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Rocky Balboa

(Rocky Balboa; USA, 2006)

Vor vielen Jahren war Rocky Balboa (Sylvester Stallone) einer der unauffälligen Namenlosen, an denen das Leben auf den Straßen von Philadelphia vorbeizog. Tagsüber trieb er für einen schäbigen Kredithai die Schulden ein, in seiner Freizeit trainierte er in Mickey’s Boxhalle und träumte von einer besseren Zukunft. Sein Wunsch erfüllte sich, als er sich in die scheue Adrian verliebte und die unglaubliche Chance erhielt, gegen den amtierenden Boxweltmeister anzutreten. Adrian wurde die Liebe und das Ringduell mit Apollo Creed der Kampf seines Lebens. Heute ist Rocky eine Legende, die den Menschen Mut und Hoffnung gab und dafür mit Popularität und Zuneigung belohnt wurde. Doch nach dem Tod Adrians, die an Krebs starb, hat Rocky die Einsamkeit früherer Tage eingeholt. Zwar unterhält er die Gäste in seinem kleinen Restaurant „Adrian’s“ noch immer mit Anekdoten von seinen Kämpfen als „The Italian Stallion“, doch zuhause warten nur sein Aquarium mit Fischen und eine Wohnung voller Erinnerungen. Vorbei sind auch die glücklichen Zeiten mit seinem Sohn. Rocky Junior (Milo Ventimiglia) lebt sein eigenes Leben, in dem der Vater kaum vorkommt. Rocky, seine Werte und die Welt, in der er sich durchschlug, sind dem jungen Mann fremd. Er fühlt sich erdrückt vom Schatten der Boxlegende, die er nicht einmal zum Grab der Mutter begleitet. Dort steht Rocky oft, auch am Jahrestag, an dem er Adrian gedenkt und alle Stationen aufsucht, die ihn an sie erinnern: die Tierhandlung, die jetzt mit Brettern vernagelt ist. Die Eislaufbahn, von der nur Abbruchschutt übrig geblieben ist. Und die Boxhalle von seinem alten Coach Mickey, der erst auf dem Friedhof zur Ruhe fand. „Du lebst nur noch im Gestern“, mahnt ihn Schwager Paulie (Burt Young), die treue Seele, die ihm auch auf diesem Weg nicht von der Seite weicht. Und beide ahnen nicht, wie schnell das Heute sich in den Vordergrund drängt. In einer Bar wird Rocky von einer Frau angesprochen, die behauptet, ihn von früher zu kennen. Sie gibt sich dem ratlosen Rocky als Marie (Geraldine Hughes) zu erkennen, als das 12-jährige Mädchen, das ihn vor vielen Jahren rüde beschimpfte. Weil er sie nach Hause begleitet und ihr dabei einen Vortrag gehalten hatte, nicht mit den falschen Typen herumzuhängen. Auch an diesem Abend zeigt er Marie, dass er immer noch ein Mann der alten Schule ist. Als ein paar Rowdies beim Verlassen der Bar ein paar böse Worte fallen lassen, erteilt er dem Anführer eine kurze Lektion in Disziplin. „Er möchte sich bei dir entschuldigen“, sagt er danach lakonisch zu Marie, bevor er sie, wie viele Jahre zuvor, nach Hause bringt. In den Tagen danach entwickelt sich eine zarte Freundschaft. Rührend kümmert sich Rocky um Marie, die nach einigen Tiefschlägen wieder in ihre alte, jetzt aber heruntergekommene Gegend zurückgezogen ist. Schon bald bietet er Marie einen Job bei „Adrian’s“ an, denn sein Lokal, gesteht er ihr, bräuchte unbedingt etwas Klasse. Und auch bei Maries Teenagersohn Steps (James Francis Kelly III) bricht er schnell das Eis, nimmt ihn mit ins Tierheim, wo ihn Steps beim Kauf eines Hundes beraten soll. Nicht unerwartet wählt der Junge die Jugend, doch Rocky vertraut dem Alter. So zieht Vierbeiner Punchy, ein zäher und loyaler Kerl wie er, in Rockys Leben ein.

Doch die größte Veränderung für Rocky Balboa kommt mit einer TV-Sendung, die Rockys Welt auf den Kopf stellt. In einer Computersimulation lässt man dort den amtierenden Weltmeister Mason „The Line“ Dixon (Antonio Tarver) gegen einen ehemaligen, gegen den „Italian Stallion“ antreten. Als eine Expertenrunde zum Ergebnis kommt, dass Rocky einen solchen Fight gewinnen würde, hat das ungeahnte Folgen. Obwohl Rocky Junior den Kopf schüttelt, motiviert die Sendung seinen Vater, wieder die Boxhandschuhe überzustreifen. Er will beweisen, dass wirklich noch Kraft steckt im alten Eisen, will wieder trainieren und sich in kleinen, lokalen Fights probieren. Doch Dixons Team hat Größeres mit ihm vor. Weil Dixon seine bisherigen Gegner ohne großen Widerstand von den Füßen holte, nie den Fighter mit Herz zeigen konnte, blieben ihm große Anerkennung und Popularität versagt. Das alles soll sich nun ändern – in einem Kampf gegen Rocky Balboa, einen echten Champ, der die Zuneigung der Fans auch Jahre nach dem Rücktritt nie verloren hat. Als Dixons Manager an Rocky herantreten, zögert der Ringveteran. Gerade erst wollte die Boxkommission ihm trotz bester Gesundheit die Lizenz verweigern, ließ sich erst im letzten Moment umstimmen. Und eigentlich ist der amtierende Weltmeister für ihn, den fast doppelt so alten Ex-Weltmeister, eine Nummer zu groß. Schließlich ist es Marie, die wie Adrian viele Jahre zuvor, für die Wende sorgt und Rocky ermutigt, wieder sich selbst zu vertrauen, auch für die Öffentlichkeit wieder der zu sein, der er immer war: der sympathische Underdog, der als Fighter den Großen das Fürchten lehrt. Auch wenn Dixon und die Presse von einem Schaukampf reden und dem Alter keine Chance geben, nimmt Rocky den Fight sehr ernst. Unterstützt von Paulie, absolviert er ein hartes Trainingsprogramm. Wie vor Jahren, als er noch ein Niemand war, läuft Rocky Kilometer um Kilometer durch die Straßen von Philadelphia, bearbeitet mit der Faust pendelnde Rinderhälften, um seine Schlagkraft zu optimieren. Schließlich wiederholt sich auch ein magischer Moment, der das Gestern mit dem Heute zusammenführt. Kraftvoll stürmt Rocky die Stufen zum Kunstmuseum hinauf, blickt schließlich von ganz oben glücklich auf die Stadt hinunter, der er es wieder einmal bewiesen hat. Rocky Balboa ist wieder da und bereit, noch einmal alles zu geben. Für Adrian, für seinen Sohn, für alle, die ihn lieben und nicht zuletzt auch für sich selbst. So ertönt schließlich der Gong für den letzten großen Kampf seines Lebens...

Schon fast nostalgisch verklärt präsentiert sich der neue „Rocky“-Streifen seinem Publikum. Diese Nostalgie wird geradezu durch die Machart von „Rocky Balboa“ untermauert, denn der Streifen lehnt sich doch sehr an die qualitativ besten Teile der Kinoserie „Rocky“ und „Rocky 2“ an. Sehr stark steht auch hier das Leben von Rocky Balboa im Vordergrund, aber auch sein Umgang mit seinem sozialen Umfeld, denn Rocky ist im Grunde genommen ein netter Kerl, der gerne anderen Menschen hilft die in Not sind oder diesen Menschen einfach nur eine Freude möchte. Auch hat der Streifen seine starken Momente in verbalen Auseinandersetzungen die Rocky beispielsweise mit einem Boxverband oder seinem Sohn führt. Er versteht es, für sich und seine Überzeugungen einzutreten, wodurch ein Wille generiert wird, der aus durch- und zusammenhalten besteht. Dies macht Rocky auch wesentlich glaubwürdiger für einen Boxkampf, der in Betracht auf das Alter von Sylvester Stallone bzw. seinem Pseudonym Rocky Balboa, eigentlich schon fast eine Farce darstellt. Durch „Rocky Balboa“ hat Sylvester Stallone die Kommerzialisierung der „Rocky“-Serie, die mit „Rocky 3“ begann gestoppt, und damit die recht platte Action und Oberflächlichkeit wieder durch einen Millieufilm ersetzt, der glaubwürdig schildert, warum „Rocky Balboa“ das Zeug zu einem Weltmeister schon immer in sich trug. Auch die guten Darsteller reihen sich in diese gelungene Verfilmung ein. So überzeugt nicht nur Stallone in seiner Rolle als naiv, schüchterner, aber auch als hilfreicher „Sozialpädagoge“ agierender Rocky, auch Burt Young in seiner Rolle als Pauli ist wieder dabei und darf auch hier wieder in seine Rolle als liebenswerter alter Zyniker verfallen. Nostalgiker werden sich an Tony Burton erinnern, der ebenfalls bereits seit dem ersten „Rocky“ dabei ist und als Duke, den ehemaligen Trainer von Apollo Creed mimte, bevor er „Rocky“ selbst trainierte.

Aber der Streifen hat auch seine Schwachpunkte. So ist z.B. ziemlich offensichtlich das das „Rocky“-Thema ausgedient hat und man eigentlich nicht viel mehr aus dem Stoff mehr rausholen kann ohne sich ständig zu wiederholen. Vermutlich war „Rocky Balboa“ auch an den Kassen so erfolgreich, weil schon seit 17 Jahren kein „Rocky“-Streifen mehr im Kino zu sehen war. Hinzukommt, dass trotz der guten und glaubhaften Darstellung von Sylvester Stallone es dem Zuschauer schwer fällt, die Motivation für solch einen Boxkampf zu glauben, denn „Rocky Balboa“ war Weltmeister und hat auch seinen Titel mehrfach verteidigt und sich somit unter Beweis gestellt. Er hat keine Rechnungen mehr offen und hat sich ein „Leben danach“ geschaffen.

Dennoch ist „Rocky Balboa“ als eine gelungene Widerbelebung der „Rocky“-Saga zu bezeichnen, denn er ist glaubwürdig, gut gespielt und stimmig und kann somit auch als gelungener Abschluss einer Saga bezeichnen, die sich fast 30 Jahre durch die Geschichte des Kinofilms gezogen hat.

[rk]