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A.I. - Künstliche Intelligenz

(A.I. - Artificial Intelligence; USA, 2001)

So leer wie in der Zukunft die Welt aussieht, so leer sind auch die Herzen der Menschen geworden. Die schlimmsten Albträume sind Wahrheit geworden, die Menschheit ist gestraft durch Hunger, Übervölkerung und Naturkatastrophen. In vielen Ländern sind die Menschen am Abgrund, in den Industriestaaten hingegen wurde hart durchgegriffen und alle tun so als würde die technische Entwicklung immer noch das wichtigste sein, auch wenn die Meere steigen. In dieser Welt hat der Big Brother gnadenlos zugeschlagen, die Überwachung jedes einzelnen läuft, wer hier die Macht hat ist jedoch nicht mehr auszumachen. In diese Welt wird David (Haley Joel Osment) geboren, ein kleiner Junge, der aber nicht echt ist. David ist ein Roboter, sein Chipsatz ist das neue Projekt des Wissenschaftlers Hobby (William Hurt), der schon seit Jahren Roboter baut für eine Gesellschaft, in der diese sogenannten Mecha nicht nur die willenlosen Geschöpfe der Menschen, der Orga, sind, sondern auch ihnen jegliche Verantwortung und Arbeit abgenommen haben, ohne dabei Ressourcen zu verbrauchen. Doch die Gesellschaft ist gespalten, zu schlau sind diese Maschinen mittlerweile, zu sehr stellen sie die Fähigkeiten des Menschen in den Schatten. Für alles gibt es Roboter, selbst für den Sex sind perfekten Liebesmodelle entwickelt worden. Nur eines gibt es nicht, den Roboter mit Seele, den Roboter, der lieben kann. Doch David ist darauf programmiert eine Seele zu haben, durch das Sprechen verschiedener Worte kann man ihn darauf einstellen, dass er lieben soll - und wenn er einmal darauf geprägt ist, dann wird er niemals aufhören zu lieben. So landet der David-Prototyp bei Hobbys Mitarbeiter Henry Swinton (Sam Robards) und seiner Frau Monica (Frances O'Connor) zu Testzwecken. Sie sind ausgewählt wurden weil sie eine persönliche Tragödie zu verschmerzen haben. Seit fünf Jahren liegt ihr kleiner Sohn Martin (Jake Thomas) mit einer unheilbaren Krankheit im künstlichen Kälteschlaf. Monica zerbricht fast daran, Henry glaubt mit Hilfe Davids als Ersatzkind seine Frau in ein normales Leben zurück führen zu können. Und so kommt es auch nach anfänglichen Schwierigkeiten dazu, dass Monica ihren neuen "Sohn" annimmt, sie prägt ihn und bekommt bei jedem "Ich liebe dich, Mami" aus seinem Mund von nun an feuchte Augen. Henry hingegen bereitet diese Entwicklung erneute Besorgnis, er hält David weiterhin für nicht viel mehr als ein Spielzeug.
David muss bald erkennen, dass etwas mit ihm nicht normal ist, er darf nicht essen, trotzdem tut er, um das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken immer so als würde er imaginäre Lebensmittel in sich schaufeln. Zu seinem einzigen Freund wird Teddy, das Super-Toy Martins, ein Roboter-Bär, der darauf programmiert ist ein Kind anzuleiten und ihm wertvolle Ratschläge zu geben. Doch dann kommt der Tag der Ernüchterung, ein Heilmittel gegen Martins Krankheit wird gefunden, der Junge kommt nach Hause und David spielt nicht mehr die erste Geige. Während Henry nun dafür ist ihn zurück zur Entwicklerfirma zu bringen kämpft Monika durch, dass er als zweites Kind im Haus bleibt. Doch er wird nicht akzeptiert. Martin hält ihn für sein persönliches Spielzeug, als er bemerkt, dass David für seine Mutter weit mehr als das ist wird er zu seinem Rivalen. Schnell bemerkt er, dass David alles tun würde, damit Monika ihn liebt, was Martin die Möglichkeit gibt ihn in zweideutige Situationen zu bringen, die den Schein erwecken als wäre David auch auf Eifersucht und Haß programmiert. Monika soll ihn loswerden, doch zu Hobby will sie ihn nicht zurück bringen, sie weiß, dass dies das Ende ihres Davids wäre. So setzt sie ihn mit Teddy einsam im Wald aus, ohne David verständlich machen zu können warum.
Uns so beginnt Davids Reise, eine Suche nach seiner eigenen Identität mit dem Ziel wie im Märchen von Pinocchio, dass er für wahr hält, ein richtiger Junge zu werden. Er erlebt die Welt der Menschen von allen Seiten, findet sich erst auf einem Fleischfest, einer traditionellen Roboter-Vernichtungsorgie wieder, um dann sehr schnell in Rouge City, der Stadt der Liebesroboter, einem Sündenbabel ohne Gleichen zu landen. Begleitet wird er dabei von Joe (Jude Law), einem hochklassigen Gigolo-Model, dass so gut war, dass seine letzte Kundin nun erschossen von ihrem Mann im Hotelzimmer auf dem Bett liegt und alle Schuld auf Joe geschoben wird. Nun bedroht selber auf dem Schrottplatz zu enden flieht der sorglose Joe zusammen mit David und will ihm helfen sein Ziel zu finden. Schließlich führt sie die Reise ans sogenannte Ende der Welt, das mittlerweile überflutete und zerstörte Manhattan, wo Professor Hobby seine kleine Werkstatt betreibt...

Jahrzehnte kämpfte Stanley Kubrick um diesen Stoff, die Verwirklichung verhinderte jedoch erst seine Meinung darüber, dass die Tricktechnik noch nicht weit genug sei, dann sein plötzlicher Tod. Einer seiner besten Freunde nahm sich des Stoffs an, Steven Spielberg, der Kino-Magier, verwendete Kubricks Notizen und Gedanken für das fertige Drehbuch. Entstanden ist eine pessimistische Zukunftsvision, die schnell klarmacht wie vergänglich doch das Leben ist und wie unmenschlich die Menschen. Die Erschaffung des künstlichen Lebens stellt der Film in Kritik, nicht weil er es sündig findet, sondern weil er die Menschen für viel zu blöd erklärt um überhaupt im Stande zu sein mit diesem neu erschaffenem Leben angemessen umzugehen. Selbst seine Erfinder sind es nicht, denn auch sie verstehen nicht, dass ein Roboter, der darauf programmiert ist eine Seele zu haben dieses Programm auch umsetzen will.
Die Philosophie des Films wäre bei Kubrick ohne Frage mehr herausgetreten, Spielberg setzt auf sein übliches Programm, er will vor allem phantastisch sein. Das macht den Film zwar niemals langweilig, trotzdem verhindert es, dass "A.I." zu dem Meisterwerk wird, dass er sein sein könnte. Zu kitschig fällt die Geschichte besonders in der zweiten Hälfte aus, zu schwach werden Nebenfiguren, vor allem die des Erfinders Hobby, betont und charakterisiert, zu sehr versucht er trotzdem noch ein Hollywoodfilm zu sein, obwohl seine Geschichte doch alles andere als das ist - und seine Aussage. Zwanzig Minuten früher Abblende und der Film wäre wesentlich besser, besonders das tränentreibende Finale verärgert, aber ohne dieses wäre die Grundstimmung des Films für ein Spielberg-Movie wohl zu pessimistisch, man denke nur daran was "Saving Private Ryan" ohne die Rahmenhandlung gewesen wäre, nämlich ein wesentlich düsterer Kriegsfilm. Hier ist es ähnlich, auch hier gibt es die Stimme aus dem Off.Wie ein Märchen will Spielbergs Film wirken und das gelingt ihm auch. Eine Zukunftsmöglichkeit, beileibe nicht die Zukunft, die man erwarten sollte. Kubrick hätte das wohl nicht so gesehen. Unter ihm wäre der Film kitschloser und wohl auch intensiver geworden, ähnlich halt seinem "Clockwork Orange". Trotzdem ist Spielbergs Film ein visueller Traum, auch wenn er inhaltlich oftmals seinem Thema nicht gerecht wird. Besonders in der ersten Hälfte benutzt der Oscar-Gewinner ausgefallene Farben- und Kameraspiele, präsentiert die Zukunft durch das Leben von Henry und Monika als einen technologischen, wenn auch etwas sterilen Traum, der gefallen kann, um diesen dann als bloße Fassade zu enttarnen. Denn außerhalb dieser heilen Welt herrscht das Chaos, ein Kampf zwischen Mechabefürwortern und ihren Gegnern. Roboter sind Maschinen, dass sehen beide Parteien so, Metall ohne Gefühl und echten Verstand. Sie verstehen nichts von den Schmerzen und dem Leid, die auch ein künstliches Wesen empfinden kann, Emotionen die ihnen von Menschenhand eigentlich ja eingetrichtert wurden, oftmals wesentlich stärker als ein Mensch sie überhaupt empfindet.
David, dass ist das ausgeprägteste Model der Emotionsmaschine, während der künstliche Penetrator Joe weiß, wofür er gebaut wurde und was er leisten muss, hat man bei David jedoch bewußt vergessen dem Programm mitzuteilen, dass es niemals die Stufe übertreten soll zu denken, dass es echt sein könnte. Und das macht ihn menschlicher als alle Menschen. Er ist nicht nur darauf geeicht zu lieben, sondern auch darauf geliebt zu werden und alles dafür zu tun.
Zu sehr soll man sich mit dem Roboter David jedoch identifizieren und mit ihm leiden, die kritischen Töne geraten da schnell in Vergessenheit und werden nur in einigen Dialogen deutlich, z.B. dann wenn Joe David erklärt, warum die Menschen Angst vor einer Übermacht der Mecha haben.Gerade in diesem Dialog wird das Skalvendasein der Mecha deutlich und dass, sie sich nur in ihr Schicksal fügen, das Programm, dass schon lange anscheinend standardmäßig eingebaut wird erinnert zu sehr an den Menschen, er ist einen Schritt zu weit gegangen, der Roboter ist zum Ebenbild geworden, der irgendwann aufbegehren könnte.
Brilliant besetzt ist "A.I." in den Hauptrollen. Haley Joel Osment überzeugt als ungeliebtes Robotor-Kind wesentlich mehr noch als im Mystik-Thriller "The Sixth Sense" und dürfte sich damit wohl die zweite Oscarnominierung in seiner jungen Karriere sichern. Jude Law versteht Gigolo Joe den Dandyhaften Charme und die Eitelkeit zu geben, auf die ein Liebesroboter wie er programmiert sein müßte und Frances O'Connor spielt sich tapfer durch ihre mitunter kitschgetränkte Rolle der hin und her gerissenen Mutter.
Und dann sind da noch die fabelhaften Roboterkreationen, einige von ihnen sehen absonderlich, gar erschreckend aus, zeichnen jedoch ein reichhaltiges Bild davon wie sich die Technik nach den Vorstellungen Spielbergs entwickeln könnte.
Ein Spielberg-Film soll, mit wenigen Ausnahmen natürlich, komplett Familien-tauglich sein. Um dies bei "A.I." zu schaffen wird noch ein Kindheitssymbol eingeführt, der Teddybär, der treue Begleiter Davids auf seiner Reise. Tricktechnisch wurde auch hier wunderbares geleistet, der Robo-Bear läuft, spricht und bewegt sich äußerst flüssig, ist dabei niedlich und gibt gerade dadurch dem Film noch eine geringe, aber vorhandene sarkastische Note. Auch er will mehr als nur ein Spielzeug sein, genauso wie David.
Spielberg selber versteht seinen Film nicht als Hommage an Kubrik, sondern schon als eigenständiges Werk, auch wenn er den toten Regiekollegen durch Verweise in seiner Inszenierung immer wieder in Erinnerung zu rufen versucht. In Spielbergs Film sind jedoch genug Kleinigkeiten, die ein Kubrik gescheut hätte, auch wäre sein Film wesentlich brutaler ausgefallen, auch wäre er mit Sicherheit nicht auf die Idee gekommen Aliens mit in die Handlung einzubauen, die den Menschen zwar um seine Seele beneiden, jedoch wesentlich humaner sind als die Erdenbewohner selbst.
Spielbergs Film kann überzeugen, aber die Risse sind kaum übersehbar, Risse, die ein Kubrik zu stopfen gewußt hätte bzw. die ein Kubrik gar nicht hätte entstehen lassen. Ein Meisterwerk zu produzieren ist schwer, Spielberg scheitert hier an dem selben Problem an dem er schon seit Mitte der 80er immer wieder scheitert, nur bei "Schindlers Liste" konnte er dieses erträglich umgehen: der Kommerzialisierung Hollywoods. Only Money sells, doch gerade ein Mann wie Spielberg sollte fähig sein das Risiko eines Flops einzugehen, zumal sein "A.I." so wie er ist auch nicht gerade Kassenrekorde aufstellen dürfte. Mit einem Einspielergebnis von nicht einmal 100 Millionen Dollar in den USA bleibt er hinter seinen Erwartungen zurück - und Spielberg hat zudem nur einen Film, der zwar gelungen, aber trotzdem nicht ganz gar ist.

[srs]