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Elizabethtown

(Elizabethtown; USA, 2005)

Für Drew Baylor (Orlando Bloom) scheint es der schwärzeste Tag seines Lebens zu sein: Als Designer eines bislang florierenden Schuhunternehmens hat er gerade rund 970 Millionen Dollar in den Sand gesetzt. „Dieser Schuh könnte eine ganze Generation dazu bewegen, wieder barfuß zu gehen!“ Das Urteil von Geschäftsführer Phil (Alec Baldwin) ist vernichtend, denn Drew wird gefeuert. Von seinem Versagen maßlos enttäuscht, wird Drew auch noch von seiner Freundin Ellen (Jessica Biel) verlassen. Dieser Tag ist wohl gelaufen. Drew sieht nur eine Möglichkeit; sich das Leben zu nehmen. Noch während er umständlich seinen Selbstmord mit Hilfe seines Hometrainers arrangiert, klingelt das Telefon. Drews Schwester Heather (Judy Greer) ist am Apparat um ihm mitzuteilen, dass der Vater gestorben ist. Um dessen letzten Willen zu erfüllen und die Beerdigung zu organisieren, muss Drew zurück nach Hause, nach Elizabethtown, eine kleine verschlafene Südstaaten-Stadt irgendwo in Kentucky. So beschließt er, seinen Selbstmord zu verschieben. Doch schon im Flugzeug wird alles anders. Er ist der einzige Fluggast und die hübsche und auffällig fröhliche Stewardess Claire Colburn (Kirsten Dunst) sieht es als ihre Mission an, den trübsinnigen Drew aufzuheitern. Und tatsächlich funktioniert ihre Taktik. Die beiden spüren eine gewisse Seelenverwandtschaft und verstehen sich trotz ihrer unterschiedlichen Lebensauffassungen hervorragend. Mittlerweile ist Drew in Elizabethtown angekommen, wo ihn die in seinen Augen verrückte Verwandtschaft empfängt. Auch seine Mutter Hollie (Susan Sarandon) ist eingetroffen. Hier in Kentucky muss sich Drew seiner eigenen Kindheit stellen. Ihm wird bewusst, dass er einige Familien-Traumata aufarbeiten muss, und dass das Rad der Geschichte nicht mehr zurück zu drehen ist. Er hätte sich zu Lebzeiten mehr um seinen Vater kümmern sollen, sie waren sich nie wirklich nahe gekommen. Als Drew einige Tage später Claire anruft, wird ihm auf einmal klar, dass da mehr als Sympathie zwischen den beiden besteht. Sie treffen sich und beschließen, es miteinander zu versuchen. Doch erst muss Drew von seinem Vater Abschied nehmen. Mit seiner Urne macht er sich auf einen Roadtrip, an die Stätten, die er gerne mit seinem Vater besucht hätte. Dass dabei die Musik eine große Rolle spielt, versteht sich bei einem Film, den Cameron Crowe inszeniert hat, von selbst.

Bereits im Vorfeld der Dreharbeiten zu „Elizabethtown“ hat es einiges an Ärger gegeben. Cameron Crowe hatte bei dem Schreiben des Drehbuchs Orlando Bloom in der Rolle des Drew Baylor fest vor Augen. Bloom musste dem Regisseur jedoch eine Absage erteilen, weil er zur gleichen Zeit mit den Dreharbeiten zu „Königreich der Himmel“ beschäftigt war. Also entschloss sich Crowe den „Punked“-Macher Ashton Kutcher für die Rolle zu engagieren. Allerdings war Crowe von den Leistungen Kutchers überhaupt nicht begeistert, so dass er sich entschloss, extra wegen Orlando Bloom die Dreharbeiten um ein halbes Jahr zu verschieben. Dem getesteten Demi Moore-Gespielen Kutcher wurde kurzerhand eine Absage zu erteilt.

Leider ist „Elizabethtown“ nicht richtig gut geworden. Zwar punktet der Streifen mit dem typischen Erzählstil von Crowe, d.h. das die teilweise sehr persönlichen Gedanken der Hauptdarsteller ausgesprochen und in die Story eingewoben werden. Was jedoch bei „Almost Famous“ gut gelungen ist, wirkt sich bei „Elizabethtown“ kaum aus, weil die Handlung weniger Überraschung und Inhalt bietet, wie es z.B. bei „Almost Famous“ der Fall war. Mitunter wirkt der Streifen an einigen Stellen auch etwas in Länge gezogen. Witzige und gekonnte Momente, wie z.B. die Anfangsszene, in der Drew Baylor einem Schafottgang gleich, seine berufliche Niederlage vor seinem Chef eingestehen muss, sind leider selten so durchschlagend skurril und unterhaltsam wie an dieser Stelle. Hinzukommt, dass Kirsten Dunst fehlbesetzt erscheint, da man ihr die nette und freundliche „Therapeutin“ des Drew Baylor nicht so recht abnehmen mag. Jessica Biehl, die in dem Streifen die Nebenrolle der Ellen, also die Firmengeliebte von Baylor spielt, hätte meiner Ansicht nach besser die weibliche Hauptrolle ausfüllen können. Sie hat zwar für die Rolle von Kirsten Dunst vorgesprochen, wurde von Crowe jedoch „nur“ für die kleine Rolle der Ellen besetzt.

Cameron Crowe Fans dürften von dem Streifen jedoch weniger enttäuscht werden, weil die für Crowe typischen vielen kleinen Geschichten, um den Hauptdarsteller herum vorhanden sind. Man wird von Crowe quasi immer in die kleine Welt des Protagonisten entführt, was auch bei „Elizabethtown“ funktioniert. Was jedoch wieder, quasi in so ziemlich allen Cameron Crowe-Filmen funktioniert, ist die schon nahezu perfekte Musikuntermalung an den entscheidenden Momenten des Films. Vielfach werden so einige Szenen regelrecht aufgewertet.

Liebhaber von Cameron Crowe-Filmen werden sicherlich auch von „Elizabethtown“ nicht enttäuscht werden. Jedoch hat die Story leider nicht die Substanz wie die meisten Streifen des bekannten Regisseurs, so dass Gelegenheitsschauer bzw. Blindkäufer von DVDs enttäuscht werden könnten. Daher ist vorher ein Gang in die örtliche Videothek anzuraten.

[rk]