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Harry Potter und der Stein der Weisen
(Harry Potter and the Sorcerer´s Stone; GB/USA, 2001)
Seitdem seine Eltern bei einem Autounfall ums Leben kamen als er noch ein Baby war wohnt der nun 10jährige Harry Potter (Daniel Radcliff) bei seinen schrecklichen Verwandten, den Dursleys. Die sind alles andere als nett zu ihm, sein großmäuliger Onkel Vernon (Richard Griffith) macht ihn für jedes Unglück verantwortlich, seine hochnäsige Tante Petunia (Fiona Shaw) macht ihn zum Hausskalven und sein verzogener Cousin Dudley (Harry Melling) tut ihm Gewalt an wo er nur kann. Was Harry nicht ahnt ist, dass er im zarten Kindesalter von Albus Dumbledore (Richard Harris) vor die Tür der Dursleys gelegt wurde. Und Dumbledore ist der Direktor von Hogwarts, einer für die Menschen geheimen Zauberschule irgendwo in der englischen Wildnis. Hier, in der Welt von Trollen und Elfen, Hexen und Magiern, Feen und anderen Zauberwesen werden die magisch begabten Kinder zu wahren Zauberern ausgebildet. Und Harry gehört wie auch seine Eltern zu dieser Welt. Doch Harry ist auch kein normaler Zauberer. Als er geboren wurde, da wurde die magische Welt von dem grausamen Voldemort unterjocht, eines Schwarzmagier, der mit aller Brutalität gegen die vorging, die ihn aufhalten wollten. Sein ärgster Feind war damals schon Dumbledore, um ihn zu schwächen brachte Voldemort die Gefolgsleute Dumbledors um. Auch Harrys Eltern starben durch die Hand des Zauberers, nur an Baby Harry biß sich dieser aus bisher unerklärlichen Gründen die Zähne aus. Es gelang ihm nicht nur nicht das Kind zu töten, sondern dieses Mißlingen stahl ihm auch all seine Macht. Seitdem ist Voldemort verschwunden, mit den Schwarzmagiern wurde radikal aufgeräumt und jeder kennt den Namen Harry Potter, der von seinem Kampf eine zackige Narbe auf der Stirn zurück behielt. Um normal aufwachsen zu können brachte Dumbledore Harry zu seinen einzigen Verwandten, die konventionellen Dursleys versuchten jedoch schon immer das Thema "Zauberer in der Familie" totzuschweigen - und behandelten Harry dementsprechend. Jetzt, da Harrys 11. Geburtstag naht, wird es auch für ihn Zeit nach Hogwarts zu kommen und die magischen Künste zu erlernen. Und Harry staunt nicht schlecht als eines Nachts der riesige Hagrid (Robbie Coltrane), seines Zeichens Wildhüter in Hogwarts, die Tür einschlägt, Harry die Wahrheit sagt und ihn schließlich mitnimmt. Auf seiner Reise lernt Harry nun die Geheimnisse der Zauberwelt kennen, findet mitten in der Metropole London die versteckte Winkelgasse, wo er nicht nur in der von Kobolden geleiteten Zaubererbank Gringolds feststellt, dass seine Eltern ihm ein Vermögen hinterlassen haben, sondern auch im Laden von Mr Ollivander (John Hurt) seinen Zauberstab kauft. Schließlich landet er im Hogwarts Express, dem Zug der alle Schüler zurück in die Zauberschule bringt um das neue Lehrjahr zu beginnen. Hier trifft Harry auf seine neuen Mitschüler Ron Weasly (Rupert Grint) und Hermine Granger (Emma Watson), die bald zu seinen Freunden und Verbündeten werden sollen. Harry, von vielen wegen seiner Popularität in der Zauberwelt bewundert, trifft jedoch auch schnell auf Neider, angeführt von dem hinterlistigen Draco Malfoy (Tom Felton), der, nachdem Harry ihn vor seinen Freunden blamiert hat, zu seinem ärgsten Feind wird. Während Harrys Stellung unter seinen Mitschülern immer besser wird, besonders als er in die hauseigene Quidditsch-Mannschaft, einem Rugby-ähnlichen Spiel, aufgenommen wird, wird ihm auch bald klar, dass in den verborgenen Gemäuern von Hogwarts ein Geheimnis liegt. Hagrid hat dort den Stein der Weisen versteckt, der von seinem riesigen dreiköpfigen Hund Fluffy dort bewacht wird. Dieser Stein kann ungeheure Macht spenden und das Leben seines Besitzers unendlich lang machen. Harry ist davon überzeugt, dass der garstige Zaubertränke-Lehrer Severus Snape (Alan Rickman), der ihm auch alles andere als wohlgesonnen ist, diesen stehlen und für finstere Zwecke mißbrauchen will...
Ein 11jähriger englischer Durchschnittsjunge sorgt in den letzten Jahren weltweit für einen unglaublichen Hype. Harry Potter, der kleine Magier, erdacht von der Ex-Lehrerin Joanna Rowling, die Anfang der 90er in einem kleinen Café einfach einer Inspiration folgte und anfing die Abenteuer des Zauberlehrlings zu Papier zu bringen. Nachdem sie lange Zeit ihr fertiges Buch herumgereicht und niemanden gefunden hatte der es verlegen wollte kam es in einem kleinen englischen Verlag mit einer noch kleineren Auflage schließlich heraus. Das war die Geburt eines Mythos, der sich ungeheuer schnell verbreitete und seine Erschafferin zur zweitreichsten Frau Englands machte. Die bisherigen vier Bände des Harry Potter-Zyklus haben sich millionenfach verkauft, an Kinder wie Erwachsene. Kein Wunder eigentlich, "Harry Potter" besitzt alles was zu einem erfolgreichen Epos gehört, die Bücher sind witzig, sarkastisch, spannend, emotionell, beschreiben dramatisch den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse, liebevoll und sind mit einem unglaublich phantasievollen Auge fürs Detail geschrieben. Die Bücher werden nie langweilig und haben ständig ihre magischen Momente - und sie wurden von Band zu Band besser - und länger. Während der erste Teil "Harry Potter und der Stein der Weisen" noch knapp 300 Seiten zu verbuchen hatte gelangte Band 4 "Harry Potter und der Feuerkelch" schon auf rund 800. Trotzdem werden die Bücher verschlungen, auch wenn man dessen angeblichen Charakter als Kinderbuch oftmals in Frage stellen kann. Das ist es aber auch im Endeffekt warum so viele Erwachsene ebenfalls vom Harry Potter-Fieber angesteckt sind, die Bücher mögen zwar für Kinder verständlich geschrieben sein, haben aber mit ihren vielen Horror-Effekten eher ein erwachsenes Thema. Zum Gruseln gibt es hier viele Situationen, manch blutiger Effekt wird genüßlich ausgeweidet, immer wieder gibt es auch Tote. Und so stieg auch der Härtegrad von Buch zu Buch, so dass man wirklich gespannt sein kann, wie eine filmische Umsetzung des vierten Bandes aussehen kann, die Vermarktung als Kinderfilm scheint doch bei einer getreuen Bearbeitung von vornherein schier unmöglich.
Natürlich war es nur eine Frage der Zeit bis Harry Potter auch die Kinos erreichen würde. Ein großer Erfolg war von Anfang an abzusehen, ein so großer wie er aber bisher erscheint wohl kaum. Nachdem "Der Stein der Weisen" am Eröffnungswochende in den USA das bisher stärkste Wochenendeinspielergebnis von "Jurassic Park II" mit 72 Millionen Dollar mit den hier eingespielten 96 Millionen problemlos weit hinter sich ließ war eines auf jeden Fall klar: dieser Filmstoff ist eine Goldgrube. Das Merchendising-Vermarktung war wohl seit "Batman" nicht mehr so stark, läßt den Flattermann aber auch weit zurück, es gibt kaum noch einen Gegenstand der kein Harry Potter-Logo trägt und aus jedem Schaufenster strahlen pünktlich zu Weihnachten die überteuerten Action-Figuren einen an. Der Hype geht weiter, Teil 2 ist schon in Produktion, jedes Jahr soll ein weiterer Potter-Film gedreht werden. Offizieller Grund dafür ist, dass sonst die Darsteller zu alt werden. Ein anderer wohl fraglos auch, dass man so hofft noch auf Jahre diese Geldgrube weiter ausschöpfen zu können. Was jedoch spätestens nach dem ersten Eindruck der Harry Potter-Verfilmung verwundert ist, dass der Film von Fans und Presse gefeiert wird - obwohl er doch in Puncto Qualität eines wirklich nicht überholen kann: die literarische Vorlage.
Der Anfang ist äußerst atmosphärisch. Dann wenn Richard Harris als Dumbledore aus dem Dunkeln den Lingustinenweg hinunter schreitet, wenn sich Maggie Smith alias Professor McGonagall von einer Katze wieder in einen Menschen zurück verwandelt, und wenn Hagrid schließlich aus dem Nichts auf dem Motorrad angebraust kommt, dann sprüht der Film den Charme des Buches, man fühlt praktisch, dass die Bilder, die man während des Lesens im Kopf hatte lebendig geworden sind. Solche Momente gibt es im Film öfters, nur dass sie seltenst im Kontext zum übrigen Material zusammen passen. Nach dem erfolgreichen Einstieg geht es schnell bergab, und dass nachdem man es sich bereits wohlig und von John Williams atmosphärischer Score verzaubert im Kinosessel gemütlich gemacht hat. Die elf Jahre vergehen nun wie im Buch sehr fix und wir erleben Harry bei den Dursleys, die zwar wie die gesamte Crew äußerst passend besetzt sind, vom Drehbuch aber noch hassenswerter angelegt werden als wie in der Vorlage. Auf lächerliche Weise wird die Gemeinheit dieser drei Charaktere übersteigert, problematisch daran auch, dass viele Szenen des Buches nun dem Film zum Opfer fallen, anscheinend haben sich die Autoren gedacht, dass jeder erwachsene Zuschauer das Buch und damit die Psychologie hinter den Dursleys kennt. Hier bereits taucht der Verdacht auf, dass wesentlich mehr Filmmaterial gedreht wurde, jedoch beim Schnitt dann auffiel, dass der Film viel zu lang wird - und so wurde halt dann doch herb zusammen gestrichen. Es gibt viele Stellen in dem Film wo das auffällt, wäre dies bereits von Anfang an so vorgesehen gewesen, dann wäre der Erzählrythmus des Films nicht so verkorkst. Natürlich ist jeder magische Moment der Vorlage enthalten und wird zusätzlich noch ausgewalzt bis zum geht nicht mehr. Die Trickeffekte sind äußerst gut gelungen, besonders die rasante Sequenz mit dem Quidditch-Spiel kann überzeugen, obwohl man teilweise noch sieht, dass sie aus dem Rechner kommt. Aber was nützen alle wunderschönen Momente wenn die Story sie nicht angemessen verbindet? Gar nichts, das wird im Fall "Harry Potter" recht deutlich. Funktionen wichtiger Figuren werden nicht beleuchtet, dem "Harry Potter"-Unkundigen kann sich dessen Universum nicht mal annähernd erschließen. Vor allem wo Regisseur Chis Columbus ein gradnioses Darsteller-Ensemble gerade für die Nebenrollen zur Verfügung stand ist es sehr schade, dass er dieses so schmählich vernachlässigt. Alan Rickman, zwar in der deutschen Fassung grausig synchronisiert, liefert in den wenigen Szenen die seiner recht zentralen Figur Snape, dem undurchsichtigsten Charakter der ganzen Romanreihe, übrig bleiben einen sehr guten Eindruck davon ab was für wunderbare Momente er hätte schaffen können wenn seine Filmfigur der Buchvorlage angemessen entwickelt worden wäre. So wird aber im ganzen Film nichts von der Beziehung Snapes zu Harry klar, nicht mal die Frage warum Snape eigentlich fies zum Helden ist wird laut, er ist einfach nur eine unsympathische Figur, die halt jeder Film braucht, mehr nicht. Ebenso verhält es sich mit Dumbledore, McGonagall, Flitwick, den Dursleys, Hagrid und sogar mit Hermine und Ron: während sie im Buch alle wichtige, unverfälschbare Charaktere sind werden sie im Film ersetzbare Nebenfiguren. Harry Potter hingegen bleibt der absolute Mittelpunkt des Films, der keine Konkurrenz zuläßt, dessen Charakter aber auch nicht sonderlich greifbarer wird, obwohl ihm der meiste Raum gelassen wird. Die wirkliche Tragödie Harrys wird im Film nicht sichtbar, die eigentlich ja wunderschöne Geschichte mit ihren Höhen und Tiefen nur kommerzialisiert runter geleiert. Probleme in der Geschichte werden völlig ausgelassen, vor allem von der Stellung der Zauberer den Menschen, von ihnen nur Muggle genannt, gegenüber wird nicht mal angerissen. Hermine, der im Buch ein Identifikationskonflikt, der durch ihre Abstammung aus beiden Welten, geradezu von ihren Mitschülern aufgezwängt wird, und durch den sie sich sehr stark definiert, wird im Film nicht mal das Recht auf diesen sehr wichtigen Hintergrund gebilligt. Aber auch die Armut von Rons Familie, durch die ihn der Kinder-Fiesling Draco Malfoy immer wieder beschämen kann, bleibt fast außen vor, genauso wie der familiäre Hintergrund Malfoys selber, dessen Vater zu den treuesten Dienern des bösen Voldemorts gehörte, was ihn und Harry schon automatisch zu absoluten Todfeinden werden läßt, eine Feindschaft, die im Film eher wie das Geplänkel zweier Kinder wirkt, die sich einfach nur nicht leider können, die aber sonst nichts verbindet.
Chris Columbus hatte alle Möglichkeiten, hat optisch ein wunderbares Stück Film geschaffen, aber erzähltechnisch tief ins Klo gefaßt. Sein Film mag kurzweilig sein, fesseln wie das Buch kann er jedoch nie wirklich. Gerade die optische Ausgereiftheit des Films verstärkt noch mehr den Eindruck, als würde hier ein recht schnell zusammen geschusterter, unfertiger Torso vorliegen. Kinder wird dies alles natürlich nicht stören, sie bekommen das serviert was sie sehen wollen: die zur filmischen Realität gewordene Phantasie in ihren Köpfen, für sie zählt eher, dass die wichtigen Szenen der Geschichte, die sich oftmals auch nur durch kurze Einstellungen ausdrücken können, sei es nun wenn Harry morgens in seinem kärglichen Schrank unter der Treppe erwacht wie auch wenn er das erste Mal die Winkelgasse betritt, in der Form im Film existent sind wie sie sie für sich selbst beim Lesen erdacht hatten. Ob Charaktere und Geschichte glaubhaft oder kreativ sind ist dabei eher sekundär. Dem Potter-Leser jenseits des zwölften Lebensjahres müßten schon eher die deutlichen Fehler hier auffallen, ob sie ihn stören ist eine andere Sache. "Harry Potter und der Stein der Weisen" ist durch und durch Kommerz-orientiertes Hollywoodkino, dass zwar eigentlich die literarische Kreativität der Vorlage abtötet, dass aber sehr wirkungsvoll darauf abzielt die große Kohle zu machen. Phantasievoll ist das hier jedenfalls nicht. Joanna Rowling beschrieb in ihrem Buch jede Kleinigkeit so gut, dass Regisseur Columbus alles schon vorgegeben hatte, erdenken brauchte er kaum noch was, so dass seine Inszenierung eigentlich das einzige war, was dem Stoff neuen Saft hätte geben können. Doch Columbus hält sich lieber an sein altbewährtes Hollywood-Schema und setzt die Magiergeschichte völlig routiniert ohne lobenswerte Einfälle um. Der Film ist das beste Beispiel dafür, dass man Kunst und Kommerz nicht verbinden kann - oder dass man einfach nicht bereit ist das Risiko des Scheiterns einzugehen indem man versucht es zu verbinden. Was für einen grandiosen Märchenfilm hätte man aus dem Stoff machen können wenn man ihn nicht ins Kino, sondern als aufwendigen Fernseh-Mehrteiler gestaltet hätte, die Möglichkeiten wären schier grenzenlos gewesen. So muss man im Kino aber mit 2 Stunden und 32 Minuten auskommen, für einen Film dessen Zielpublikum unter 12 Jahren ist schon ziemlich lang. Um jedoch eine überzeugende Verfilmung des Stoffs zu bieten braucht es schon etwas mehr Zeit. "Harry Potter und der Stein der Weisen" ist nicht schlecht, er ist eher ärgerlich, denn er nutzt seine Chancen nicht, setzt sein Niveau viel zu tief an. Den echten Harry Potter-Fan, der Fan nicht des Hypes sondern der Besonderheit des Stoffes wegen ist, kann dieses Werk jedenfalls nicht überzeugen. Und er läßt ihn (in diesem Fall also mich) die Stirn besorgt in Falten legen wenn er über Teil 2, Teil 3 und erst recht über Teil 4 nachdenkt... [srs]
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