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Welcome to the Jungle
(The Rundown; USA, 2003)
Wiederbeschaffungsexperte. So bezeichnet Beck (The Rock) selbst sein Betätigungsfeld. Oder anders gesagt: Beck ist Kopfgeldjäger und Geldeintreiber in Diensten des Unterweltchefs Walker (William Lucking). Und Beck ist der Beste in seinem Fach, der Herrscher im Großstadtdschungel Los Angeles, dem keiner etwas vormachen kann, auch wenn er auf den ersten Blick nicht so aussieht. Bei ihm gibt es nur zwei Optionen. Option A: Man kommt seinen Bitten freiwillig nach. Oder Option B: Beck hilft nach. Auch wenn es ihm selbst innerlich mehr Schmerzen bereiten mag, als der armen Seele, die Bekanntschaft mit Becks Pranken machen muss. In einem angesagten Edelclub muss ein arroganter Footballstar, der es mit seinen Schuldenabzahlungen nicht allzu ernst nimmt, lernen, was es bedeutet, wenn Beck gezwungen wird, zu Option B zu greifen. Weil der Footballer einen wertvollen Ring nicht abgeben will, bekommen erst einmal die Bodyguards des Stars, selbst mit allen Wassern gewaschene und Muskel bepackte Football-Brecher, die Entschlossenheit von Beck zu spüren. Dann kriegt der Star sein Fett ab und wird von Beck durch den Club geprügelt. Mit dem Ring in seinem Besitz bahnt sich Beck den Weg nach draußen. Dort erwartet ihn eine Überraschung, als er von einem verdeckt abgefeuerten Betäubungsgeschoss getroffen und niedergestreckt wird. Der Angreifer nimmt sich den Ring des Footballers und liefert ihn dann an Becks Stelle an Walker ab. Walker ist Pragmatiker: Er hatte befürchtet, dass Beck es womöglich nicht schaffen könnte und hat deshalb einen Mann zur Absicherung geschickt. Denn tatsächlich hat auch Beck Schulden bei Walker. Seine Betätigung als Wiederbeschaffungsexperte ist sein Weg, die Schulden abzuarbeiten. Wenn es endlich soweit ist, will er der Gewalt den Rücken kehren und sich seinen Wunschtraum erfüllen, ein kleines aber feines Restaurant zu eröffnen. Tatsächlich ist die Zeit bald gekommen. Mit seinem Boss einigt sich der müde Kopfgeldjäger auf einen letzten Auftrag – den schwierigsten seiner Laufbahn. Im Amazonasdschungel von Brasilien soll er in einem winzigen Kaff namens El Dorado einen Mann aufstöbern und nach Amerika zurückbringen: Walkers eigenen Sohn Travis (Seann William Scott).
Kurz darauf befindet sich Beck bereits an Bord eines abgetakelten zweimotorigen Flugzeugs, das von dem verrückten Schotten Declan (Ewen Bremner) durch endlose Schluchten mitten durch den Dschungel gesteuert wird. So recht wohl will sich Beck bei dem wackeligen Flug nicht fühlen, doch die Aussicht auf sein Restaurant lässt ihn die Zähne zusammenbeißen. Tatsächlich gelingt die Landung in der Nähe von El Dorado. Dort soll Beck den Amerikaner Hatcher (Christopher Walken) aufsuchen. Dieser kam während des brasilianischen Goldrauschs in den 80er Jahren in den Dschungel und hat in dem kleinen Dorf – ein von Spaßvögeln verfremdetes Ortsschild weist es als „Helldorado“ aus – eine Schreckensherrschaft aufgebaut. Mit Hilfe seines skrupellosen Bruders und einer Handvoll zu allem entschlossener Söldner hat Hatcher die bettelarmen und dahinvegetierenden Einheimischen versklavt: In endlosen Schichten müssen sie in einer gewaltigen Mine Gold schürfen. Mitleid kennt Hatcher nicht. In Helldorado geschieht nichts ohne seine Erlaubnis. Das ist auch der Grund, warum Beck ihn aufsucht. Schnell kommen die beiden ins Geschäft: Für ein Entgelt von 10.000 Dollar gibt Hatcher dem Gast aus Kalifornien grünes Licht, Travis mit in die Vereinigten Staaten zu nehmen, und verspricht, Beck nicht dabei zu behindern. In einer nahe gelegenen, wenig einladenden Kneipe versucht ausgerechnet dieser Travis, seine ehemalige Freundin Mariana (Rosario Dawson) zu überreden, ihm bei der Suche nach der Gatto Diablo, einer sagenumwobenen, wertvollen Statue, zu helfen. Für den Amateur-Indiana-Jones hängt alles von dem Fund ab: Er will sich damit einerseits beweisen und einen Namen als bedeutsamer Archäologe machen, andererseits benötigt er den mit der „Teufelskatze“ verbundenen Reichtum, um sich endgültig von seinem Vater abnabeln und seines Einflusses entziehen zu können. Nur widerwillig erklärt sich Mariana, eine Eingeborene mit starker Bindung zu ihrem Volk und dessen Traditionen, bereit, Travis ihr Boot zu Verfügung zu stellen. Die Gatto Diablo ist ein wichtiges Relikt der Amazonas-Indianer, ein Symbol für ihre Unabhängigkeit und Freiheit. Weil Travis insistiert und behauptet, er wisse genau, wo sich die verschollene Statue verborgen sei, macht sie mit. Im nächsten Moment sieht es allerdings so aus, als würde Travis das Boot nicht mehr brauchen. Beck hat die Kneipe betreten und Travis sofort erkannt. Wie gewohnt, bietet der Headhunter ihm die Optionen A und B an. Travis will sich für C entscheiden und fängt sich dafür gleich ein paar Backpfeifen ein. Das Duell der beiden wird allerdings von Hatcher und dessen Männern unterbrochen. Unmissverständlich stellt Hatcher klar, dass er Beck belogen habe: Er hat aufgeschnappt, dass Travis weiß, wo sich die Gatto Diablo befindet und will den Schatz nur für sich selbst. Beck kann Hatchers Verrat nicht akzeptieren. Und schon ist eine wilde Keilerei im Gange, in deren Verlauf Beck die Angst einflößenden Männer des Mini-Despoten ausschaltet. Mit Travis flieht er in einem Jeep in Richtung Flugzeug-Rollfeld, um in Declans klappriger Maschine so schnell wie möglich Helldorado hinter sich zu lassen. Doch diesmal macht ihm Travis einen Strich durch die Rechnung, der nicht im entferntesten gewillt ist, die Gatto Diablo zurück zu lassen und zu seinem Vater zurück zu kehren. Wagemutig greift er Beck ins Steuer und steuert den Jeep über eine Klippe einen steilen Abhang hinab. Die beiden Männer werden aus dem Jeep geschleudert, purzeln den Berg und schließlich einen Abhang hinunter in einen Tümpel – und haben Glück, dass sie darin nicht vom abstürzenden Wagen erschlagen werden. Travis versucht die Flucht, wird aber schnell wieder von Beck geschnappt, dessen Geduldsfaden mittlerweile gerissen ist. Während Hatcher und seine Schergen von El Dorado aus die Verfolgung aufnehmen, kämpft sich das ungleiche Paar Beck und Travis durch den dichten Regenwald. Eines steht fest: Einander ausstehen können sie nicht. Als Beck bei einer von Travis erzwungenen Pinkelpause versehentlich in eine Falle tritt und von einer Schlinge an den Füßen vom Boden gerissen wird, hat zu seiner eigenen Überraschung Travis die Oberhand. Mit den aus Becks Hosentasche gefallenen Schlüsseln befreit er sich von seinen Handschellen und macht keinerlei Anstalten, dem hilflos herumbaumelnden Beck zu helfen ... bis er selbst in eine Schlinge tritt und kurz darauf hilflos neben dem Kopfgeldjäger hängt. Und als wäre die Situation nicht schon schlimm genug, werden die beiden auch noch von einer Horde Affen attackiert. Erst als Schüsse fallen, flüchten die Quälgeister. Und Beck und Travis geraten vom Regen in die Traufe, denn jetzt stehen sie plötzlich zu allem entschlossenen Rebellen gegenüber. Der des Brasilianisch mächtige Travis soll vermitteln und macht natürlich das genaue Gegenteil. Beck ahnt nicht, dass Travis ihn bei den Rebellen anschwärzt und behauptet, er würde gemeinsame Sache mit Hatcher machen – und muss schon bald darauf in deren versteckten Camp an einem Fluss ein Duell gegen die Männer um den quirligen Manito (Ernie Rexes jr.) ausfechten, welches er nur knapp für sich entscheiden kann. Am Abend erwartet Beck und Travis eine Überraschung, als sich ein Motorboot dem Camp nähert: Mariana ist die Anführerin der Rebellen und klärt sämtliche Missverständnisse auf. Schnell erkennen die Einheimischen in Beck einen Gleichgesinnten und schließen Freundschaft.
Doch ihre gemeinsame Feier nimmt ein jähes Ende, als Hatcher und seine Männer auftauchen und das gesamte Camp niedermähen. Mariana, Beck und Travis gelingt die Flucht im Motorboot. Nach endlosen Streits darüber, wohin die Reise gehen soll, überredet Travis die beiden anderen, ihm bei der Schatzsuche nach dem Gatto Diablo zu begleiten. Tatsächlich finden sie das bestens abgesicherte Relikt in einer Höhle hinter einem Wasserfall und können es unbeschadet in ihren Besitz bringen. Als Mariana den Jungs am Lagerfeuer eine verführerisch köstliche Frucht zum Essen anbietet, ahnen Beck und Travis nicht, dass diese zunächst eine psychedelische und dann eine lähmende Wirkung hat. Auf diese Weise außer Gefecht gesetzt, müssen sie mit ansehen, wie Mariana sich die goldene Statue schnappt, um sie zu ihren Leuten zu bringen. Als Beck und Travis wieder zu sich kommen, das Dorf erreichen und feststellen müssen, dass Mariana unterwegs von Hatcher gefangen genommen wurde, sind sich erstmals einig: Dafür muss Hatcher zahlen. Und gemeinsam machen sie sich daran, in dem Höllenloch endlich einmal richtig aufzuräumen ...
„Welcome to the Jungle“ bietet dem ambitionierten Actionfan Licht- und Schattenseiten. So kann der Streifen durchaus durch seine augenscheinliche Coolness punkten, die gerade durch den wortgewandten Wrestler The Rock alias Dwayne Johnson getragen wird. Zu Hilfe kommt ihm dabei seine ehemalige Rolle als Gastmoderator bei der beliebten amerikanischen Comedyserie “Saturday Night Live”, wo er bereits hinreichend Erfahrungen mit Satire und martialischen Aussagen sammeln konnte. Seine Sprüche, gepaart mit exzellent choreographierten Actionsequenzen, erinnern an Streifen wie z.B. „Lethal Weapon“ und werden Fans dieser Sorte von Actionkomödien sicherlich unterhalten. Zur Seite gestellt bekommt er den als Spassvogel agierenden Seann William Scott, dem man die ernsten Momente seiner Rolle nicht so recht abnehmen kann, da er quasi dumme Sprüche am laufenden Band produziert. Mit einem diabolischen Charisma ist hingegen Darstellerveteran Christopher Walken ausgestattet, der seine Rolle als Bösewicht mal wieder mehr als gerecht wird und es dabei locker vermag, die restlichen Darsteller an die Wand zu spielen. Fans des Schauspielers kommen hier sicherlich auf ihre Kosten.
Leider wirkt der Streifen aber auch überdreht und überladen was überwiegend die Choreographie und die Actionsequenzen betrifft. Phasenweise fühlt man sich in Scheinwelten ala „Matrix“ oder ähnlich überdrehten Filmen wie „2 fast 2 Furious“ zurückversetzt und Befürworter solider Action könnten sich an bestimmten Stellen der Verfilmung fragen, wie The Rock oder Seann William Scott manche Kampf oder Actionsequenzen überlebt, bzw. nur kleine Kratzer abbekommen haben. Somit nagt auch an „Welcome to the Jungle“ der momentane Zeitgeist, auf Kosten der Realität viele Szenen überdreht und überladen darzustellen, so dass der Streifen schon fast an einen Comic erinnert.
Für das Auge des Landschaftsbetrachters bekommt man hingegen so einiges geboten. Der Regisseur hat sich wohl viel Zeit für die richtigen Locations genommen, denn man hat wohl nur äußerst selten in einem Film so herrliche Aufnahmen des Amazonasgebietes gesehen. Das man dies in einem doch recht anspruchslosen Actionfilm zu sehen bekommt verwundert obendrein.
„Welcome to the Jungle“ kann letztendlich lediglich dem jungen anspruchslosen Publikum empfohlen werden, welches auf flotte und coole Sprüche steht. Hinzu kommen noch die Actionfans, die sich an gut durchchoreographierte Action nicht satt sehen können. Für die restlichen Filmfans dürfte „Welcome to the Jungle“ trotz eines Cameos von Actionikone Arnold Schwarzenegger nur ein witziger Actioneinheitsbrei sein, den man schon in ähnlicher Form häufig gesehen hat, der aber funktioniert.
[rk]
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