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Fluch der Karibik

(Pirates of the Caribbean: The Curse of the Black Pearl; USA, 2003)

Der Piratenfilm gehört zu einem der ältesten Genre der Filmgeschichte. Eng verwandt mit dem Abenteuerfilm im allgemeinen hatte er seine Blütezeit vor allem in den 50er und 60er Jahren, als Burt Lancaster als roter Korsar sich über die Leinwand schwang und vor allem im italienischen Raum recht aufwendige, wenn auch eindimensionelle Seefahrer-Filme entstanden. Mit dem Niedergang des Abenteuerkinos in den 70ern ging es auch mit dem Piratenfilm zu Ende. Die Widerbelebung durch Renny Harlins „Die Piratenbraut“ misslang 1995, der Riesenflop zog einen der damals einflussreichsten Produzenten Hollywoods, den Carrolco-Chef Mario Kassar, nach unten. Bis heute hat sich niemand mehr an einen Piratenfilm gemacht, obwohl doch grade in Zeiten der Computerspielverfilmungen die überaus originelle und erfolgreiche Adventure-Serie „Monkey Island“ geradezu eine perfekte Vorlage bietet. Bis heute. Denn es gibt endlich wieder einen Piratenfilm, dessen Hintergrundgeschichte genauso verrückt ist wie der Film, denn er basiert auf der Grundidee einer Achterbahn aus Disney World.

Mystisch und geheimnisvoll ist die Karibik. Überall lauern Schätze und Gefahren, seltsame Zeitgenossen und Spukgestalten. Auf der Garnisonsinsel Port Royal haben die Briten Stellung bezogen und versuchen den räuberischen Piraten vergeblich zu trotzen. Da kommt ihnen der seltsame Captain Jack Sparrow (Johnny Depp), der merkwürdigste Pirat, der einem britischen Soldaten wohl je begegnet ist, natürlich recht – zum aufhängen. Doch Sparrow ist listiger als man glauben mag, er entkommt erst seinen Jägern, wird jedoch vom gutherzigen Handwerker Will Turner (Orlando Bloom) gestellt. Turner ist seit frühester Jugend, als man ihn mitten auf offener See aus dem Wasser zog, verliebt in Elizabeth Swann (Keira Knightley), die Tochter des Gouverneurs von Port Royal (Jonathan Pryce), Die hat ihm damals schon ein Amulett gemopst, dass er bei sich hatte und hält es bis heute versteckt. Eben hinter jenem Amulett ist auch der fürchterliche Barbossa (Geoffrey Rush) her und genau deswegen kommt er mit seinem Schiff, der Black Pearl, nach Port Royal und entführt die schöne Elizabeth. Zeit für Jack Sparrow sich einzumischen, denn er ist nicht nur der ehemalige Captain der Black Pearl, sondern er ist auch der erbitterste Gegner von Barbossa und weiß um dessen Geheimnis und den Sinn des Amulettes. Zusammen kapern sie ein Schiff und fahren Barbossa hinterher…

Regisseur Gore Verbinski beweist mit „Fluch der Karibik“ erneut, dass er zu den zukünftigen Blockbuster-Mainstream-Regisseuren Hollywoods zählen wird. Sein Film ist ein buntes, phantasievolles und witzig-kreatives Sammelsurium, dass seine Vorgänger sowohl hommagiert wie parodiert. Die Verknüpfung altgedienter Abenteuermotive mit Elementen des phantastischen Films funktioniert wunderbar, was an guten Effekten, dem passenden Humor, einer durchdachten Inszenierung und, vor allem, an der perfekten Besetzung der vier Hauptrollen liegt. Vor allem Johnny Depp, dessen Charakter eher einem missratenen Klon eines Klischee-Piraten entspricht, sorgt für gehörige Unterhaltung, so tritt er als hinterlistiger Tollpatsch auf, dessen Erscheinungsbild durch z.B. in den Bart geflochtene Würfel schon auf den ersten Blick eher einen lächerlichen Piraten aus ihm macht. Ziel des Films ist es ein niemals langweiliges Spektakel zu sein, eben wie auch die Attraktion in Disney World. Verbinski kennt jedoch auch ohne Frage „Monkey Island“, so kam bislang doch keine filmische Abenteuerfigur so nah an den Helden der Reihe, Guybrush Threepwood, heran wie Jack Sparrow. Orlando Bloom geht in seiner Aufgabe ritterlich, charmant und dabei auch etwas eindimensional zu bleiben ebenfalls auf, genauso wie die schöne Keira Knightley sich in ihrer ersten richtigen Hollywood-Rolle als brauchbares weibliches Aushängeschild eines solchen Films beweisen kann, dass seine Fans finden dürfte. Eher ruhig im Hintergrund bleibt der Schurke Barbossa, ebenfalls großartig dargestellt von dem Charakterdarsteller Geoffrey Rush, der ebenfalls nicht ganz ernst genommen werden soll. Dadurch definiert sich aber auch das Erfolgskonzept des Films: in der heutigen Zeit darf naives Popcorn-Kino sich selber nicht mehr ernst nehmen. Das kann meistens, grade beim Abenteuerfilm, eine schmale Gratwanderung sein, ein perfektes Gegenbeispiel sind die Filme um „Die Mumie“, die teilweise gerade weil sie nicht wirklich über sich selbst lachen können, nicht mehr funktionieren.
„Fluch der Karibik“ bietet 140 wunderbar ausgelassene und niemals langweilige Minuten Unterhaltungskino und ist vielleicht grade wegen der Tatsache, dass der Film trotz der Überlänge keine Längen hat und den Zuschauer immer wieder mit neuen Attraktionen füttert, der beste Spass-Film des Jahres. Eines ist er dadurch auf jeden Fall: die gerechte Verfilmung einer Freizeitparkattraktion, denn der Effekt ist der gleiche. Der Zuschauer wird ständig mit neuen Abenteuern, Fallen, Gemeinheiten, Wendungen, Witzen und Spezialeffekten zugeballert.

[srs]