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Hostel II

(Hostel: Part II; USA, 2007)

Dem Bostoner Regisseur Eli Roth gelingt etwas, was im Endeffekt den wenigsten Filmemachern gelingt: er spaltet das Publikum. Je nachdem auf welcher Seite man selber Position bezieht wird man dies positiv oder negativ finden, aber es hebt ihn fraglos aus dem Gros mehr oder weniger talentierter Jungregisseure heraus. Und er ist das Protegé von Quentin Tarantino, der in Roth’ sehr billigem Erstling „Cabin Fever“ ein Meisterwerk sieht. Mit der Meinung steht er nicht allein, Peter Jackson z.B. äußerte sich ähnlich. Mit seinem Hollywood-Einstand „Hostel“, immer noch billig produziert, dafür mit einer großen Werbekampagne im Rücken sorgte Roth 2005 für Aufsehen. Im Vorfeld suggerierte das Marketing, dass „Hostel“ eine brachiale und äußerst schmerzhafte Reise durch die Folterkeller osteuropäischer Henkersknechte sei. Trotz seines schon höheren Blutgehaltes hielt der Film jedoch nicht was er versprach. Man sah nichts, was man nicht schon vorher gesehen hatte, dafür funktionierte der Film aber zwischen den Zeilen als beißende Satire auf den aktuellen American Way of Life. Die nicht erfüllten Erwartungen sorgten bei Splatterfans allerdings eher für Enttäuschung und Unverständnis. Mit „Hostel II“ will Eli Roth dies nun wieder gut machen. Liefert sein Sequel nun die versprochene Gewaltorgie?

In einem beschaulichen Örtchen in der Slowakei hat sich ein Unternehmen ansässig gemacht, dass unter dem klangvollen Namen ‚Elite Hunting’ sein Geschäft in den Kellerräumen einer alten Fabrik betreibt. Ihr Spezialgebiet liegt darin Rucksack-Touristen zu kidnappen, an reiche Geschäftsleute zu verkaufen und dann diesen zu ermöglichen, dass sie mit ihnen anstellen können, was immer sie wollen. Man muss wohl nicht betonen, dass diese Geschäfte immer mit dem Tod des entführten Urlaubers enden. Immer? Nicht immer. Ein todesmutiger junger Amerikaner konnte entkommen, auch wenn er dabei ein paar Finger lassen musste. Für ‚Elite Hunting’ stellt dieser Paxton (Jay Hernandez) sowohl ein Risiko wie auch ein misslungenes Geschäft dar, welches nach Rache schreit. Und so wird Paxton eines Morgens am Frühstückstisch von seiner Freundin, bei der er sich seit den Greultaten in der Slowakei versteckt hält, ziemlich kopflos vorgefunden…
Zur selben Zeit wollen in Rom die beiden amerikanischen Kunststudentinnen Beth (Lauren German) und Whitney (Bijou Philips) nach Prag fahren um einen drauf zu machen. Ihnen anschließen tut sich noch das Mauerblümchen Lorna (Heather Matarazzo), auch wenn die vergnügungssüchtige Whitney davon nicht grade begeistert ist. Im Zug treffen sie auf die schöne, aber auch etwas dubiose Axelle (Vera Jordanova), die sie überredet statt nach Prag doch lieber in ein Idyll in der Slowakei zu fahren. Und so landen die drei Mädels in dem berüchtigten Hostel, in dem auch schon Paxton und seine Freunde abgestiegen sind. Sie ahnen nicht, dass zu diesem Zeitpunkt ihre Leben bereits in bares Geld verwandelt wurden und ihre potentiellen Mörder auf dem Weg sind…

Auf den ersten Blick ist „Hostel II“ ein Aufguss seines Vorgängers mit vertauschten Geschlechterrollen. Allerdings, so scheint es zumindest in der ersten Hälfte des Films, versucht Roth dem Film einen Mehrwert zu verschaffen, indem er auch ein Bild der Figuren drum herum zeichnet. Der Zuschauer erlebt wie die Organisation ‚Elite Hunting’ arbeitet, lernt ihren Chef kennen und auch viel über die Mitarbeiter. Am wichtigsten sind aber die Kunden, die hier in Form von zwei – ebenfalls – amerikanischen Geschäftsmännern und Freunden dargestellt werden. Der eine ist Todd (Richard Burgi), ein reicher Mittvierziger, der vom Leben gelangweilt ist und sich so den größten Kick für seine Männlichkeit verspricht. Der andere ist Stuart (Roger Bart), ein Mittelständer, der von Todd, der auch alle Kosten übernimmt, eher mitgeschleift wird, drangsaliert von seiner Ehefrau, eher zurückhaltend und vom ersten Moment seiner Ankunft in der Slowakei auch beschäftigt mit der Frage: „Was mache ich hier überhaupt?“. Diese beiden Figuren sind eigentlich die interessantesten und mit dem meisten Potential versehenen Charaktere im ganzen Film, dem es leider nicht mehr darum geht die anti-amerikanische Position des Originals aufrecht zu erhalten. Unterstützt wird das Interesse an den Figuren auch dadurch, dass sowohl Richard Burgi wie auch Roger Bart Darsteller aus der sehr erfolgreichen US-Serie „Desperate Housewives“ sind und man mit deren Besetzung durch Roth auch einen Kommentar seinerseits hinein interpretieren könnte. Wenn man aber die Entwicklung der Figuren in der zweiten Hälfte dann sieht, dann muss man sich doch fragen, ob das nicht nur Zufall ist. Der Aufbau einer hintersinnigen Struktur wird dann nämlich zu Gunsten eines grotesk-brachialen Folterszenarios wieder fallen gelassen. Motivation und Psychologie der Figuren fallen leider unten runter, stattdessen gibt es dann die Gewaltschübe, die Roth versprochen hatte. Für wirklich Hartgesottene dürften aber auch diese wieder enttäuschend sein, für das amerikanische Teenie-Publikum wohl kaum. Viel Gewalt gibt es insgesamt nicht, aber wenn, dann wird’s auch heftig. Da wird ein Opfer als Anspielung auf die Legende der ungarischen Blutgräfin Elisabeth Bathory (die aber auf slowakischer Seite zu Gange war – grundlegende historische Verfälschung kann man Roth also nicht vorwerfen) mit einer Sense zerschnitten, während sich ihre Peinigerin genussvoll mit deren Blut einreibt. Da darf in einem Cameo die italienische Regie-Legende Ruggero Deodato (neben ihm sieht man auch Italiens 70er Jahre-Scream Queen Edwige Fenech als Kunstlehrerin in einem Cameo) Stücke aus dem Bein eines Jünglings schneiden und verspeisen. Ein wenig Skalpierung ist auch drin, jemand wird von Hunden zerfleischt und – besonders schmerzlich für die männlichen Zuschauer – es erfolgt eine recht brachiale Kastration. All dies ist aber nicht besonders detailverliebt inszeniert, der Schock entsteht durch das bloße Vorhandensein des Effekts.
Im Gesamtvergleich des sich in den letzen Jahren immer mehr etablierten Torture-Horrorfilms bleibt „Hostel II“ eher durchschnittlich, auch weil er grade in Sachen Spannung nicht mit der „Saw“-Reihe mithalten kann. Trotzdem ist er aber bei weitem nicht misslungen. Auch hier spielt Roth, teilweise sogar auf recht witzige Weise, mit der Erwartungshaltung des Zuschauers und unterhält durchgängig. Es bleibt aber die Tatsache, dass der Film zu wesentlich mehr möglich gewesen wäre und im Endeffekt auch keine Lesart abseits des Mainstream-Kinos mehr möglich ist. Dadurch bleibt er hinter dem Vorgänger natürlich eine ganze Ecke zurück. Das amerikanische Kinopublikum sahs auch nicht besonders positiv, ob das nun daran liegt, dass die Zielgruppe sich größtenteils beim Erstling getäuscht sah, oder daran, dass das Interesse am Stoff durch die eher negativen Kritiken noch weiter in den Keller gerutscht ist, kann man schwer beantworten. Ein Problem mit dem Film hat aber die deutsche FSK, die der ungeschnittenen Fassung die Freigabe für die Kinoauswertung verweigerte. In den deutschen Kinos läuft dadurch eine um ca. zwei Minuten beschnittene, nicht sehr empfehlenswerte Fassung, da sich die Kürzungen störend auf den Ablauf auswirken. Ein dritter Teil von „Hostel“ erscheint insgesamt recht unwahrscheinlich, zumal Roth selber keinen rechten Bock auf eine Fortführung mehr zu haben scheint. Als nächstes inszeniert er stattdessen die Stephen King-Adaption „Cell“.

[srs]