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Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück

(Bridget Jones´ Diary; GB/USA, 2001)

Schon über 30, zehn Pfund zuviel auf den Rippen, ein öder Job, Liebesleben total im Eimer und, am schlimmsten, unverheiratet. So sieht der Alltag von Bridget Jones (Renée Zellweger), einer typischen Engländerin in London, aus. Bridget, die zwar einerseits ihr Selbstmitleid gerne in einer guten Flasche Wein ertrinkt, aber andererseits auch recht sarkastisch mit ihrer Situation umzugehen weiß, arbeitet als Sekretärin bei einem Verlagshaus, ihre größten Probleme sind ihre zickige Kollegin und ihre beiden Vorgesetzen, der eine ein alternder Lustgreis, der andere ein charmanter Mistkerl. Dumm nur, dass sich Bridget mit diesem Daniel Cleaver (Hugh Grant) einläßt und sich auch noch in ihn verguckt. Die Hoffnung auf eine glückliche Beziehung hat halt doch einen zu großen Reiz, und dass obwohl Bridget nach unzähligen schnöden Erlebnissen und One Night Stands doch eigentlich der Männerwelt abgeschworen hatte. Doch natürlich ist das nicht alles was sich in Bridgets Leben bewegt. Besonders chaotisch verläuft auch das Leben ihrer Eltern, als ihre naive Mutter (Gemma Jones) beschließt ihren gutmütigen Mann (Jim Broadbent) zu Gunsten eines schleimigen Moderators einer Home Shopping Sendung zu verlassen. Und dann gibt es da noch den frisch geschiedenen Anwalt Mark Darcy (Colin Firth), den ihre Eltern gerne an Bridgets Seite sehen würden, doch zwischen den beiden gibt es immer wieder nur Hass und Streit. Problematisch auch, dass es zwischen Mark und Daniel anscheinend ein kleines Geheimnis gibt, dass sich jedoch erst aufdeckt als Bridget Daniel mit seiner neuen Kollegin erwischt. So beschließt Bridget endlich ihr Leben in die eigene Hand zu nehmen, schmeißt ihren Job, fängt als Moderatorin bei einem Fernsehsender an und erkennt auch, dass Mark eigentlich gar nicht das Ekel ist für den sie ihn immer hielt. Aber der will mit seiner langweiligen und dominanten Verlobten Natasha (Embeth Davidtz) nach Amerika gehen. Kann es da noch ein Happy End geben?

Die weibliche Emanzipation stand in den letzten Jahren oftmals in den verschiedensten Filmarten im Mittelpunkt. Auch „Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück“ versteht sich hauptsächlich als Film über Frauen, erhebt aber nicht den Anspruch ein sogenannter Frauenfilm zu sein. Denn er ist eine typische Liebeskomödie durchsetzt mit viel britischem Humor. Basierend auf den Zeitungskolumnen und den Romanen von Helen Fielding zeichnet der Film das charakterstarke Bild einer liebenswerten aber chaotischen jungen Frau, ein Bild, dass so gut entwickelt ist, dass die Titelfigur schon fast Kultcharakter hat, auf jeden Fall aber als Identifikationsfigur für jedermann herhalten kann. Bridget ist eine menschliche Filmfigur und der Film lebt von ihren Eigenschaften und kleinen Macken. Das war auch schon in den Vorlagen so, kein Wunder also, dass ziemliches Gemecker laut wurde als die eher burschikose texanische Schauspielerin Renée Zellweger als englisches Superweib besetzt wurde. Und was ist bei raus gekommen? Die Frau ist perfekt, ihr Spiel ist oscarreif. Aber auch die männlichen Figuren sind passend besetzt. Als stocksteifer Anwalt Mark Darcy überzeugt Colin Firth und kann damit seit langem mal wieder aus dem Schatten seiner Co-Darsteller treten. Meistens ging der talentierte Darsteller unter, nur in drei Filmen, „Apartment Zero“, „Pesthauch des Bösen“ und „Fever Pitch“ konnte Firth sich bisher als echter Schauspieler erweisen, drei Filme, die außerhalb seiner Heimat kaum bekannt geworden sind. Hugh Grant hingegen kennt jeder und als schlitzohriger Playboy Daniel Cleaver kann er sein anscheinend trotz gewisser Eskapaden unankratzbares Saubermannimage mal wieder, wie man merkt voller Spielfreude, ein wenig beschmutzen.

„Bridget Jones“ ist charmantes, liebenswertes und sehr witziges Brit-Kino für das Anti-Action-Publikum, bei dem die Schwächen kaum auffallen. In der Story gibt es öfters mal recht hastige Sprünge, auch die Inszenierung ist nicht immer stimmig und die im Orginaltitel in den Mittelpunkt gerückten Tagebücher Bridgets, die auch in den Romanen eine große Bedeutung haben, werden hier nur am Ende mal kurz wichtig. Man kann sich jetzt streiten, ob ein anderes Herangehen an die Vorlage sinnvoller gewesen wäre, Möglichkeiten gibt es jedenfalls recht viele. Falsch machen kann man am Kinobesuch dieses Films jedenfalls nicht viel, denn den Zuschauer erwarten knapp 100 äußerst unterhaltsame Minuten bei denen man mit dem Hauptcharakter mitzittern, -leiden und -lieben kann. Zumindest wenn man Bridgets Situation nachvollziehen kann.

[srs]