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Beautiful Mind - Genie und Wahnsinn, A

(Beautiful Mind, A; USA, 2001)

1947 kommt John Nash (Russell Crowe) an die amerikanische Eliteuinversität Princeton. Er ist Gewinner eines begehrten Stipendiums und gilt als hochbegabtes Wunderkind der Mathematik - was aber auch nichts an seiner linkischen Haltung und oftmals verletzenden Art ändert. Nash behauptet von sich selber, dass Menschen ihn nicht mögen - und er sie nicht. Sein größter Rivale ist sein ebenfalls hochbegabter Kommilitone Hansen (Josh Lucas), der schon, anders als Nash, so manche Arbeit veröffentlicht hat. Um sich gegen diesen zu behaupten zeigt er ihm oftmals die kalte Schulter, steht aber meistens im Ränkespiel am Ende als Verlierer dar. Verbohrt betrachtet er sein Studentenleben als Krieg, und die Endschlacht, wenn es darum geht wer mehr Anerkennung bekommt, will er nicht verlieren. So besucht er zwar keine Vorlesungen, arbeitet aber verbissen an der einen Idee, die ihn berühmt machen soll. Würde ihm zu diesem Zeitpunkt sein Zimmerkollege Charles (Paul Bettany) nicht deutlich machen, dass er in die falsche Richtung steuert, so würde Nash wohl dem Untergang geweiht sein, die Einsicht öffnet jedoch auch seinen Horizont und bringt ihm den ersehnten Gedanken. In einer Abhandlung relativiert er die Logiktheorien von Adam Smith, nichts ahnend, dass seine Ausführungen wegweisend für Wissenschaft und Wirtschaft werden sollen. Fünf Jahre später ist Nash Professor und Arbeitet im Wheeler-Institut für Sicherheitsfragen. Hier langweilt er sich jedoch mehr oder weniger mit der Berechnung von Haltungsvermögen von Staudämmen und dürstet nach wichtigen Aufgaben. Als er ins Pentagon beordert wird, um sich eine komplizierte Code-Reihe, die von den Russen abgefangen wurde, anzusehen, und es ihm gelingt diesen Code spielend zu knacken, trifft er erstmals auf William Parcher (Ed Harris), einen Regierungsagenten, der ihn rekrutiert und in eine angeblich streng geheime Mission einweiht, bei der es um eine Atombome fürs Handgepäck geht, die die Russen nach Amerika schmuggeln wollen. Verbissen beginnt John über lange Zeit Codestrukturen zu entschlüsseln, findet in Magazinen sogar Hinweise auf die feindlichen Pläne. Er beginnt, angeregt von Parchers heroischen Reden, sein Leben nur noch seinem Vaterland zu opfern. Bis er jedenfalls Alicia (Jennifer Conelly), eine seiner Studentinnen an dem Institut, näher kennenlernt und sie sich als die erste Frau herausstellt, die nicht gleich Reißaus vor dem brachialen Genie nimmt. Nash heiratet die selbstbewußte Frau schließlich, als sie schwanger wird versucht er aus der Agentenmission auszusteigen, denn die Sache ist ihm längst zu heiß geworden. Seine Tarnung scheint aufgeflogen zu sein, ein Feuergefecht, dass er mit Parcher gegen die russischen Agenten gewinnen kann versetzt ihm einen Schock. Doch Parcher will ihn nicht raus lassen, er droht damit ihn an die Russen zu verraten falls er nicht mehr mitspielen will. Von Verfolgungsängsten gejagt nimmt John immer mehr seltsame Züge an, die seine Frau schließlich dazu veranlassen etwas zu tun. Sie läßt den angesehen Psychiater Dr. Rosen (Christopher Plummer) ihren Mann in eine Nervenklinik einweisen. Der diagnostiziert Schizophrenie - und für John Nash, den immer logisch und hellwach denkenden Professor, beginnt eine schwere Zeit der Erkenntnis darüber, dass vieles in seinem Leben nicht real ist...

Ron Howard, der sich letztes Jahr noch mit dem "Grinch" eher der brachialen Hollywood-Kost verschrieben hatte, zeigt mit der Biographie "A Beautiful Mind" sein wahres Talent. Er präsentiert die Geschichte um John Nash spannend wie einen Krimi und mit genug Emotionen, um auch auf der gefühlvollen Ebene zu funktionieren, ohne dabei jedoch in Kitsch abzudriften. Es ist schon eine ungewöhnliche Art, mit der Howard hier vorgeht, denn in der ersten Hälfte seines Films baut er rund um Nash eine auf den ersten Blick sogar gar nicht mal so sehr an den Haaren herbeigezogene Spionagegeschichte, nicht weil die Affäre der Atombombe für die Handtasche glaubwürdig ist, sondern weil sie so trocken und sachlich präsentiert wird, dass die grelle Übersteigerung von Spionageklischees wider der Realität erst mit der Zeit auffällt. Sehr plötzlich wird dann dem Zuschauer bewußt gemacht, dass er viel Lug und Trug gesehen hat, er wird zum Opfer der gleichen Illusion, die auch Nash beherrscht.
Die brillanteste Szene in dem Film ist wohl die ungewöhnliche Schießerei. Mit apoklyptischen Zügen wird Nash in eine Autoverfolgungsjagd verwickelt, die sich schnell lebensbedrohlich entwickelt. Dem Zuschauer präsentiert Howard hier ein kunstvolles, leises Geflecht aus düsteren Bildern, dass verworben mit der Hintergrundmusik bereits viel vom zukünftigen erahnen läßt, da hier dem Publikum klar werden muss, dass dies nicht echt sein kann. Zu sehr wirkt die Situation wie einem schlechten Agentenfilm entnommen, die Bilder dazu haben jedoch eher schon einen surrealistischen Charakter.
Die Geschichte Nashs ist eigentlich recht Hollywood-ungewöhnlich und dann doch wieder typisch. Erzählt wird die Geschichte eines Egozentrikers, ein Genie, aber auch ein Ekel, hochbegabt in den wissenschaftlichen Dingen, in Herzensfragen jedoch eher zurückhaltend und unwissend, in der Meinung seine Schwäche dort durch Kühle und Unverschämtheit ausgleichen zu müssen. Und er wird bekehrt. Das ist das Hollywood-typische. Untypisch ist jedoch, dass er, wie im Verlauf des Films klar wird, seine Bekehrung erst durch die grausige Nervenkrankheit findet, die ihn gleichzeitig zu zerstören droht. Und so ist "A Beautiful Mind" eigentlich eher die Präsentation von Schizophrenie in einer äußerst interessanten Form mit präzisen sarkastischen Untertönen.
Natürlich geht die Schönheit dieses Films nicht allein auf das Konto von Regisseur Howard, würden sich Drehbuch, Musik, Darsteller, Kameraführung und Inszenierung nicht so perfekt ergänzen, dann würde "A Beautiful Mind" wohl kaum so perfekt funktionieren und mehr als zwei kurzweilige, ansprechende und anspruchsvolle Stunden Filmunterhaltung bieten. Besonders Russell Crowe glänzt in der Hauptrolle, nichts ist hier zu spüren von dem kernigen Gladiator und den anderen Männlichkeitstypen, die er bisher verkörpert hat. Glaubhaft porträtiert er seinen Charakter Nash und zeigt ein außergewöhnliches Spiel der Gesten und der Körpersprache - und wird wohl dadurch fraglos zum ärgsten Konkurrenten für Denzel Washington im diesjährigen Oscarkampf, dem man die Medaille des besten Darstellers nach "Training Day" schon vielfach umgehängt hatte. Glänzen tun jedoch auch Jennifer Connelly als Nashs Ehefrau und vor allem Josh Lucas als Nashs härtester Konkurrent Hansen, der eigentlich schon längst zu seinem Freund geworden ist.
Leider blieb jedoch auch die Biographie vor Streichungen für Hollywood unbequemer Details nicht ganz verschont. Die Homosexualität Nashs findet keinen Eingang in die Geschichte, obwohl sie für seinen Charakter doch nicht grade unwichtig sein dürfte, auch vermißt man Informationen über Nashs Herkunft. Die üblichen Elemente einer Biographie sind dadurch nicht komplett. Störende Auswirkungen hat dies aber nicht, "A Beautiful Mind" ist eine anrührend, komplexe Geschichte mit manch einem Magic Moment, die für Liebhaber anspruchsvoller Kost passend ist, aber auch Action-Fans nicht verschrecken dürfte.

[srs]