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L´ auberge espagnole - Barcelona für ein Jahr

(L´ auberge espagnole; F, 2002)

Xavier (Romain Duris) ist 25, Franzose und hat grade sein Wirtschaftsstudium hinter sich gebracht. Er sieht einer blendenden Zukunft entgegen, so kann er sich doch auf einen schönen und gut bezahlten Beamtenposten freuen, und auch in der Liebe läuft alles wie geplant, so scheint er doch mit seiner langjährigen Freundin Martine (Audrey Tautou) ein Herz und eine Seele zu sein. Dass sein Leben ihn anödet, er im Studium schon vor Langeweile fast gestorben und die Liebe eigentlich am Ende ist, hat Xavier noch nicht gemerkt. Trennen tut ihn jedenfalls von all den Privilegien nur noch eines: ein Auslandsaufenthalt, zu dem ihm ein Freund seines Vaters dringend rät. Und so geht Xavier, nachdem er sich durch den Bürokratendschungel erfolgreich geschlagen hat, für ein Jahr als Erasmus-Student nach Barcelona. Bereits am Flughafen begegnet ihm der französische Arzt Jean-Michel (Xavier de Guillebon), der ihn freundlichst aufnimmt – und nicht merkt, dass es zwischen seiner schönen, aber schüchternen Ehefrau Anne-Sophie (Judith Godréche) und Xavier sofort heftig funkt. Beide verbindet bald eine stürmische Affäre. Auf der Suche nach einer Wohnung landet Xavier schließlich in einer All-European-Citizen-WG. Da ist die lesbische Belgierin Isabelle (Cécille de France), die schnell zu seiner besten Freundin wird, da ist die moralische Engländerin Wendy (Kelly Reilly), ihr völlig chaotischer Bruder William (Kevin Bishop), der keinen noch so schlechten Witz auslassen kann, da ist der etwas pedantische Deutsche Tobias (Barbaby Metschurat) und da sind noch einige andere aus aller Herren Länder. In Laufe des Jahres muss Xavier sich immer mehr der Frage stellen, was er mit seiner Zukunft anfangen will, erlebt, so wie alle anderen auch, Höhen und Tiefen, Banales und Irrationelles. Am Ende steht für sie alle das Erwachsenwerden.

Ungewöhnlich leichtfüßig präsentiert sich die europäische Variante des „Generation X“-Movies. Alltäglichkeiten rückt der Film in den Mittelpunkt und schafft es aus seinen eigentlich recht banalen Episoden ein heiteres, witziges und vielfach auch spannendes Filmchen über das Ende der Jugend, das Leben in einer fremden, vielleicht besseren Welt, die Sehnsucht nach der Ferne und auch über Freundschaft, Lebenssinnsuche und Liebe zu flechten. Dabei kann man den Film regional genauso wenig einordnen wie seine Hauptfiguren. Der Film wirkt weder rein französisch noch spanisch. Stattdessen ist es das Anliegen von Regisseur Klapisch seine Figuren als Metaphern auf das internationale Gefüge darzustellen. Hauptfigur Xavier bringt es auf den Punkt: „Ich bin wie Dänemark, Deutschland, England, Frankreich. Ich bin wie Europa, ein totales Chaos.“ Das funktioniert leider selten tiefschürfend, aber dies will Klapisch auch dann wieder nicht. Sein Hauptziel besteht darin Unterhaltung mit Tiefgang und nicht Tiefgang mit Unterhaltung zu erschaffen. Verzeihbar bleibt dabei, dass sich Klapisch größtenteils stereotypen Charakteren bedient, so ist der deutsche ein Bürokrat, die Engländerin a-moralisch und der Italiener ein Chaot. Auch die Gags werden manchmal mit dem Holzhammer getrommelt und sind nicht immer hintersinnig. Diese Abgedroschenheiten werden jedoch von der sympathischen Besetzung rausgerissen und schließlich überspielt.
Bei allem gelungenen „Feel Good Movie“ bleibt jedoch die Tatsache, dass Klapisch mehr aus seinem Film hätte machen können, als die Tatsache zu verbreiten, dass jeder die Richtung seines Lebens selber bestimmen muss. Ob man dies kritisieren will bleibt jedem selber überlassen, ich tu’s nicht, denn ich hab mich bestens amüsiert.

[srs]