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München

(Munich; USA, 2005)

Der junge israelische Patriot und Geheimdienstoffizier Avner (Eric Bana) ist nach dem Massaker von München tieftraurig und geschockt, aber auch sehr zornig. Zornig vor allem darüber, mit welch brutaler Grausamkeit dort zu Werke gegangen wurde. Da wird Avner von einem Mossad-Offizier namens Ephraim (Geoffrey Rush) angesprochen und mit einer - bis dahin in der Geschichte Israels noch niemals da gewesenen – Mission betraut: Avner soll seine schwangere Frau verlassen, seine Identität aufgeben und vollständig in den Untergrund abtauchen, um auf dieser Mission die elf Männer, die vom israelischen Geheimdienst für die Morde in München verantwortlich gemacht werden, aufzuspüren und zu töten. Obwohl er noch jung und unerfahren ist, wird Avner schon bald zum Anführer einer sehr gemischten, doch hochqualifizierten Rekruten-Truppe aus vier weiteren Mitgliedern: der barsche, knallharte, aus Südafrika stammende Fluchtwagen-Fahrer Steve (Daniel Craig); der deutsche Jude Hans (Hanns Zischler), der als Fälscher großes Talent hat; der belgische ehemalige Spielzeugmacher Robert (Mathieu Kassovitz), der zum Sprengstoffexperten geworden ist; und der ruhige und methodische Carl (Ciaran Hinds), dessen Job es ist, hinter den anderen “aufzuräumen”. Von Genf über Frankfurt, Rom, Paris, Zypern, London und Beirut reisen Avner und sein Team unter absoluter Geheimhaltung; nach und nach spüren sie jeden einzelnen dieser Männer auf der geheimen Liste der Zielpersonen auf und führen hochkomplizierte Mordanschläge aus. Sie arbeiten außerhalb der Legalität, haben keinerlei Verbindung zu ihrer Heimat oder ihren Familien – die einzigen Bande, die sie knüpfen, sind die Beziehungen untereinander. Doch auch diese beginnen langsam zu bröckeln, als die Männer die brennenden Fragen zu diskutieren beginnen, über die man einfach nicht schweigen kann: “Wen genau bringen wir da um? Ist das gerechtfertigt? Wird das den Terror beenden?” Zerrissen zwischen ihrem Wunsch nach Gerechtigkeit und ihren eigenen wachsenden Zweifeln, nagt die Mission allmählich an den Seelen von Avner und seinem Team – und es wird zunehmend deutlich, dass je länger sie sich auf dieser Jagd befinden, desto größer die Gefahr wird, selbst zum Gejagten zu werden.

Bei Steven Spielbergs neustem Streifen werden die Konturen zwischen Spielfilm und Dokumentation, sowie Realität und Fiktion gekonnt verwischt. Steven Spielberg möchte mit „München“ bestimmt nicht polarisieren, sondern wohl vielmehr zum nachdenken anregen und auch die Schuldfrage aus der Terrorismusproblematik herausnehmen. In dem er recht objektiv die damaligen Geschehnisse schildert zeigt er auch das Gewalt stets Gegengewalt erzeugt und das man um einen Dialog wohl kaum herumkommt, wenn man gegen Terror etwas zu tun gedenkt. Interessant sind auch die psychologischen Momente im Film. Zuerst einmal sind die Charaktere der beauftragten Mossad-Gruppe von ihrem Persönlichkeitsprofil recht unterschiedlich was im Verlauf des Films immer wieder zu Spannungen führt. Zum anderen verändern sie sich auch, was hauptsächlich an der von ihnen ausgeführten Gewalt liegt. Einige werden quasi zu anderen Menschen und beginnen sich zu fragen weshalb sie das Ganze überhaupt (noch) machen. Das merkt man am besten sogar gegen Ende des Films, als Avner kaum noch in der Lage ist in das frühere Leben seiner Familie zurückzukehren, obwohl dies sein größter Wunsch ist. Spielberg sind dabei die derzeitigen politischen konservativen Bestrebungen in den USA ziemlich egal, welche auch langsam beginnen Hollywood unter Druck zu setzen, um mehr Filme der von ihnen gewünschten political correctness zu produzieren. Vielmehr hat der Filmemacher sogar dazu aufgerufen mutiger zu sein und nicht nur Filme zu machen, die in ihrer Aussage der momentanen US-Regierung genehm sind.

Auch der Kameramann Janusz Kaminski hat in dem Film wieder ganze Arbeit geleistet. So hat er in dem Streifen auffallend mit Linsen, Filtern und Farben jongliert und jedem Ort an dem gespielt wird eine andere Farbe verfasst, so dass Ortwechsel und Stimmung dadurch beeinflusst werden. Auch der Dokumentarcharakter wurde dadurch untermauert.

Auch sollte man sich von der doch recht heftig dargestellten Brutalität nicht zurückschrecken lassen, denn Spielberg benutzt diese harten Szenen, ähnlich schon wie in „Der Soldat James Ryan“, um seine Szenen in ihrer Symbolik nochmals zu verstärken. Dieser Effekt wird weiterhin verstärkt durch die Tatsache, dass die ersten palästinensischen Opfer als freundlich und offen dargestellt werden, so dass man sich eigentlich gar nicht vorstellen kann, dass sie der Planungsriege des „Schwarzen Septembers“ angehörten.

Abschließend muss man jedoch auch sagen, dass der Film wohl kaum massentauglich ist, da er dazu zu politisch-historisch ist und dadurch nicht jeden Geschmack treffen dürfte. Wenn man sich jedoch etwas für die politischen Zusammenhänge dieser Thematik interessiert und sich auch ein wenig mit dem Terrorismus beschäftigt, wird bestimmt an dem Streifen seinen gefallen finden. Bezeichnend ist zudem noch die Schlussszene des Films, als der Mossad-Agent Ephraim versucht, den desillusionierten Avner dazu zu überreden, wieder mit seiner Familie nach Israel zu übersiedeln. Das Gespräch findet in New York statt und nachdem die Kamera die beiden Darsteller langsam verlässt und in die Panoramaansicht schwenkt kann man ein berühmt gewordenes Zwillingsgebäude erkennen, das World-Trade-Center. Wohl ein Symbol dafür, dass Terror und Terrorbekämpfung sich zu damals kaum verändert hat und das Gewalt immer noch Gegengewalt erzeugt und somit immer noch Gegenwärtig ist.

[rk]