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Panic Room

(Panic Room, The; USA, 2002)

Die Erwartungen an einen Film David Finchers dürften mittlerweile recht hoch gesteckt sein. War sein Erstlingswerk "Alien3" noch eine mittelmäßige Enttäuschung, so waren seine Folgefilme doch zum größten Teil intelligente und visuell packende Unterhaltung. Ob er uns nun ins verregnete New York im Psycho-Krimi "Sieben" führte oder auch ein apokalyptisches Gesellschaftsbild in "Fight Club" entwarf, Finchers Filme hatten seitdem immer Highlight-Qualitäten, selbst der nicht gerade mit Logik protzende Thriller "The Game", der dafür nicht mit Spannung geizte. "Panic Room" führt uns nun zurück nach New York. Und wieder ist es am regnen, so als würde es nie aufhören...

Meg Altman (Jodie Foster) steht vor den Scherben ihres Lebens. Gerade hat sie die Scheidung von ihrem Mann Stephen (Patrick Bauchau) durchgemacht, der sie für eine andere sitzen ließ. Dies läßt sie in ein tiefes Loch fallen, das einzige was ihr geblieben ist ist die 14jährige Tochter Sarah (Kristen Stewart), die es nun zu beschützen gilt, zumal ihre Zuckerkrankheit nicht gerade Megs Fürsorgesinn mildert. Mutter und Tochter lieben sich zwar heiß und innig, aber genervt voneinander sind sie auch. Ein neues Heim soll für die nötige Grundlage im neuen Leben sorgen, so kauft Meg ein altes, aber vornehmes Haus in einer ruhigen Gegend der Stadt. Hier wo noch Friede und Freundschaft herrschen soll jedoch bald das Chaos Einzug halten. Kaum ist der erste Tag in der neuen Wohnung vorbei und die Dunkelheit hereingebrochen schleichen sich drei Gestalten ins Haus, die nicht damit gerechnet haben, dass nachdem das Haus so lange leer stand ausgerechnet jetzt jemand eingezogen ist. Junior (Jared Leto), Burnham (Forest Whitaker) und Raoul (Dwight Yoakam) sind auf der Suche nach mehreren Millionen Dollar. Meg bemerkt die Einbrecher, schnappt sich ihre Tochter und flüchtet in den Panic Room, ein Hochsicherheitsversteck innerhalb des ersten Stocks, videoüberwacht und zur Versorgung auf längere Zeit gedacht. Dieses Wunderwerk der modernen Technik mit dicken Stahltüren wird jedoch für die beiden Frauen zum Gefängnis, denn anders als erwartet wissen die drei Gangster von dem Panic Room, den genau hier ist ihre Beute versteckt. Die Belagerung beginnt...

Wenn bereits am Anfang bei noch strahlendem Sonnenschein die Credits vor den Fassaden der ruhig wirkenden New Yorker Häuser auftauchen ahnt man böses. Von Anfang an herrscht in Finchers Film wieder die urbane Angst vor dem Moloch der Großstadt, einem Ort wo kein Gesetz mehr gilt. Spätestens dann wenn der Regen einsetzt wird klar: es kann nur noch schlimmer kommen. Man folgt der persönlichen Tragödie einer durchschnittlichen Bewohnerin dieses Molochs, die zwar von der Grausamkeit der Stadt ahnt, aber in der naiven Vorstellung lebt, dass sie durch die Flucht in die Vorstadt dem Grauen entkommen kann. Ihre neue Wohngegend ist so friedlich - viel zu friedlich.
Fincher liebt es Atmosphäre durch Dunkelheit und ständig prasselnden Regen zu erzeugen - und sich virtuose Kamerafahrten einfallen zu lassen, besonders an Punkten wo andere Regisseure nie auf die Idee kommen würden einen anderen Weg zu gehen als den einfachsten, so bietet auch "Panic Room" z.B. den Blick durchs Schlüsselloch mal aus einer anderen Perspektive und ähnliches.
"Panic Room" muss leider eines Gefallen lassen, er ist nicht mehr als Unterhaltung. War "Fight Club" eine brodelnde und gewalttätige Gesellschaftssatire, zeichnete "Sieben" ein grausiges Bild der Großstadt-Metropole, in der die Sonne weder die dunklen Wolken noch die düsteren Gemüter der Bewohner durchdringen vermag, so ist "Panic Room" nicht mehr als ein gradliniger Thriller, der mit Perfektionismus in Szene gesetzt wurde und mit Spannung bestechen kann. Hollywood-Entertainment in gekonnter Form, aber keinesfalls ein sonderlich aussagekräftiger Film.
Sehen lassen kann sich die Besetzung, auch wenn für den größten Teil ihre Rollen nicht viel mehr bedeutet als den kleinen Finger einzusetzen. Jodie Foster spielt gekonnt wie immer, neue Impulse gibt die Rolle ihrer Schauspielkunst jedoch nicht. Ähnlich ergeht es auch Forest Whitaker, mittlerweile wohl einem der bekanntesten schwarzen Nebendarsteller, der dem gutmütigen Räuber zwar ein Gesicht gibt, aber sich dafür auch nicht sonderlich ins Zeug legen muss. Die Rolle von Jared Leto bietet da mehr, so hat sein Charakter doch einige andere Facetten zu bieten, er ist ein junger Heißsporn, ein grober Klotz, der sich in den Mittelpunkt rücken muss und sich als Anführer aufspielt, obwohl er doch nicht mehr als ein manipulierbarer Wichtigtuer ist. Letos Figur ist aber auch der Mittelpunkt dessen, was an den Charakteren das Interessanteste ist: die Beziehung der drei Gangster zueinander. Sie alle sind normale Menschen, die Gier nach dem Geld entartet sie jedoch und nimmt ihnen alle Skrupel, was sowohl zu manch einem sarkastischen Gag, da sie ansehnlich beweisen, dass sie nicht mehr als Amateure sind, wie auch zu einigen derben Blutrünstigkeiten gegen Ende führt. Fincher muss sich hier leider eine recht selbstzweckhafte Gewalt vorwerfen lassen, zeigt sich doch der größte Teil seines Films noch jugendfrei, so gibt es im Finale so manchen unschönen Moment. Wirklich herausstechen aus der Besetzung tut im Endeffekt nur die zwölfjährige Kristen Stewart, die trotz ihrer bisher praktisch nicht vorhandenen Filmerfahrung hier eine sehr hoffnunsvolle und talentierte Performance abliefert.
"Panic Room" ist mit Sicherheit nicht der Film, den man diesen Jahr gesehen haben muss, er bietet aber ordentlichen Thrill auf gehobenem Niveau, von dem man wohl kaum wirklich enttäuscht wird. In Bezug auf Mr Fincher kann man jedoch wieder nur hoffen, dass sein nächster Film wieder ein kleiner Knaller wird.

[srs]