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Get Carter - Die Wahrheit tut weh

(Get Carter; USA, 2000)

Ein Mann im besten Alter. Muskulös, wortkarg, hammerhart. Ob man Jack Carter (Sylvester Stallone) wirklich kennen will muss jeder selbst entscheiden, wenn man jedoch Schulden bei Casinobetreiber Les Fletcher (Garwin Sanford) hat, dann sollte man beten, dass man Jack Carter nie begegnet, denn Carter ist Fletchers Mann fürs Grobe, sein Job ist es erst zuzuschlagen und dann zu fragen. Und wo er zuschlägt darf kein Gras mehr wachsen. Mit seinem Partner Con McCarty (John C.Reilly) betreibt er eine Sicherheitsfirma, was er jedoch ist ist eher ein Auftragsschläger, der eiskalt auch vor Mord nicht zurück schreckt. Jack Carter gehört nicht zu den guten, er ist ein ganz böser Junge.

Doch Jacks Leben soll sich völlig verändern als er vom Tod seines Bruders erfährt. Seit Jahren hat er Richie (Michael Cook) nicht mehr gesehen, doch Richie war ein grundanständiger und solider Mann und Jack kann sich nicht erklären wie dieser Mann völlig alkoholisiert einen tödlichen Autounfall haben konnte. So fährt Jack zur Beerdigung und hat bereits den Entschluss gefasst die Wahrheit herauszufinden. In seiner Heimatstadt stehen ihm alle feindlich gegenüber, auch seine Schwägerin Gloria (Miranda Richardson) und Richies Tochter Doreen (Rachael Leigh Cook). Trotzdem findet Jack im Unterweltmilieu schnell erste Spuren. Richie arbeitete seit Jahren für den Barbesitzer Cliff Brumby (Michael Caine), einen anscheinend ruhigen alten Mann, der auf Carter jedoch auch einen dubiosen Eindruck macht. Richie war sein Verwalter und Mädchen für alles, angeblich auch sein Freund. Brumby führt Carter zu der Prostituierten Geraldine (Rhona Mitra), die mit Ritchie eine Affäre hatte. Geraldine arbeitet im Club von Cyrus Paice (Mickey Rourke), einem alten Feind Jacks, der mittlerweile sein Geld mit Internet-Pornos verdient und über seiner Bar ein Livecam-Studio betreibt. Jack findet weiter heraus, dass Cyrus mit dem Computer-Millionär Jeremy Kinnear (Alan Cumming) zusammenarbeitet, dieser jedoch seinen Geschäftspartner lieber loswerden würde, da sein Ruf dadurch eher geschädigt wird.

Für Carter entwickelt sich ein kaum durchschaubares Geflecht aus Freundschaften und Feindschaften, Verdächtige findet er viele, nur das Motiv ist nicht in Sicht. Erst als Gloria überfallen wird ist Carter klar, dass er auf der richtigen Spur sein muss. Und Jack entwickelt familiäre Gefühle für seine Nichte, die anscheinend mehr weiß und ein düsteres Geheimnis hütet. Probleme warten auf Jack jedoch auch von anderen Seiten her. Sein Boss will anfangs, dass er zurückkommt, dann erfährt er jedoch von Carters Affäre mit seiner Frau Audrey (Gretchen Mol) und erteilt dem verräterischen Con den Tötungsauftrag, Jack soll verschwinden. Doch so leicht geht das nicht...

Drei Jahre ließ sich Sly Stallone Zeit um einen neuen Film zu drehen. Drei Jahre Zeit um das große Kritikerlob, dass der ehemalige Action-Rambo für seine Rolle als halbtauber, aber unbestechlicher Kleinstadt-Sheriff in „Copland“ erhielt, zu verdauen. Drei Jahre Zeit um eine weitere überzeugende Rolle zu finden. Für „Get Carter“ bekam Stallone zwar kaum Lob, aber wenigstens auch keine Kritikerhäme. Der Film hingegen kam nicht so gut weg, beim Publikum wie bei internationalen Magazinen. Ein Flop in den USA, schnell war er wieder aus den Kinos verschwunden. Dabei ist „Get Carter“, das Remake des britischen Gangsterfilms „Jack rechnet ab“ von 1971, gar nicht mal so übel. Stallone überzeugt als hammerharter Bad Guy in einem optisch sehr schön durchkomponierten Rache-Krimi. Aber „Get Carter“ ist kein Action-Film, er hat keine Spur von Humor, auch der Spannungsbogen lässt zu wünschen übrig und das Drehbuch hat böse Handlungslücken. Charmant ist er jedoch, obwohl er eiskalt ist. Er lebt im Geiste des Kinos, zu dem das Orginal gehörte, dem britischen Gangsterkino der 70er. Stilistisch versucht er die Werbeästhetik der 90er mit dem ruhigen Still eben jenes Genres zu kombinieren, ein Konzept, dass auch auf aufgeht. Zu verworren kommt die Handlung daher, zu oft wirkt der Film unfertig und die Auflösung ist zwar wirksam, aber völlig konfus. Problematisch auch die Charakterisierungen der Nebenfiguren, die kaum existiert, besonders weil Stallones Figur Jack Carter recht plastisch auftritt. Jack Carter erscheint als verbitterter, einsamer Mann, der seine Probleme durch Gewalt kompensiert und seine Erlösung in der Rache an den Mördern des Bruders sucht. Seine Gegner hingegen bleiben einseitig, selbst der von Orignial-Carter-Darsteller Michael Caine gespielte Barbesitzer Brumby bleibt farblos, das Drehbuch nutzt hier die Chance nicht den brillianten Nebendarstellern auch brilliante Darstellungen zu ermöglichen. Das Drehbuch lässt sie im Stich.

Wenn man in „Get Carter“ keine Erwartungen setzt wird man überrascht sein wie gut der Film ist. Doch er ist halt nicht für ein Durchschnittspublikum gemacht. Mainstream muss spannend und unterhaltend sein, „Get Carter“ ist eher ein Cineastenmovie, ein Film für Leute, denen eine gute Inszenierung über eine wenigstens durchschnittlich durchstrukturierte Story geht. Denn daran scheitert „Get Carter“, außer der letzten halben Stunde kann man das Drehbuch fast völlig vergessen, obwohl die Dialoge, wenn man jedenfalls die offensichtlichen Storylücken vergisst, auch recht gelungen sind.

[srs]