und damit auch Klein-Ischgl. Lange schon bekämpft er den Öhi, bisher will dieser aber einfach nicht den Löffel abgeben, so dass Dump den Berg in seine Hände bekommen könnte. In Türlich und Josch sieht er die Lösung seiner Probleme gekommen und er versucht sie mit der Uniform der Bergwacht zu bestechen. Können die beiden Helden in spe der Versuchung trotzen?
Deutsche Komödie teilen sich immer mehr in drei Gruppen auf: die Beziehungskomödie, die Teenie-Komödie und die Prolo-Komödie. Nachdem Filme wie „Mädchen, Mädchen“ aus der Gruppe der Teenie-Komödien die Top Ten schnell im Sturm nahmen und auch übelste Schwachmaten-Filmchen wie „Ballermann 6“ einen wahren Hype auslösten, was liegt da näher als ein Cross-Over beider Genres. Und so bekommen wir Türlich und Josch serviert – zwei Volldeppen wie sie im Buche stehen, deren Intelligenz aber immer noch höher liegt als die aller übrigen Filmfiguren. Um bei den Kritikern plus machen zu können setzt Regisseur und Autor Dinter aber nicht zu stark auf den Tom Gerhardtschen Brachial-Humor, sondern nur die Werbekampagne für den Film: im Trailer wird gesoffen, gekotzt und gerotzt was das Zeug hält, im fertigen Film hingegen werden diese Komponenten eher vernachlässigt und auf eine Mischung aus Teenie-Klischees und Alm-Verarsche gesetzt. Alles was Johanna Spyri-Fans heilig ist wird in „Feuer, Eis & Dosenbier“ gnadenlos niedergetrampelt. Alle Figuren sind da, die herzensgute Heidi wird zur naiven Sexbombe, der nicht minder gute Geißen-Peter wird zum rachedurstigen Trottel, der nur „Beine breit, der Doktor kommt“ spielen will, der weise Alm-Öhi wird zum um sich ballernden Stinker. Das alles hat natürlich viel parodistisches Potential, das der Film teilweise sogar ganz gut auszuschöpfen weiß. Nicht jeder Gag zündet, viele aber tun es, so dass „Feuer, Eis & Dosenbier“ dann qualitativ bei weitem nicht im Keller landet. Da das Niveau auch noch auf akzeptabler Höhe bleibt kann man zwar danach von „Hohl“, aber nicht von “Völlig daneben“ sprechen.
Besetzungstechnisch ist jedoch eine leichte Panne passiert. Als Hauptwerbemerkmal wird „Bully-Parade“-Mitglied Rick Kavanian in der Hauptrolle präsentiert, nach „Der Schuh des Manitu“ sicherlich ein publikumswirksamer Schauspieler. Schade nur, dass Kavanian völlig fehl besetzt ist. Der Junge ist einfach nicht lustig, schon alleine weil der „Manitu“-Effekt als Bumerang zurückschnellt, denn man kann sich Kavanian einfach nicht vorstellen wenn er normal redet. Den mangelnden Witz und die zunehmende Nerverei seines Partners kann Axel Stein wenigstens teilweise auffangen. Stein erweist sich hier erneut als Vollblutkomiker und zeigt sich als das eigentlich markante Gesicht in dem Film. Auch Christoph M. Ohrt zeigt als Bösewicht wieder seine komische Ader und seinen ausgeprägten Hang zu Blödsinn, was jedoch nichts daran ändert, dass der Mann einfach ein guter Schauspieler ist und irgendwie alles spielen kann. Nicht genutzt wird die Präsenz von Eva Habermann, die ziemlich am Rande des Films versackt. Selbst als schmuckes Beiwerk taugt sie hier nicht viel, dafür wird sie einfach zu lasch in Szene gesetzt.
Unterhaltungstechnisch ist „Feuer, Eis & Dosenbier“ nicht missglückt, obwohl die Story vorhersehbar und löchrig wie ein Schweizer Käse ist, auch sollte man diesen Film sich eher in der Gruppe und nicht unbedingt völlig nüchtern anschauen. Beherzigt man dies und hat keine Probleme mit Schwachsinn Total macht der Film über die weitesten Strecken Spaß. [srs]
|
|