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Hulk

(Hulk; USA, 2003)

Der Wissenschaftler Bruce Banner (Eric Bana) hat, gelinde gesagt, ein Problem mit seiner Selbstbeherrschung. Als brillanter Forscher im Bereich richtungweisender Gentechnologie lebt er ein scheinbar ruhiges Leben, hinter dessen Fassade sich jedoch eine vergessene und schmerzhafte Vergangenheit verbirgt. Seine Exfreundin und ebenso brillante Kollegin Betty Ross (Jennifer Connelly) war Bruces verkrampfte, emotional versperrte Art müde, und so beschränkt sie sich darauf, an seinem Leben nur noch als interessierte Beobachterin teilzuhaben. Genau aus dieser Warte betrachtet sie so auch eines der frühen wissenschaftlichen Experimente zu Banners bahnbrechenden Forschungen. Ein simples Versehen führt zu einem explosiven Unfall und im Bruchteil einer Sekunde wird Banner zum Helden. Er rettet ein Leben und kommt scheinbar unbeschädigt mit seinem davon, obwohl er eine normalerweise tödliche Dosis Gammastrahlen abbekommen hat. Doch irgendetwas ist passiert. Undefinierbare Nachwirkungen und Blackouts gehören nach diesem fehlgeschlagenen Experiment auf einmal zu seinem Leben. Banner spürt, dass sich etwas in ihm regt, etwas Fremdes, das sich gleichzeitig vertraut anfühlt – gefährlich und doch auf geheimnisvolle Weise reizvoll. Zur gleichen Zeit wütet ein riesiges und unglaublich starkes Wesen, das als Hulk bekannt wird, durch die Stadt und hinterlässt bei seinen sporadischen Auftritten regelmäßig eine Schneise der Verwüstung: merkwürdig vor allem das Schlachtfeld in Banners Büro oder die mannshohen Löcher in den Wänden seines Hauses. Das Militär wird eingeschaltet, angeführt von Bettys Vater General „Thunderbolt“ Ross (Sam Elliott) und beraten von dem rivalisierenden Forscher Glenn Talbot (Josh Lucas). Offene Rechnungen, Eifersucht und alte familiäre Beziehungen kommen ins Spiel und erhöhen den Einsatz. Betty Ross hat eine Vermutung, wer der Hulk sein könnte, und sie weiß, dass Bruces seltsamer Vater David Banner (Nick Nolte) irgendetwas damit zu tun hat. Sie ist wahrscheinlich die Einzige, die die Verbindung zwischen Bruce und dem Hulk erkennt, doch ihre Versuche, das Militär aufzuhalten, das den Hulk um jeden Preis fangen will, könnten zu spät kommen. Kann sie Mann und Monster noch retten?

Nach mehr als vier Jahrzehnten steigender Popularität kommt nun eine von Marvels beständigsten und fesselndsten Comicschöpfungen auf die große Leinwand und führt damit die höchst erfolgreiche Hollywoodrekordserie der klassischen Marvel-Comichelden fort, die mit „Blade“, „X-Men“, „Spider-Man“ und „Daredevil“ begann. Der von der Kritik hoch gelobte Filmemacher und Oscargewinner Ang Lee („Tiger & Dragon“) hat sich des klassischen Marvel-Comichelden angenommen und ihn von den vierfarbigen Comicseiten auf die große Leinwand transportiert. Ang Lee kombiniert hierbei viele Elemente, die zu einem spektakulären Superhelden-Blockbuster gehören sollten, mit der düsteren Romantik und Tragik klassischer Horrorfilme. Dabei bleibt er dem frühen subversiven Geist der Geschichten um den Hulk treu (im Sinne der Hulk-Schöpfer Stan Lee und Jack Kirby) und überträgt diese Vision dabei auf die gefährlichen Zeiten von heute. Ang Lee zeichnet das Porträt eines Mannes, der mit sich und der Welt im Krieg liegt, der sowohl Superheld als auch Monster ist – Traum und Alptraum zugleich. Den Hulk möglichst authentisch und damit amerikanisch zum Leben zu erwecken, war das Ziel von Regisseur Ang Lee. Zahllose Stunden verbrachten er und das Effektteam, um ein Wesen zu erschaffen, das in der Essenz Kirbys kraftvollen Entwürfen und Lees mythischen Storys gerecht werden sollte.

Leider vermochte es der taiwanische Meisterregisseur Ang Lee seine Vision des „Hulk“ nur bedingt filmisch umzusetzen. Das liegt vermutlich daran, dass es Lee schwer fällt, dem kommerziellen Blockbusterimage gerecht zu werden. Seinen Stärken liegen in der Darstellung erzählerischer und dialoglastiger Epen mit Tiefgang wie z.B. „Tiger&Dragon“ oder „Sinn und Sinnlichkeit“. Leider versuchte der Regisseur erzählerischen Tiefgang mit in eine kommerzielle Geschichte einzubauen und hat mit dieser Option versagt, da keine dieser beiden Stilrichtungen den Film entscheidend prägen oder beeinflussen konnte. So verbleibt ein Film, bei dem die Zuschauer nicht so recht wissen, welche Aussage oder schlimmer noch, welchen Sinn er hat. In das negative Bild passt zudem die Ambivalenz der Darsteller. Eine Comicverfilmung funktioniert nach dem Prinzip der Darstellung von Gut und Böse. Auch hier hat Lee in die falsche Richtung eingeschlagen, da sämtliche Nebendarsteller die Grenzen zwischen Gut und Böse verwischen und der Zuschauer dadurch nicht weiß, so banal es sich auch anhört, wer letztendlich zu den Guten oder den Bösen gehört. Glücklicherweise hat sich Ang Lee nicht auch noch an dem Hauptdarsteller Eric Bana vergriffen, der die Rolle des Wissenschaftlers und „guten Monsters“ sehr gut in Szene setzt. Hier funktioniert auch die nahezu schizophrene Interpretion von Lee für die Darsteller des Streifens, da der „Hulk“ für diesen „Dr.Jekyll und Mr.Hide“-Rollentausch auch schon im Comic vorgesehen war. Auch mit der Selbstironie, die beispielsweise maßgeblich für den Erfolg von „X-Men II“ verantwortlich war, wollte der Regisseur nicht viel zu tun haben. Jedoch ist es heutzutage schon beinahe sträflich auf dieses Element in solch einer Verfilmung zu verzichten, da sie einer abstrakten Geschichte Substanz und Unterhaltungswert garantiert. Somit kann man den „Hulk“ als einen Film bezeichnen, der nicht so recht weiß, was er eigentlich will. Auch der Soundtrack ist nur Mittelmaß und vermag keine wirklichen Akzente zu setzen, was von einem Musiker wie Danny Elfman nicht unbedingt zu erwarten war. Auf der anderen Seite mag die Story zu gefallen, deren Möglichkeiten der Regisseur jedoch nicht filmisch umsetzen konnte. Auch die Kameraführung und die in manchen Einstellungen gesplitteten Bilder gefallen, da man sich als Comicfan durch dieses Stilmittel sofort heimisch und wohl fühlt, obwohl es dadurch auch manchmal schwer fällt, das komplette Geschehen im Auge zu behalten. Über die Special Effects lässt sich auch nicht meckern und wissen zu gefallen.

Im Endeffekt kann man von der Comicverfilmung sagen, dass es ein Film der verpassten Chancen war und das Ang Lee mit seinem Wunsch einen kommerziellen Blockbuster zu generieren versagt hat. Jedoch darf man den Streifen auch nicht als schlecht bewerten, da die Story eigentlich stimmt und auch Bruce Banner, sowie der CGI-Hulk den Steifen tragen. Dennoch rettet dies den Film lediglich in die kurzweilige Mittelmäßigkeit.

[rk]