Filmdatenbank - DVD Reviews - Filmkritiken - Filmreviews - Kinonews - Kinostarttermine
 
 







 
Suchen nach  in   

Main | Media | Reviews | DVD

Star Wars: Episode 2 - Angriff der Klonkrieger

(Star Wars: Episode 2 - Attack of the Clones; USA, 2002)

Wahre Kultfilme gibt es wenige und im Vergleich fällt auf, dass die meisten aus den 70er Jahren stammten. „Krieg der Sterne“ ist fraglos einer von ihnen, kein Film hat es danach geschafft noch einmal eine so träumerische Mischung aus Märchennaivität, Science-Fiction, Action, Abenteuer, Romantik, Atmosphäre und Phantasie zum Leben zu erwecken, kurz: die Magie, die „Star Wars“ schuf blieb einzigartig. Damals, als man noch ohne Computertricks auskommen musste und hier in detailbesessener, liebevollster Art und Weise neue Welten erschuf, konnten wir noch gebannt auf die Leinwand schauen. Heute sind wir verwöhnt, wir kennen die CGI-Tricks von Hollywood in- und auswendig. Ein schwerer Stand schon 1999 als „Star Wars“-Schöpfer George Lucas beschloß die Vorgeschichte seiner Leinwandsaga, die er damals schon als Mittelteil eines großen Epos konzipiert hatte, endlich auf die Leinwand zu bringen. Dass „Star Wars“ im Kino noch immer trotz seines Alters zugkräftiger ist als der größte Teil der aktuellen Streifen hatte Lucas schon bewiesen, als er die digital überarbeiteten Fassungen seiner drei Filme veröffentlichte und diese weltweit auch mehr als 10 Jahre nach dem Start von „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ und den ungezählten TV-Ausstrahlungen in dieser Zeit problemlos an die Spitze der Boxoffice-Charts stürmten. Mit der Wiederbelebung des Mythos hatte Lucas natürlich eine große Bürde zu tragen, eine Bürde die kaum zu tragen war. Es erscheint nahezu unmöglich an ein Phänomen wie „Star Wars“ überzeugend anknüpfen zu können, so stieß seine Episode 1, „Die dunkle Bedrohung“, trotz eines grandiosen Blockbuster-Erfolgs vor allem bei den treuen Fans auf taube Ohren, die sich von Lucas verraten fühlten. Grund dafür war, dass doch die eklatante Mängel, die von Anfang bis Ende verhinderten, dass das „Star Wars“-Feeling aufkommen konnte, in dem Film ziemlich offensichtlich waren. Viele spotteten von „Muppet Show statt Sternenkrieg“, vor allem der tolpatschige Jar Jar Bings, eine Figur, die eher der „Sesamstraße“ entsprungen zu sein schien, störte das Publikum so sehr, dass ihm in Episode 2 nun nur kurze Auftritte zugebilligt wurden. Lucas hatte mit dem Film sein ursprüngliches Zielpublikum verleugnet und auf kindlichem Niveau sein neues vermutet. Es wimmelte nur so vor niedlichen Außerirdischen, der Streifen war zu sehr eine Kommerzmaschinerie. Dabei wurde aber auch größtenteils übersehen, dass er als Effektkino und Science Fiction-Streifen durchaus gut funktionierte, aber es war halt kein „Star Wars“, die Magie blieb weg. Drei Jahre danach, eine Zeit in der die Medien einem gradezu das Wasser im Munde zusammenlaufen ließen, kommt nun Episode 2, der Mittelteil der neuen Trilogie und die große Hoffnung der Fans auf einen düsteren Film „mit dem die Macht ist“. Äußerst beschwingte Vorabkritiken aus den USA ließen ihn schon hochleben, Aussagen wie „der beste „Star Wars“-Film überhaupt“ gab es. Und für die Fans in aller Welt stellt sich nun natürlich die Frage: Stimmt das?

Zehn Jahre sind vergangen seitdem der Jedi-Ritter Qui-Gon Jin im Kampf gegen Darth Maul sein Leben ließ, zehn Jahre in denen sich sein Schüler Obi-Wan Kenobi (Ewan McGregor) selber zum weisen Jedi-Meister entwickelt und auch selber einen Schüler ausgebildet hat. Den jungen Anakin Skywalker, den Qui-Gon damals aus der Hand der Sklavenhändler Tatooins befreit und zu seinem neuen Protegé auserkoren hatte, hat Obi-Wan unter seine Fittiche genommen. Aus dem begabten Kind von damals ist ein aufstrebender junger Mann (Hayden Christensen) geworden, der sich selber bereits in seiner Arroganz als großer Jedi-Ritter sieht und nur zu oft risikoreich, unbeherrscht und unbedacht vorgeht. Dies beachtet Obi-Wan wie auch dessen Mitstreiter Yoda und Mace Windu (Samuel L.Jackson) mit Sorge, aber sie wissen, dass die Macht in Anakin enorm ist und er irgendwann in der Lage sein könnte großes zu vollbringen.
Die politische Situation in der Galaxis ist leider alles andere als besser geworden. Unter der Anführung des undurchsichtigen Jedis Dooku (Christopher Lee) scharrt sich wieder der Abschaum des Alls, der nur zu gerne die Macht übernehmen würde. Als Vermittlerin zwischen den Welten tritt erneut die Herrscherin von Naboo, Königin Amidala (Natalie Portman), die mittlerweile eine feste Position im Senat hat, in Erscheinung – und wird dadurch zur Elemination durch die Schurken auserkoren. Zu ihrem Schutz werden Obi-Wan und Anakin abgestellt. Für den jungen Skywalker wie die Königin brechen alte Gefühle wieder auf, schließlich existierte schon in Kindesalter eine Bindung zwischen ihnen, die sich nun in tieferen Gefühlen äußert. Ein vereitelter Mordanschlag führt Obi-Wan schließlich auf einen geheimnisvollen Planeten, wo angeblich im Auftrag der Föderation eine Armee aus Klonen seit Jahren aufgebaut wird. Vorbild ist dabei der bösartige und gewitzte Kopfgeldjäger Jango Fett (Temuera Morrison), den Obi-Wan schnell als den gesuchten Attentäter identifizieren kann. Während Obi-Wan diesem quer durch die Galaxis folgt hat Anakin den Auftrag bekommen die Königin nach Hause zu begleiten und dort für ihren Schutz zu sorgen. An diesem friedlichen und malerischen Ort beginnt ihre Romanze zu erblühen...

Problematisch an Episode 1 wirkte sich auch aus, dass es schwierig war eine Verbindung zu den alten Filmen zu schaffen. Das Publikum hatte nicht wirklich die gleichen Charaktere vor sich, nicht die gleichen Umgebungen, es gab kaum etwas, was einem bekannt vorkam. Dort setzt Episode 2 nun an, man findet sich an altbekannten Orten wieder, wie z.B. der Bastel-Garage auf Tatooin, in der später für Luke Skywalker ein neues Leben beginnen wird, man trifft auf altbekannte Gestalten wie Sandmenschen oder den jungen Boba Fett, der später zu dem Kopfgeldjäger werden wird, der Han Solo Jabba the Hutt ausliefert und im Schlund des Rankor endet. Und man wird an Dinge erinnert, die in den späteren Filmen gesagt werden, wie z.B. dass Kenobi Luke später von den Klon-Kriegen erzählt. Dies alles hilft dem Fan natürlich enorm sich hier wohlzufühlen. Wichtig ist auch, dass uns nun die Charaktere nicht mehr kalt lassen. Der Tod Qui-Gons in Episode 1 war keineswegs so niederschmetternd wie damals, als der alte Obi-Wan von Darth Vader umgebracht wurde, und auch Anakin und Amidala wecken im Zuschauer andere Emotionen, da sie durch ihre nun bekannt werdende Liebe gleichzeitig zu den Eltern von Luke und Leia werden. Verbindungen zu alten Gefühlen werden geschaffen, wirklich zum Leben erwecken kann sie jedoch auch Episode 2 nicht. Er versucht die Magie zu imitieren, dadurch bringt er die Magie aber nicht wieder. Lucas tut dies jedoch so gut, dass er tatsächlich dicht dran ist – auch wenn er manchmal zu vordergründig auf Pathos setzt. Wenn Anakin seine sterbende Mutter findet, die in seinen Armen dann gleich darauf den letzten Seufzer macht, als hätte sie ewig nur darauf gewartet, dann ist dies äußerst altbacken. Im 70er Jahre-Kino funktionierten solche Storyeinfälle und ihre pathetische Ausführung bestens, heute sind sie verbraucht und schon nah am Lächerlichen.
Das Gute an dem Film ist, dass er keinen wirklichen Abfall erlebt. Er fängt etwas dürftig an, steigert sich aber kontinuierlich. Die erste große Actionsequenz läßt nicht lange auf sich warten, eine Verfolgungsjagd quer durch die Luft während der Rush Hour findet in Coruscant statt, eine Sequenz in der die beiden Jedi-Ritter die Logik außer Kraft setzen und sogar die End-Seuenz in „Mission: Impossible“, in der Tom Cruise einen Helikopter zieht, glaubwürdiger erscheint als wie wenn Anakin in die endlose Tiefe springt um schließlich auf den Gleiter des Verfolgten zu landen. Hier ist die Inszenierung noch etwas unausgegoren und läßt schon schlimmes vermuten, Episode 2 erscheint wie Episode 1: großartige Trick-Effekte, aber keine Seele. Langsam beginnt sich der Film jedoch zu ändern und spätestens wenn Obi-Wan immer tiefer in die intergalaktische Verschwörung eindringt fängt der Film an zu fesseln und zu beeindrucken. Eine Schlachtsequenz, in der die Jedi-Ritter in einer Arena gegen Horden von Robotern und monströsen Kreaturen antreten müssen wird zu einem großen Highlight, da sie detailverliebt und nahezu perfekt animiert und inszeniert ist. Das kleine Highlight hingegen stellt eine Kampfsequenz zwischen dem kleinwüchsigen CGI-Jedi-Meister Yoda und dessen Kontrahenten Christopher Lee dar. Die Szene wirkt nicht, weil sie so großartig gemacht ist, sondern viel eher weil sich auf so billige Art charmant ist. Es ist lächerlich wenn Yoda zu Anfang die Bruce Lee-Pose einnimmt und dann das Lichtschwert zückt, auch bei der Animation wurde bei den Größenverhältnissen geschludert. Aber die Situation alleine wird reichen, damit die Fans diese Szene sofort in ihr Herz schließen, wenn man dabei auch noch zum Lachen verleitet wird ist es egal, ob die Technik nicht funktioniert.
Auch die Leistung der Schauspieler ist besser als im Vorgänger, was aber größtenteils an den Auswirkungen des Drehbuchs auf die Charaktere liegt. Aus dem Jedi-Schüler Obi-Wan ist nun der Jedi-Meister geworden, so dass Ewan McGregor eine viel bessere Grundlage hat um überhaupt an Alec Guinness erinnern zu können. Hayden Christensen überzeugt trotz der großen Unkereien als innerlich zerrißener Held, Natalie Portman darf ebenso ihre Leinwand-Wirkung als betörend schöne Sternenkriegerin deutlich machen, die sie in Episode 1 nicht rauslassen durfte, denn da war ihr Charakter ja noch zu jung um überhaupt eine erotische Wirkung haben zu dürfen, was hier jedoch nötig ist, damit man Anakins Herzenskampf auch nachvollziehen kann. Die Mitwirkung von Altstar Christopher Lee sorgt dafür, dass die Schurkenfigur akzeptiert werden kann.
Die unheilverkündenden, wenn auch in Parallel-Montage wesentlich atmosphärischeren gewesenen Endsequenzen, hier hat Lucas einen Fehler gemacht, machen zu guter Letzt schon jetzt einen großen Appetit auf Episode 3 und können sogar die Hoffnung erwecken, dass der ganz große „Star Wars“-Film noch auf uns zukommt, denn die höllischen Geschehnisse dieses Abschlußes sind dem „Star Wars“-Fan ja größtenteils bekannt, sie auf der Leinwand zu erleben dürfte jedoch eine schmerzliche Erfahrung werden. Wenn Lucas in der Lage ist dieses in gerechter Art auf die Zelluloid zu bannen, dann kann er es schaffen mit dem nächsten Film einen wirklichen Meilenstein zu setzen, was ihm hier noch nicht gelingen will, auch wenn der Film fraglos beim Publikum einen sehr großen Anklang finden wird. In etwa drei Jahren werden wir es wissen, so lange heißt es warten und sich wieder von den Medien mit Kleinstnews füttern zu lassen und jeden Fetzen geradezu in sich aufzusaugen.

[srs]