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Flyboys - Helden der Lüfte
(Flyboys; USA/F, 2006)
Wir schreiben das Jahr 1916: Seit beinahe zwei Jahren tobt der Erste Weltkrieg. An der Westfront haben sich die Alliierten Großbritannien und Frankreich in mühevolle Grabenkämpfe mit den Deutschen verbissen. Die USA bleiben betont neutral und lassen die Europäer ihren eigenen Krieg führen. Aber einige Amerikaner haben sich nach Europa aufgemacht, um den Alliierten als Sanitätshelfer oder Mitglieder der Fremdenlegion beizustehen. Bald schon bildet sich eine Gruppe Freiwilliger heraus, die ihr eigenes Geschwader formt, um auf alliierter Seite in den Luftkampf mit den besser ausgerüsteten deutschen Piloten einzugreifen. Dieser wahre Hintergrund, diese Geschichten um Leben und Tod, sind der Ausgangspunkt von „Flyboys“. Der gebürtige Texaner Blaine Rawlings (James Franco) muss die Ranch seiner Familie verlassen und begegnet seiner Zukunft als er im Kino einen Wochenschaubericht über die Tapferkeit jenes Geschwaders sieht. Der Fremdenlegionär Higgins (Christien Anholt) stößt von der Sanitätstruppe dazu. William Jensen (Philip Winchester), Sohn eines Kavalleriebeamten aus Nebraska, möchte die militärische Tradition seiner Familie fortführen. Briggs Lowry (Tyler Labine) gibt dem Druck seines reichen und mächtigen Vaters nach und will als Kampfpilot endlich etwas aus sich machen. Eddie Beagle (David Ellison), ein Großmaul, das noch nicht einmal vernünftig schießen kann, scheint vor seiner Vergangenheit davonzulaufen. Der dunkelhäutige Auswanderer Eugene Skinner (Abdul Salis) möchte mit Frankreich ein Land verteidigen, in dem er an Boxwettkämpfen teilnehmen und es zum Champion bringen könnte – während er in Amerika noch nicht einmal ein Cockpit betreten dürfte. Während der ersten Übungswochen begegnet Rawlings dem Anführer des Geschwaders Reed Cassidy (Martin Henderson), der mit 28 schon ein Veteran unter den Piloten ist. Er kennt die Gefahren des neuen Luftkampfs aus eigener Erfahrung und weiß, dass von den jungen Männern nur wenige überleben werden. Cassidy ist eine Legende in der Einheit, es wird gerätselt, wie er immer wieder den Naturgesetzen trotzen und es auf 20 Abschüsse bringen konnte... freilich um den Preis seiner eigenen Unschuld. Unter der Leitung des französischen Hauptmanns Georges Thenault (Jean Reno) müssen sich die Amerikaner einem knüppelharten Trainingsprogramm unterziehen, um für den ersten Kampfeinsatz vorbereitet zu sein. Bei den Übungen mit dem neuesten französischen Doppeldecker, der Nieuport 17, begreifen diese bald den Ernst ihrer Lage: die Lebenserwartung eines Piloten liegt bei drei bis sechs Wochen. Sie sind den Deutschen zahlenmäßig und technisch unterlegen. Man gibt ihnen noch nicht einmal Fallschirme, weil dem Militär die Maschinen wichtiger sind als das Leben ihrer Piloten. Bald schon müssen Rawlings und seine Mitstreiter ins Gefecht und erleben einen heftigen Nahkampf in der Luft, dessen verheerende Verluste ihre schlimmsten Erwartungen übertreffen. Die bestens ausgebildeten deutschen Piloten in ihren überlegenen Fokker-Maschinen tauchen aus dem Nichts auf, um die französischen Flugzeuge auszumanövrieren und abzuschießen. Die schockierende Statistik über die Lebenserwartung eines Piloten bestätigt sich mit jedem neuen Begräbnis auf dem Friedhof des Geschwaders. Zwischen den Kämpfen gibt es aber auch Momente der Hoffnung und des Glücks für Rawlings, der sich in Lucienne D’Arcy (Jennifer Decker) verliebt, eine junge Französin, die in einer nahe gelegenen Stadt mit ihren verwaisten Neffen und der Nichte lebt. Durch sie lernt er aus erster Hand die Verwüstungen des Krieges kennen, die sie selbst und ihre Familie getroffen haben. Als Luciennes Anwesen von der deutschen Infanterie umstellt wird, riskiert Rawlings alles, um sie zu retten. Doch bald darauf verliert er seine große Liebe aus den Augen, als die beiden im Chaos des Krieges getrennt werden. Bei der Vorbereitung für die nächste Schlacht und mit der Abschussliste der Piloten vor Augen müssen Rawlings und die anderen Piloten ihre Ängste überwinden und der tödlichen Herausforderung begegnen. Alle idealistischen Vorstellungen, alle Abenteuergefühle und aller Nervenkitzel sind einem einzigen Impuls gewichen: am Leben zu bleiben und deinen Nächsten zu treffen.
An sich ist es überhaupt einmal sehr lobenswert, wenn sich ein Film mal wieder mit dem ersten Weltkrieg beschäftigt, da solche Streifen recht spärlich gesät sind. Leider kann jedoch „Flyboys“ nicht überzeugen, obwohl er von dem Emmerichspezi und Mitproduzenten von „Independence Day“ Dean Devlin produziert wurde. Nach den Angaben von den Produzenten hätte der Streifen sehr realistisch sein sollen und auch der Regisseur wurde als sehr interessiert am ersten Weltkrieg beschrieben, weil er als Fan schon mehrere Bücher über das Thema gelesen habe. Genau hier liegt leider schon das erste Problem des Films, denn zugunsten des Popkornkinos wurden bei „Flyboys“ auf eine historisch akkurate Darstellung verzichtet. Das erkennt man schon gegen Anfang des Films an der Ausbildung der Piloten. Als der Hauptmann Georges Thenault (Jean Reno) den amerikanischen Freiwilligen mit zwei Flugzeugmodellen einige Flugtaktiken erklärt, ist das deutsche Flugzeug eindeutig als Flugmodell mit drei Flügeln zu erkennen. Die Ausbildung fand im Jahr 1916 statt, aber der einzige deutsche Dreiflügler, die Fokker Dr. 1, kam jedoch erst Anfang 1917 an die Front. Dann kämpft das französische Geschwader ausschließlich gegen „überlegene“ Piloten in roten Dreideckern, obwohl die wenigsten deutschen Maschinen angemalt waren und auch nur relativ wenig Fokker Dr. 1 an der Front waren. Für akribische Filmkenner dürfte auch das Auftauchen von britischen Mark IV. Panzern auf deutscher Seite recht übel aufgestoßen sein, denn 1917 gab es noch sehr wenig Panzer und auf der deutschen Seite erst ein paar wenige gegen Ende des Krieges 1918. Nur wenige Mark IV. Panzer wurden von deutschen Soldaten erbeutet. Diese historischen Ungenauigkeiten sind nur einige wenige Beispiele. Geglückt sind jedoch die Ausstattung und die Kostüme der Darsteller. So wurden recht viele Requisiten liebevoll dargestellt und man fühlt sich in Zeit vor fast 100 Jahren zurückversetzt. Auch die Luftgefechte sehen richtig gut aus und auch die restliche Special Effekts stimmen. Kritik müssen leider wieder die Darsteller hinnehmen, denn bekannte Protagonisten wie Jean Reno oder James Franco werden nicht gefordert und agieren sichtlich lustlos. Am Besten ist das an der hölzern dargestellten Liebesgeschichte zwischen Blaine Rawlings (James Franco) und Lucienne D’Arcy (Jennifer Decker) zu erkennen. Recht emotionslos und nahezu ohne Tragik wird die Liebesgeschichte gezeigt, so nach dem Motto „wenigstens haben wir eine drin“. Aber auch Hauptmann Georges Thenault darf nur das typische Klischee des väterlichen Vorgesetzten ohne jegliche Facetten bedienen. Flugneurosen, Probleme der Piloten untereinander, Zweifel an dem Massensterben, d.h. grundlegende Problematiken des ersten Weltkrieges und der Kriegsfliegerei werden nur angerissen und die Produzenten und der Regisseur müssen sich den Vorwurf gefallen lassen sämtliche Klischees bedienen zu wollen. Außerdem hat man das Gefühl, dass die Filmverantwortlichen quasi ein „Pearl Habour“ im ersten Weltkrieg darstellen wollten. Ärgerlich ist auch die Schwarz-Weiß-Skizzierung zwischen deutschen und amerikanischen bzw. französischen Piloten. Alle Deutschen sind böse, unfair und ungerecht. Sämtliche Alliierten sind gut, strebsam und fair.
Wie bereits beschrieben langweilen die überladenen Klischees den kritischen Zuschauer, von den historischen Fehlern und den dürftigen Darstellerleistungen ganz zu schweigen. Trotzdem bietet die Handlung zumindest eine mittelmäßige Unterhaltung und die Special Effekts, Kostüme und Bauten können sogar überzeugen. Dennoch reichen sämtliche Punkte nur für einen sehr durchschnittlichen Film. [rk]
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