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The Others

(Others, The; USA/E, 2001)

Die Kanalinsel Jersey im Jahr 1945. Die letzte Schlacht des Zweiten Weltkriegs ist geschlagen, doch der Ehemann von Grace (Nicole Kidman) ist nicht von der Front zurückgekehrt. Isoliert und einsam lebt die strenggläubige Frau in einem unheimlichen viktorianischen Anwesen, wo sie ihre beiden Kinder nach strikten religiösen Prinzipien erzieht. Leider macht Anne des öfteren den erzieherischen Bemühungen ihrer Mutter einen Strich durch die Rechnung. So kann Anne Stimmen und Erscheinungen von „Geistern“ im Haus wahrnehmen. Grace bestraft Anne wegen ihrer Aussagen, bis sie selbst feststellen muss, dass es vielleicht doch im Haus spuken könnte. Fremde Stimmen und ein von sich selbst spielendes Klavier bringen die vom Schicksal gebeutelte Familienmutter an den Rand eines Nervenzusammenbruchs. Anne (Alakina Mann) und Nicholas (James Bently) sind zudem mit einer fürchterlichen Krankheit geschlagen: Sie können niemals direktem Sonnenlicht ausgesetzt werden. Als drei neue Bedienstete bei Grace vorstellig werden, gelten für sie drei Regeln, die stets sklavisch genau befolgt werden müssen: Immer muss das Haus in Halbdunkel getaucht sein. Auch müssen stets alle Vorhänge zugezogen sein. Immer muss die letzte Tür geschlossen und verriegelt werden, bevor die nächste geöffnet werden darf. Doch die rigide Ordnung von Grace wird nachhaltig erschüttert als ihr totgeglaubter Ehemann, vom Krieg schwer gezeichnet, nach Hause zurückkehrt und beinahe genau so schnell wie er gekommen ist wieder verschwindet. Grace und die Kinder werden mit immer mehr Wahrheiten konfrontiert, die sie sich niemals hätten träumen lassen. Doch keine Sorge – „The Others“- werden sich darum kümmern ...

Newcomer-Regiesseur Alejandro Amenabar hat sich an ein lange vernachlässigtes Genre herangetraut; den Gruselfilm im klassischen Sinne. Ohne große Effekte oder die in den letzten beiden Jahrzehnten in Mode gekommenen Splattereffekte offenbart sich „The Others“ als ein Horrorfilm der alten Schule. Durch die ständig in den Räumen vorherrschende Dunkelheit, was auf die Lichtempfindlichkeit der im Haus lebenden Kinder zurückzuführen ist, die gruselfördernde Score, Belichtungseffekte und Kameraperspektiven wird mit recht einfachen, aber stilistisch anspruchsvollen filmischen Mitteln ein Horrorthriller präsentiert, der von seiner Qualität an die großen Horrorfilme der dreißiger, vierziger und siebziger Jahre erinnert. Ich möchte nur an die Draculafilme mit Bela Lugosi oder an die Frankensteinfilme mit dem unvergesslichen Boris Karloff erinnern. Vom Anspruch erinnert der Streifen auch an „Das Omen“ oder den „Exorzist“, natürlich inkl. der ganzen Sequel, aus den siebziger Jahren, das diesem Genre eine kurze Renaissance bescherte. Diese Hommage an die guten alten Horrorfilme offenbart aber auch einen potentiellen Schwachpunkt. Wer Action, Schnelligkeit und Splattereffekte erwartet, wird mit dem am Anfang leicht träge wirkenden „The Others“ so seine Probleme haben. Der Film ist sehr intelligent inszeniert, mit vielen Rätseln untermauert, sehr anspruchsvoll und regt daher auch zum nachdenken an. Gegen Mitte bis Ende des Films wird der Streifen akzentuierter, immer mehr Rätsel werden aufgeklärt und damit wird für den Zuschauer die filmische Grundaussage und der globale Zusammenhang der verschiedenen Rätsel auch anschaulicher. Das Ende bzw. der finale Höhepunkt ist zumindest für die Zuschauer, die den Streifen noch nicht bis ins letzte Detail durchleuchtet haben, eine Überraschung. Wer Streifen wie „The Sixth Sense“ oder auch „Schatten der Wahrheit“ mochte, wird sich auf jeden Fall auch bei „The Others“ heimisch fühlen.

Weiterhin ziehe ich meinen Hut vor dem Regisseur und Drehbuchautor Alejandro Amenabar der nicht nur eine fesselnde Story auf die Leinwand zauberte, sondern der es auch noch vermochte den Schauspielern, allen voran der glänzend agierenden Nicole Kidman, so ziemlich alles abzuverlangen was eigentlich möglich ist. Auch die Hommage an die Horrorklassiker der alten Schule mit ihrem Mystizismus und den bereits oben beschriebenen „alten“ Stilelementen, um Grusel und Horror entstehen zu lassen, sind zu loben, runden den Streifen ab und versprechen dem Cineasten einen gruselfördernden Kinoabend.

Diesen Film sollten sie sich nicht entgehen lassen, wenn sie dem künstlerischen Anspruch eines spannenden Horrorthrillers und Gruselthrillers nicht abgeneigt sind. Sollten sie eher ein Fan der kommerziellen Hollywoodklischees sein, dann könnte ihnen der Film etwas langatmig und stellenweise auch langweilig vorkommen

[rk]


Allein und verlassen lebt Grace (Nicole Kidman) mit ihren beiden kleinen Kindern in einem schier unendlich großen Herrenhaus auf der Kanalinsel Jersey. Es ist 1945, der zweite Weltkrieg ist schon einige Monate vorbei, doch ihr Ehemann Charles (Christopher Eccleston) ist immer noch nicht aus der Schlacht heimgekehrt und gilt als vermißt. Grace, eine streng gläubige Frau, die zwar ihre Kinder liebt, aber auch meint, dass nur harte Bestrafung im Notfall helfen kann, sucht um mit dem Haushalt klar zu kommen neue Dienstboten, die letzten verschwanden völlig unerwartet bei Nacht und Nebel. Das größte Problem für Grace ist die Krankheit ihrer Kinder, eine tödliche Lichtallergie nagt an der kleinen Anne (Alakin Mann) und ihrem jüngeren Bruder Nicholas (James Bentley), die Folge davon ist, dass fast immer alle Vorhänge geschloßen sein müßen, eine Regel die Grace über alles geht und wodurch man selten auch nur eine Tür in dem Haus nicht verschloßen findet. Grace glaubt nur durch die völlige Kontrolle das Leben ihrer Kinder schützen zu können.
Als die alternde Haushälterin Bertha Mills (Fionnula Flanagan) zusammen mit dem Gärtner Mr Tuttle (Eric Sykes) und dem stummen Dienstmädchen Lydia (Elaine Cassidy) auftaucht glaubt Grace, dass das Leben nun besser wird und ihr der ständig um sie herum wabernde Nebel nicht mehr aufs Gemüt schlagen wird.
Doch seltsame Ereignisse im Haus rauben Grace bald den letzten Nerv. Was sie anfangs als Lügengespinst ihrer rebellischen Tochter abtut erweist sich bald als Tatsache, die Grace jedoch trotz eigener Erfahrungen nicht akzeptieren will: in ihrem Haus spukt es. Immer wieder begegnet Anne einem Jungen, seinen Eltern und einer alten Frau, Grace hingegen sieht niemanden, doch die Türen, die unvermittelt geöffnet und geschloßen werden, das Klavierspiel in der Nacht, das gar nicht sein kann weil niemand da ist und ähnliches überzeugen sie davon, dass etwas Übersinnliches vor sich geht. Bald glaubt Grace, dass ihre neuen Angestellten, die nach eigenen Angaben bereits einige Jahre zuvor in dem Haus gearbeitet hatten, mehr wissen als sie eigentlich zugeben...

„The Others“ erweist sich als altmodischer Gruselfilm, der von Anfang bis Ende mit einem ungeheuer starken Spannungsbogen zu fesseln weiß und dabei auch nie die Charaktere vernachlässigt. Gegen den Strich besetzt überzeugt Nicole Kidman mehr als je zuvor als religiöse und erzkonservative Mutter, die eher eine Anti-Held Funktion übernimmt, durch ihre Strenge, Härte und Unfreundlichkeit wird sie nicht sympathisch, auch die langen Rücke und hochgeschloßenen Kleider, die eher untypisch, gerade nach „Moulin Rouge“ für eine Kidman-Figur sind, präsentieren die Schauspielerin als verbohrt, aber als stilistischen Blickfang. Mehr noch als Miss Kidman können jedoch die Kinder-Darsteller beeindrucken, obwohl beide Newcomer sind. Vor allem Anne-Darstellerin Alakin Mann sorgt für wunderbare schauspielerische Momente und ergänzt sich mit Nicole Kidman perfekt.
„The Others“ zieht viel von seiner Atmosphäre aus den frühen Horrorklassikern der 30er Jahre, wie jedoch auch aus dem wesentlich blutigeren, aber detailverliebten Hammer-Film der frühen 60er. Der ständig dichte Nebel, ein leeres Spukhaus mit einer Unmenge an Räumen, die Dunkelheit in dem Haus, das Knarren der Türen und Dielen, das alles sind typische Ingredienzen eines Gruselfilms, der keinen Wert auf Mord und Totschlag legt, sondern viel eher darauf, dass die Herzen der Zuschauer genauso schnell schlagen wie die der Protagonisten auf der Leinwand. „The Others“ ist ein Film zum Reinsteigern, ein ungeheuer liebevoll bearbeitetes Stück Genrekino, dass dem subtilen Horror-Schocker auch nach „The Sixth Sense“ durchaus neuen Saft noch zu geben vermag. Das Spiel des spanischen Regisseurs Alejandro Amenabar mit den dunklen Farbtönen ist sehr europäisch und man merkt dem Stil an, dass Amenabar Almodovar, Rodriguez und De La Iglesias mehr als einmal gesehen hat. Blasse Grau-Töne bevölkern das Äußere des Hauses sowie die Sequenzen wenn im Haus die Vorhänge mal nicht geschloßen sind, derbe Braun-Töne hingegen wenn mehr als Kerzenlicht nicht vorhanden ist. Perfekt in die Farbe der Bilder fügen sich auch die Ausstattung und die Kostüme der Darsteller ein, der gesamte Film wirkt wunderbar durchkomponiert und bietet so nicht nur dem Geist, sondern auch dem Auge etwas.
Negativ wirkt sich jedoch die Story gegen Ende etwas aus. Nach vielen kleinen Wendungen des Gut-Böse-Schemas und nach mancher Irreführung des Zuschauers zeigt sich das Finale als nicht wirklich logisch, was zugegebenermaßen aber auch ein genrebedingtes Problem ist, diesen Film wirklich zu einem absolut glaubhaften Ende zu bringen ist schon bei der Ausgangssituation recht schwierig. Zu schocken weiß Amenabar trotzdem.
Wenn man sich gerne auf anspruchsvolle psychologische Weise gruseln läßt und „Freitag der 13.“-Grausamkeiten für unnötig hält, dann kann man mit „The Others“ absolut nichts falsch machen.

[srs]