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L.A. Crash
(Crash; USA/D, 2004)
Ein junger Mann liegt tot im Gebüsch am Straßenrand, ein Schwarzer. Detective Graham Waters (Don Cheadle) nimmt mit seiner Partnerin Ria (Jennifer Esposito) die Ermittlungen auf. Noch weiß er nicht, dass der Fall auch sein Privatleben erschüttern wird. 36 Stunden zuvor: Zwei junge Schwarze, Anthony (Chris „Ludacris“ Bridges) und Peter (Larenz Tate) überfallen ein weißes Ehepaar, Staatsanwalt Rick Cabot (Brendan Fraser) und seine Frau Jean (Sandra Bullock), mit vorgehaltener Waffe auf offener Straße. Die Frage nach einer angemessenen Reaktion wird für Rick und sein Anwalts-Team zum Spießrutenlauf. Den Carjackern auf der Spur treffen Officer John Ryan (Matt Dillion) und sein Partner Thomas Hanson (Ryan Phillippe) auf Christine Thayer (Thandie Newton) und ihren Ehemann Cameron (Terrence Dashon Howard). Sie sind schwarz, ihr Auto sieht dem des Staatsanwalts zum Verwechseln ähnlich – und Christine einfach zu gut aus, um sie ungeschoren davon kommen zu lassen. Keinen leichten Tag hat auch der iranische Ladenbesitzer Farhad (Shoun Toub). Zunächst macht ihm ein Waffenverkäufer Schwierigkeiten, als er sich zum Selbstschutz einen Colt kaufen möchte. Dann gibt es Probleme, als Daniel (Michael Pena) das defekte Türschloss seines Ladens auswechseln soll. Als Farhad kurz darauf auch noch ausgeraubt wird, sieht er rot. 36 Stunden in LA. 36 Stunden, in denen sich die Wege dieser Personen nicht nur ein Mal kreuzen werden.
„L.A. Crash“ kann man als ein Kind des lange verkannten Allroundtalents Paul Haggis bezeichnen. Paul, der schon seit längerer Zeit überwiegend als Drehbuchautor in Hollywood tätig war, wurde erst letztes Jahr mit seinem Drehbuch zu dem Clint Eastwood-Hit „Million Dollar Baby“ so richtig bekannt. Für sein mit Stars geradezu gespicktes Drama „L.A. Crash“ übernahm er nicht nur die Regie, Produktion und das Drehbuch, sondern er ließ es sich auch nicht nehmen, einen Song zu „seinem“ Film beizusteuern.
„L.A. Crash“ ist ein Episodenfilm und bietet in seiner Rahmenhandlung kleine Alltagsgeschichten von Menschen in Los Angeles , die unterschiedlicher Herkunft sind, unterschiedliche Einstellungen zum Leben und verschiedene Berufe haben. Diese Menschen werden innerhalb des kurzen Zeitraums von 36 Stunden mit den unterschiedlichen Facetten von Rassismus konfrontiert. Interessant ist hierbei, wie vielschichtig und realistisch Paul Haggis den versteckten und offenen Rassismus präsentiert. Vielfach fühlt man sich an Erfahrungen erinnert, die ein jeder auf die eine oder andere Weise schon einmal selbst erlebt hat. Verstärkt wird dieser filmische Realismus durch die Ausschaltung des beliebten Stilmittels Hollywoods von „Gut“ und „Böse“. Wie in der Realität, verwischen sich auch in diesem kleinen Meisterwerk die Grenzen von „Gut“ und „Böse“, so dass man häufig von den Storywendungen und den Verhaltensänderungen der Charaktere überrascht wird.
Somit verliert der Film jedoch auch seinen kommerziellen Anspruch und ist von seiner Machart mehr als ein anspruchsvolles Drama zu verstehen. Dennoch kann der Streifen auch sehr gut unterhalten, da die vielen Hollywooddarsteller ihre Rollen hervorragend in Szene setzen. Die tiefsinnigen, vielschichtigen und verflechteten kleinen Geschichten bauen auch eine ständige Spannung auf, so dass Langeweile eigentlich gar nicht aufkommen kann.
„L.A. Crash“ ist ein filmisches Highlight des bisherigen Kinojahres und kann auch sehr gut als Aufklärungsfilm für das Thema „Rassismus“ benutzt werden, denn selten ist eine „Belehrung“ auch so interessant erzählt worden. Einen Kinobesuch ist der Streifen allemal wert. [rk]
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