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Herr Lehmann
(D, 2003)
Schon wieder Berlin, schon wieder die Zeit der Wende, der Vokuhila-Frisuren und der Suche nach dem richtigen Lebensentwurf. Hier herrscht zur Zeit Konjunktur auf deutschen Leinwänden. Die Erwartung etwas Neues zu sehen ist nicht allzu groß.
Herr Lehmann geht auf die 30 zu, bedient in einer heruntergekommenen Kneipe namens Einfall und ist öfter betrunken als nüchtern. Um in herum ein Mikrokosmos aus Stammkunden und Kneipenbesitzern, eine eigene, ereignislose, aber gemütliche Welt. Doch langsam löst sich dieses kleine Reich in seine Bestandteile auf, und Herr Lehmann muss erfahren dass nichts in dieser Welt Bestand hat, und man manchmal im Leben dazu gezwungen wird, einen neuen Weg zu finden.
Die literarische Vorlage stammt von Sven Regener, dem Sänger der Band Element of Crime, der 2001 mit Herr Lehmann einen überraschenden Erfolg erzielt hat. Er hat es geschafft, die Atmosphäre dieser Zeit einzufangen. Einer Zeit, in der sich die Leute nach Berlin geflüchtet haben, um dem Wehrdienst zu entkommen, die dort in den Tag hineingelebt haben, in einer hermetisch abgeschlossenen eigenen Welt, in der die Realität ausgeschaltet ist, in der man in den Tag hineinlebt.
Mit Liebe zeichnet Regener seine Figuren, stellt sie trotz ihrer Macken und Eigenheiten nicht bloß.
Im Gegensatz zur blutleeren Adaption von Frank Goosens Liegen lernen, schafft es Haußmann, die Stärke der Charaktere zu erhalten, ihnen eine Seele zu geben. Man empfindet unglaubliche Symphatie für die Figuren und ihre kleine Welt. Doch auch wenn diese Welt in sich zusammenfällt, sieht man die Chance für die Figuren und den Aufbruch in etwas Neues.
In Herr Lehmann erzählt Haußmann weniger eine Geschichte, er porträtiert. Und genau hier liegt die Stärke des Films. Es ist ein gefühlvolles Porträt, aber kein pathetisches. Er schafft des den Geist einer Zeit zu beleben, ohne in Detailversessenheit einen Kostümfilm über die 80er zu machen. Er hält sich nicht an Äußerlichkeiten dieser Zeit auf, er zeigt, was in den Menschen vorgeht, blickt tiefer als all seine Vorgänger.
Mit Christian Ulmen ist die Figur des Herr Lehmann ideal besetzt. Er lebt diese Figur und trägt sie auch über die Schwächen des Films hinweg. Ulmen beweist eine Präsenz, ohne aufdringlich zu sein, hat ein Gefühl für die kleinen Absurditäten, ohne seine Figur vorzuführen oder zu verraten.
Schon wieder Berlin, schon wieder die Zeit der Wende, der Vokuhila-Frisuren und der Suche nach dem richtigen Lebensentwurf. Und doch ganz anders. [mm]
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