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Evil

(Ondskan; S, 2003)

„Evil“ spielt im Schweden der fünfziger Jahre. Der rebellische 16-jährige Erik (Andreas Wilson) wird von seiner Mutter - nach einer Schlägerei zuviel - auf das private Elite-Internat Stjärnsberg geschickt und erhält hier seine letzte Chance auf einen Schulabschluss. Hinter der feinen Fassade offenbart sich allerdings ein unmenschliches System von Demütigung und Unterdrückung, ausgeübt von den älteren Schülern gegenüber den Jüngeren. Wie lange kann Erik dies alles ertragen? Er ist seinen Mitschülern im Faustkampf weit überlegen, aber wenn er zurückschlägt, fliegt er von der Schule…

„Evil“, eine Autobiographie von Bestsellerautor Jan Guillou, wurde zum größten kommerziellen Kino-Erfolg der letzten Jahrzehnte in den drei skandinavischen Ländern. Allein in Schweden mit einer Einwohnerzahl von 8 Millionen sahen mehr als 1 Million den Film. „Evil“ wurde zudem 2004 für den OSCAR als Bester fremdsprachiger Film nominiert. Für Regisseur Mikael Håfström war infolgedessen „Evil“ auch der internationale Durchbruch. Seine nächsten zwei Filme realisiert er für die renommierte Produktionsfirma Miramax. Hauptdarsteller Andreas Wilson wurde aufgrund seiner darstellerischen Leistung, die sogar mit der des jungen Marlon Brando verglichen wurde, vom schwedischen Mitglied der European Film Promotion, dem Schwedischen Film Institut, zum European Shooting Star 2004 gewählt.

Die schwedische Produktion „Evil“ war zu Recht im Jahr 2004 für den Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert, denn mit dem Streifen gelang Regisseur Mikael Håfström eine spannende und reife Verfilmung über Gewalt, Liebe, Tradition und Jugend. Gerade in der heutigen Zeit, in der die Diskussion über Gewalt in Schulen und deren Ursachen wieder einen hohen Stellenwert haben, ist „Evil“ ein interessanter Beitrag der zum Nachdenken anregt. Auch die Intention des Regisseurs das Gewalt nur Gegengewalt erzeugt und das gewalttätige Eltern meist gewalttätigen Kindern vorausgehen, wird hier gut geschildert und dargestellt. Somit kann man „Evil“ sogar als einen pädagogischen Beitrag zu dem Thema „Gewalt“ und „Gewalt im Elternhaus“, sowie deren Folgen umschreiben. Hauptdarsteller Andreas Wilson überzeugt dabei als junger Rebell, der geläutert wird und dennoch seinen Weg im Leben findet. Aber auch die restlichen Darsteller können überzeugen, wie z.B. Henrik Lundström, der mit dem Charakter des Pierre Tanguy den besten Freund des Protagonisten mimt. Jedoch ist das Modell in die heutige Zeit auch nur teilweise übertragbar, da die Probleme für „Gewalt in Schulen“ meist nicht mehr im restriktiven Umfeld des Schülers zu suchen sind, sondern vielmehr in gesellschaftlichen Orientierungen, in denen die Jugend anscheinend immer weniger Platz zu haben scheint. Eine hohe Jugendarbeits- und die damit einhergehende Perspektivlosigkeit, familiale Verhältnisse die heutzutage oft gesplittet sind und die meist daraus resultierende „Verwahrlosung“ der elterlichen Erziehungspflichten und die fehlenden Freizeitmöglichkeiten für Jugendliche, sind nur einige Faktoren die von der heutigen Gesellschaft und ihrer Politik gerne übergangen werden.

Mit „Evil“ gelang ein sehr berührender und spannender Film und ist europäisches Kino auf hohem Niveau über eine damals zu Recht rebellische Jugend. Wer einfühlsame, aber auch realistisch-aufklärende Dramen mag, wird an „Evil“ nicht vorbeikommen und sich im Verlauf des Films durchaus mit einer allgegenwärtigen und stets aktuellen Frage konfrontiert sehen. Wer oder was ist eigentlich böse?

[rk]