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Master and Commander - Bis ans Ende der Welt

(Master and Commander: The Far Side of the World; USA, 2003)

In der Tat, dieser Film führt den Zuschauer bis ans Ende der Welt. Einer Welt auf hoher See, wie sie zu Beginn des 19. Jahrhundert, zur Zeit der Napoleonischen Kriege, ausgesehen haben muss. Selbst wenn manche Historiker dem, wie üblich bei Hollywood-Großproduktionen, widersprechen werden: Es gab schon sehr lange keinen detailversesseneren Historienfilm mehr als diesen. Die Geschichte des britischen Kriegsschiffs HMS Surprise, angeführt von Captain "Lucky" Jack Aubrey (Russell Crowe), ist überragendes, großartig inszeniertes Kino nach den Romanen von Patrick O‘Brian.
Wer jedoch einen Historien-Film im Stile von "Gladiator" oder "Braveheart" erwartet, wird nach gut zwei Stunden enttäuscht den Saal verlassen, denn hier dreht sich im Grunde alles um das Schiff und seine Mannschaft. Der Großteil der Handlung spielt auf den Weiten des Meeres, es gibt keine Frauenrolle, keine Liebesgeschichte. Dem Feind, hier in Form eines größeren, besser bewaffneten, überlegenen französischen Kaperschiffs - der Acheron, wird kein menschliches Gesicht gegeben, selbst wenn man glaubt, es gesehen zu haben. Wer allerdings schon immer von großen Kinoepen wie "Das Boot" oder auch "Lawrence von Arabien" fasziniert war, wird auch hier die inszenatorischen und dramaturgischen Stärken von "Master and Commander" erkennen und schätzen. Der Jäger, der zum Gejagten wird, einer Jagd, die sich über zwei Weltmeere hinzieht. Ein Captain, der zwischen Pflichtbewusstsein für sein Land, und der Treue und Verantwortung seiner Crew gegenüber steht. Sein engster Freund, der Schiffsarzt Stephen Maturin (Paul Bettany), der aufgrund seiner wissenschaftlichen Neugier für die Natur eine unbekannte Welt erforschen will, jedoch an die Grenzen seiner Möglichkeiten und Fähigkeiten an Bord eines Kriegsschiffs stößt. Die Freundschaft, und gleichzeitig der Konflikt zwischen Aubrey und Maturin, bilden den Kern des Films. Beide sind sich in emotionaler Art und Weise ähnlich, unterscheiden sich jedoch in ihrer Überzeugung und ihrem Auftrag, sich selbst und anderen gegenüber.
Peter Weir ist zweifellos ein hoch interessantes Werk gelungen, und man wundert sich, wie er diesen aufwendigen Film (Budget: 135 Mio. Dollar) in dieser Form durchsetzen konnte, der so gar nicht auf ein Mainstream Publikum zugeschnitten ist, der sich sehr viel Zeit nimmt seine Charaktere zu zeigen und eine größtmögliche Authentizität erreichen will. Sowohl der Regisseur, als auch sein Kameramann Russell Boyd, der die Imposanz und Wucht des Sturmes am Kap Horn, als auch die Schrecken und Brutalität der finalen Seeschlacht ebenso überwältigend fotografiert, wie die atemberaubende Schönheit der Galapagos-Inseln, dürfen schon jetzt als heiße Award-Kandidaten gehandelt werden - und das auch zurecht. Falls nicht, dann hat die Filmwelt die Brillanz dieses beeindruckenden Meisterstücks übersehen, das man auf der großen Leinwand gesehen haben muss.

[mb]