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Königreich der Himmel
(Kingdom of Heaven; USA, 2005)
Nach 5 Jahren, in denen etliche Historien-Epen in den Kinos gelaufen und die alle mehr oder weniger gut nur im Kielwasser von "Gladiator" geschwommen sind, liefert Ridley Scott, der damals ein ganzes Genre wiederbelebt hat mit "Königreich der Himmel" selbst ein weiteres pompöses Schlachtengemälde und untermauert somit seinen Ruf als der Regisseur des neuen epischen Kinos und Erbe bedeutender Vorgänger wie David Lean, John Ford oder Anthony Mann.
Um es gleich vorweg zu sagen, sein Kreuzritter-Spektakel ist ein großartiger Film geworden, wesentlich besser als die meisten der "Gladiator"-Folgefilme zusammen, jedoch läßt sich aber auch eindeutig sagen, dass sich Ridley Scott in keinster Weise selbst übertroffen hat. Auf filmästhetischer Ebene gelingt dem stets visionären Regisseur zusammen mit seinem "Gladiator"-Kameramann John Mathieson erneut ein gleichermaßen wuchtiger, athmosphärischer und sinnlicher Augenschmaus. Die visuelle Handschrift des Ästheten Scott ist wie in allen seinen Filmen unverkennbar und reizvoll anzusehen. Nicht ganz auf höchstem Niveau ist "Königreich der Himmel" jedoch was Story und Charakterentwicklung angeht. Dieses Fundament des Films ist zwar ein starkes das auch sinnvoll bis zum Ende standhält und durchgezogen wird, jedoch hier und dort etliche nicht ganz schlüssige Brüche und vorallem Lücken aufweist. Die Handlung springt oft viel zu schnell bzw. man hat den Eindruck sie überspringt einige wichtige Passagen. Darunter leiden auch die Charaktere, die alle großartig angelegt sind, jedoch was ihre Handlungen betrifft oft nicht richtig ausgebaut werden. Um es kurz zu sagen: obwohl knapp 150 Minuten lang, genügen diese nicht, das vorhandene Material voll und ganz auszuschöpfen. Was die Schauspieler betrifft, kann man in den meisten Fällen weder von einer Fehl- noch von einer Idealbesetzung reden. Der zu junge Orlando Bloom in seiner ersten richtigen Hauptrolle als Held wider Willen schlägt sich zwar wacker, hinterläßt aber keinen bleibenden Eindruck, wie auch Eva Green, die in Berloluccis "Die Träumer" besser glänzen konnte. Die Charaktere von Jeremy Irons und David Thewlis kommen nicht richtig zum Zug, Brendan Gleeson (der in jedem zweiten großen Historienfilm zu sehen ist) spielt eine zu ähnliche Rolle wie in "Troja" und Liam Neeson eigentlich die gleiche Vater/Mentor-Rolle wie in "Gangs of New York". Einziges herausragendes schauspielerisches Glanzlicht ist Edward Norton als lebrakranker, an der Schwelle zum Tod stehender Christen-König. Es ist schon äusserst innovativ und effektiv, den wohl besten Schauspieler seiner Generation, der sonst immer mit seiner mimischen Vielfalt überzeugt, hinter einer die Krankheit-verdeckende eisernen Maske zu verstecken. Das Gesicht ist nicht zu sehen, und trotzdem geht von Edward Norton eine impossante, der Macht seines Filmcharakters entsprechende, denkwürdige Leinwandpräsenz aus.
Auf musikalischer Ebene, die bei allen Ridley Scott-Filmen immer eine bedeutende Rolle spielt, setzt er diesmal nicht wie sonst bei den meisten seiner Filme auf Hans Zimmer, sondern auf Harry Gregson-Williams, dessen Musik zwar passend ist, allerdings nicht so prägnant und erinnerungswürdig wie die großen Scores von bsp. "Lawrence von Arabien", "Spartacus" oder eben auch "Gladiator" ist. An einigen Stellen entnimmt Scott sogar Musik-Themen aus "The Crow" von Graeme Revell und aus Jerry Goldsmiths Musik von "Der 13. Krieger", die zwar nicht falsch eingesetzt, aber eben nicht neu ist. Und was die politische Aussage bzw. Diskussion um den Film betrifft, die angesichts derzeitiger Ereignisse zweifellos behandelt werden sollte, ist wie bei "Black Hawk down" nichts voll und ganz eindeutig abzulesen, wie es nunmal einem Filmemacher wie Ridley Scott entspricht. Das darf dann wieder jeder für sich selbst entscheiden. Eine großartige Einstellung jedoch beispielsweise, die zweifellos die ganze Sinnlosigkeit dieses Unterfangens visuell aus der Vogelperspektive veranschaulicht ist, wenn an der zerstörten Mauer von Jerusalem beide Gegner in so dichten Massen aufeinander prallen, dass es keinen Fortschritt mehr gibt und sie in sich selbst zu erstarren scheinen. Und falls überhaupt eine Aussage des Films eindeutig ist, dann die dem Ende entsprechende, nämlich dass wahres Glück und Zufriedenheit zu aller erst im kleinen Kreis auf sinnvoller Basis funktionieren muss. [mb]
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