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Bad Boys II
(Bad Boys II; USA, 2003)
Manchmal fragt man sich, ob man Hollywood, das manchmal auch sehr sehenswerte Filme hervorbringt, eigentlich noch in Schutz nehmen soll. Wenn man nach 146 Minuten “Bad Boys II” aus dem Kino tritt fühlt man sich beleidigt. Als Mensch, der einige Euro für den Kauf der Kinokarte ausgegeben hat und als Mensch an sich, der allen Menschen eine gewisse Würde zugesteht, die man auch gerne selber geniessen würde. Michael Bays neuer “Film” verletzt alle Regeln und lässt einen manchmal an der geistigen Zurechnungsfähigkeit seiner Macher zweifeln. Das eine so wichtige Gallionsfigur der heutigen afro-amerikanischen Generation wie Will Smith sich für den zweiten Teil dieser Reihe hinreissen lässt, lässt sich nur mit Geldknappheit erklären. Mike und Marcus sind wieder zurück. Die beiden ewig gut gelaunten Supercops müssen diesmal einem Drogendealer das Handwerk legen, der versucht, Amerika mit Ecstasy zu überschwemmen und gleichzeitig sein Geld nach Kuba zu schleusen, wo er dann in der Fertigvilla “Scarface” den Rest seines Lebens verbringen will. Marcus kleine Schwester, die mittlerweile eine Agentin der DEA ist und nebenbei mit Mike ausgeht, ist als Undercover-Agentin auf den Drogenboss, Johnny Tapia, angesetzt. Soviel zur “Geschichte”. Das einzige, was man diesem Film nicht vorwerfen kann sind seine Bilder. Ihr Handwerk verstehen Bruckheimer und Co, auch wenn die Bilder nur leere Verpackungen für eine inhaltslose Geschichte sindWas sie aber versuchen, dem Zuschauer als Geschichte zu verkaufen, ist so hanebüchen wie eine Geschichte, die man in schlechten Agentenromanen liest. Das allein ist aber nicht das tragische an diesem Film, denn schlechte Drehbücher werden gerne verfilmt. Sein Einsatz von menschenverachtenden Sprüchen und Gewalt macht diesen Film richtiggehend gefährlich. Ein Beispiel: Als Mike und Marcus, kurz vor dem Showdown mit dem Drogenboss bei Marcus zuhause sind (nebenbei: Bei der Polizei von Miami muss man ein Vermögen verdienen, seinem Haus nach zu urteilen) kommt der junge Verehrer seiner Tochter, um Sie abzuholen. Marcus, der den wachsamen Vater spielt, versucht den Jungen mit klischeehaften Sprüchen einzuschüchtern (“Hast Du Joints bei Dir? Rauchst Du dieses Zeug?“) und die Szene driftet nach einigen Minuten ins Ekelhafte ab. Will Smith stößt dazu und mimt den Onkel, der vor kurzem aus dem Knast gekommen ist, denn bekanntlich sind Schwarze, die frei sind, dass ja erst immer seit kurzem. Alles was am Bild der Schwarzen in Amerika falsch und verzerrt ist, fokussiert und potenziert diese Szene. Er nimmt eine Waffe und bedroht den Jungen. Rassistisch, sexistisch, homophob. Das sind die Worte, die einem in diesen Sekunden einfallen. Es ist traurig, dass Will Smith sich für so etwas hergibt und man sich nicht ganz sicher ist, ob er sich bewusst, was er da gerade “spielt” oder ob er sich zu sehr in der Rolle des, durchaus guten, Imitators gefällt...
Nebenbei ist “Bad Boys II” ein ekelerregender Film, in dem Menschenleben nur soviel wert sind, wie der nächste coole One-Liner von Will Smith. Nach einer, zugebenermaßen sehr guten, Verfolgungsjagd, die aber nur zum Selbstzweck inszeniert wurde, um die Beiden “Bad Boys“ in Szene zu setzen, entbrennt eine wilde Schiesserei, in dessen Verlauf Dutzende Menschen getötet werden, das aber weiter keinen interessiert, weil Lawrence und Smith sich in der nächsten Szene ja bei ihrem, immer - na was wohl - schreienden, Captain entschuldigen und freie Hand bekommen. Man will ja schließlich nicht, dass durch XTC Menschen sterben. Das XTC ein Problem ist, bekommt man schließlich durch einen alarmierenden Fall eines kollabierenden Ravers deutlich gezeigt...
Die alarmierende Non-Existenz der Menschenwürde, die Homophobie, der Rassismus (wenn Schwarze sich gegenseitig Nigger nennen, ist das schließlich Authentizität und kein Rassismus, ich bitte Sie!) und der Sexismus sind zwar das Hauptproblem, aber jeder der Schauspieler in diesem Film fügt sich wie eine Marionette in einem Leni Riefenstahl-Film und verleihen dem Film eine Star-Daseinsberechtigung, die allenfalls als makaber gelten kann. Das einige der Schauspieler, allen voran Will Smith, Peter Stormare und Joe Pantoliano, auch anders, nämlich gut schauspielern können, haben sie das ein oder andere Mal bewiesen, aber dieser Film wird sich in ihrer Bio nicht gut machen. Jeder der Schauspieler ordnet sich dem großen Ziel “Alles plattmachen” unter und lässt sich selber zur Karikatur werden. Martin Lawrence versucht verzweifelt so spontan und cool zu sein wie Will Smith (was ihm die “Drehbuchschreiber” aber verweigern und was er leider auch nicht schaffen kann) und albert und kreischt sich durch dieses Machwerk, das ein heisser Kandidat für den schlechtesten Film des Jahres ist. Mr. Bay, setzen, Klappe halten, keine Filme mehr machen und Mr. Bruckheimer, “Pirates of the Carribean” war doch ein guter Anfang für ein gutes Leben nach dem Tod. Mit “Bad Boys II” haben Sie sich das Tor zum Fegefeuer wieder weit aufgestoßen. [mn]
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