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Invasion

(The Invasion; USA, 2007)

Eine gewaltige Explosion zerreißt den Himmel zwischen Dallas und Washington/DC – die Trümmer des zerborstenen Spaceshuttle Patriot regnen auf die USA herab. Die Behörden bekommen die Katastrophe zwar sofort unter Kontrolle, doch bald tauchen Gerüchte auf, dass an den Wrackteilen eine merkwürdige Substanz klebt: Sie hat die extreme Kälte des Weltalls ebenso überstanden wie die glühende Hitze beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre. Und wer mit ihr in Berührung kommt, ist nicht mehr derselbe. Doch niemand will eine Panik auslösen. Carol Bennell arbeitet als Psychiaterin in Washington/DC. Zunächst erkennt sie keine Verbindung zwischen dem Shuttle-Absturz und den bizarren Vorfällen in ihrer Umgebung: Eine Patientin ist völlig verängstigt, weil ihr Mann angeblich durch einen Doppelgänger ersetzt wurde. Gewalttätige Ausschreitungen auf den Straßen werden im Keim erstickt. Und Carol entdeckt eine sehr seltsame Substanz an den Süßigkeiten, die ihr Sohn Oliver zu Halloween geschenkt bekommt – diese Substanz enthält möglicherweise lebende Materie. Sie alarmiert ihren Freund und Kollegen Ben Driscoll, weil etwas Unheimliches vor sich geht, obwohl die Regierung abwiegelt: Offiziell handelt es sich um einen neuartigen Grippevirus. Noch bevor Carol das ganze Ausmaß des Phänomens begreift, verbringt Oliver das Wochenende bei seinem getrennt lebenden Vater Tucker. Als hoher Beamter des Seuchenzentrums ist Tucker nach Washington gekommen, nachdem er als einer der Ersten das Shuttle-Wrack untersucht hat. Während sich die Epidemie ausweitet, stellt Carol entsetzt fest, dass ausgerechnet die für die Grippeimpfung Verantwortlichen offenbar bewusst eine viel gefährlichere Krankheit verbreiten: Sporen unbekannter Herkunft greifen das menschliche Erbmaterial an, während die Opfer schlafen: Die Infizierten verlieren jedes menschliche Gefühl, ohne sich dabei äußerlich zu verändern. Buchstäblich über Nacht mutieren die Menschen in Carols Umgebung zu willenlosen Wesen, die nur ein Ziel kennen: andere zu infizieren und in ihre Gewalt zu bringen. Verzweifelt sucht Carol nach ihrem Sohn. Um in dieser pervertierten Welt nicht aufzufallen, muss sie äußerlich absolut gelassen wirken… darf keinerlei Gefühl zeigen… und vor allem nicht einschlafen.

Deutsche Regisseure haben in Hollywood selten große Akzente gesetzt. Man muss dabei nicht so weit in die Vergangenheit zurückgehen und Fritz Langs „Metropolis“ kritisieren, ein Film, der seiner Zeit weit voraus war. Vielmehr geht es um aktuelle deutsche Regisseure in Hollywood, wie z. B. Wolfgang Petersen, Roland Emmerich und jüngst auch Robert Schwentke. Während sich Roland Emmerich dem kommerziellen Gefüge in Hollywood gänzlich angepasst hat und Filme, zwar auch teilweise unterhaltsam, aber dennoch eher von der Stange produziert, zeichnete sich der „Das Boot“-Veteran des deutschen Films, Wolfgang Petersen, stets für langweilige Durchschnittskamellen wie „Der Sturm“ oder „Troja“ oder zuletzt „Poseidon“ aus. Letzterer schwappte auf der derzeit in Hollywood angesagten Remakewelle mit und ging kreativ und qualitativ passend dazu in den Weiten des Ozeans verloren. Der Mysterythriller „Flightplan“ von Robert Schwentke kann als austauschbar bezeichnet werden, da er, außer dem Zugpferd Jodie Foster, ebenfalls nicht viel zu bieten hatte und man das meiste schon aus anderen Filmen besser in Erinnerung hatte.

Nach deutschen Erfolgen wie „Das Experiment“ und „Der Untergang“ machte sich nun Oliver Hirschbiegel auf, um das Filmland des Ex-Terminators und jetzigen Gouverneurs von Kalifornien, Arnold Schwarzenegger, zu erobern. Jedoch war bereits sein erster Fehler, sich an einem Remake zu dem bereits dreimal verfilmten „Invasion of the Body Snatchers“ zu versuchen, denn diese Geschichte ist schon richtig gut mit den ersten beiden Verfilmungen „Die Dämonischen“ und „Die Körperfresser kommen“ erfolgreich umgesetzt worden. Denn schlechte Remakes von guten Erstverfilmungen gibt es leider zuhauf in Hollywood; dabei muss man nur an „Die Zeitmaschine“, den ersten „Planet der Affen“ oder „The Fog – Nebel des Grauens“ erinnern. Ironischerweise ist Oliver Hirschbiegel auch mitten in der Produktion des Films gefeuert worden und James McTeigue (V wie Vendetta) hatte die wenig ruhmreiche Aufgabe, den Streifen noch erfolgreich zu „retten“. Betrachtet man „Invasion“ genauer, so kann man schnell feststellen, dass er stellenweise langatmig und bezüglich der Inhalte sehr austauschbar und schleppend erscheint. Dem Streifen fehlen auch die Innovationen und überraschenden Storywendungen, die eine große Verfilmung ausmachen. Zudem werden die Schauspieler in ihren Rollen nicht gefordert, so dass Darsteller wie Nicole Kidman und Daniel Craig sehr blass wirken. Schlimmer noch, der Film ist schon fast ein wenig aufdringlich auf den Star Nicole Kidman zugeschnitten. Szenen, in denen sie einem russischen Diplomaten über den Mund fahren darf oder ihren Körper lasziv in stringtangabehafteter Dessousunterwäsche präsentiert, erinnern eher daran zu versuchen, die Ex von Tom „Scientology“ Cruise nachhaltig im schnelllebigen Hollywood präsent erscheinen zu lassen. Die Handlung bringen diese in Szene gesetzten Huldigungen jedenfalls nicht voran. Einziger Lichtblick ist hier Jeremy Northam, der seine Rolle mit Eleganz, erfrischenden Echtheit und einer erfrierenden Kaltschnäuzigkeit spielt und damit das restliche Starensemble sozusagen an die Wand spielt. Leider ist der Streifen auch sehr vorhersehbar und bereits während dem Film dürfte wohl vielen Zuschauern bewusst werden wie das ersehnte Ende wohl aussehen dürfte. Die wenigen Effekte und der Action sind Durchschnitt und entsprechen dem Standard für solche Verfilmungen.

Als Freund des Films und historisch interessierter Cineast kann ich von einem Kinogang in den Streifen nur abraten. Oliver Hirschbiegel hat sich mit „The Invasion“ kein Gefallen getan und meiner Meinung nach versagt. Wer jedoch die interessante Story in einem wesentlich besser verfilmten Gewand begutachten will, dem empfehle ich, die älteren Verfilmungen wie „Die Dämonischen“ oder „Die Körperfresser kommen“ heranzuziehen. Beide Streifen sind mittlerweile auf DVD erhältlich. Von letzterem Streifen ist übrigens erst kürzlich eine DVD im Rahmen der Edition Cinema Premium erschienen, die dem Liebhaber von Sci-Fi-Filmen mit einem Schuss Horror und düsterer Zukunftsprognose sicherlich gefallen könnte. Hier hat übrigens Leonard Nimoy, vielen auch als Spock der ersten „Star Trek“-Serie bekannt, eine für Spockliebhaber witzige Nebenrolle.

[rk]