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Matrix Reloaded

(The Matrix Reloaded; USA, 2003)

Und wenn die Prophezeiung wahr wäre? Wenn dieser Krieg schon morgen vorbei sein könnte? Lohnt es sich nicht dafür zu kämpfen? Und zu sterben?

Thomas „Neo“ Anderson (Keanu Reeves) traf eine schwer wiegende Entscheidung, als er bewusst jene Frage stellte, die auch Morpheus (Laurence Fishbourne) und Trinity (Carrie-Anne Moss) zuvor gestellt hatten. Um die Wahrheit zu suchen und zu akzeptieren. Um seinen Verstand aus den Fesseln der Matrix zu befreien. Jetzt, im zweiten Kapitel der „Matrix“-Trilogie, bekommt Neo seine außergewöhnlichen Fähigkeiten besser in den Griff, während Zion von der Maschinenarmee belagert wird. Nur noch wenige Stunden bleiben, bis die letzte Fluchtburg der Menschen von 250.000 Wächtern angegriffen wird, die laut Programmierung alles menschliche Leben vernichten sollen. Doch die Bürger von Zion haben Hoffnung geschöpft: Morpheus überzeugt sie, dass der Erwählte die Prophezeiung des Orakels erfüllen und den Krieg gegen die Maschinen beenden wird. Die Menschen glauben an Neo, der von beunruhigenden Visionen heimgesucht wird, während er versucht, einen Aktionsplan zu entwickeln. Neo und Trinity lieben einander und sie glauben an sich selbst – das macht sie stark. Sie entscheiden sich, mit Morpheus in die Matrix zurückzukehren und ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten und Waffen gezielt gegen die Mächte der Unterdrückung und Ausbeutung einzusetzen. Doch innerhalb der Matrix gibt es mächtige Player, die Entscheidungen als hohle Tricks ansehen – sie weigern sich, Verantwortung zu übernehmen, und verlassen sich lieber auf gefühlsbetonte Wahrheiten. Gleichzeitig gibt es Exilanten wie Agent Smith (Hugo Weaving), dessen Schicksal untrennbar mit dem von Neo verbunden ist. Er sieht sich gezwungen, den Befehl zu Neos Liquidation zu missachten, und verweigert damit dem System den Gehorsam. Früher hat Smith die Menschen verachtet, jetzt entdeckt er seine eigene Freiheit und seine neuen Kräfte. Und auf seinem Rachefeldzug schreckt er vor nichts zurück. Auf seiner gefährlichen Erkundungsreise in die Geheimnisse der Matrix sammelt Neo neue Erkenntnisse über seine eigene Schlüsselrolle im Schicksal der Menschheit, trifft auf noch heftigeren Widerstand, kommt der Wahrheit näher und steht schließlich vor einer unmöglichen Entscheidung, wie er sie selbst nie hätte erahnen können.

Das Erbe von „Matrix Reloaded“ wog schwer, da der Vorgänger „Matrix“ eine neue Ära der Action- Cyberfilme einläutete. Bei „Matrix“ stimmte einfach alles, die Story, die Schauspieler, die Kamera, der Score, der Soundtrack und natürlich die bahnbrechenden Special Effects. Dementsprechend hoch war auch die Erwartungshaltung bei den Fans, die sich eine konsequente Weitererzählung des Kultfilmes versprochen hatten. Interessanterweise ist man zuerst verwirrt, wenn man den Streifen ein erstes Mal gesehen hat, da die Story ziemlich komplex geworden ist und der Film neben dem ersten „Matrix“ auch noch mit dem Computerspiel „Enter the Matrix“, sowie der Anime- und Trickfilm-DVD „Animatrix“ verwoben ist. Nimmt man sich jedoch die Muße und sieht sich „Matrix Reloaded“ auch noch ein zweites Mal an erkennt man, das die anfängliche Verwirrung immer mehr aufweicht und man den Film immer besser zu verstehen beginnt. Informationen aus dem bereits oben genannten „Matrix“-Franchise“ komplettieren diverse „Aha“-Effekte beim Zuschauer. Ein wenig bedenklich ist jedoch die Tatsache, dass man als Fan und Sammler und Versteher der „Matrix“-Philosophie doch einiges an Geld investieren muss, um wirklich in den Genuss der kompletten Historie des Filmwerks zu gelangen. Wirft man alle Infos über den Film auf einen Gedankenhaufen bleiben unzählige Interpretationsmöglichkeiten über die Rätsel im Film bestehen. Ist Zion eine zweite Matrix? Oder ist Neo nur ein Programm und gar kein Mensch, der eine Mittlerfunktion zwischen Menschen und Maschinen übernehmen soll? Ist der ehemalige Agent und jetzige Exilant Smith ein unkontollierbarer Virus, der die „Matrix“ von innen zerstören wird. Welche Rollen werden noch der Merowinger und sein hübsche Gefährtin Persephone spielen. Was ist das Orakel? Fragen über Fragen die wohl letztendlich erst von dem im November erscheinenden Streifen „Matrix Revolutions“ letztlich beantwortet werden.

Die Action und die Special Effects sind sehr gut geworden und gerade eine Verfolgungsjagd auf dem Highway ist das Highlight des Streifens geworden und damit auch zu einer neuen tricktechnischen Referenz für Verfolgungsjagden mutiert. Aber auch die Choreographie der zahlreichen Kämpfe ist eine absolute Augenweide, obwohl beim ersten Kampf zwischen Neo und den Smith-Klonen doch der Einsatz des Computers an den Figuren visuell zu gut lesbar erscheint. Man kommt sich schon fast wie in einem Computerspiel vor. Hier hätte man wohl zu Gunsten der Authenzität auf den einen oder anderen Zoom verzichten können. Dafür überzeugen die anderen Kämpfe um so mehr und der Kampf von Morpheus mit einem Agenten auf einem fahrenden Laster inmitten eines mit Fahrzeugen gepflasterten Highway ist schier unglaublich gut umgesetzt worden. Hier wundert man sich nicht mehr, dass ca. $ 100 Millionen allein in die SFX flossen. „Matrix Reloaded“ setzt insgesamt neue Maßstäbe in dem Bereich der Action-SFX.

Neo, Trinity und Morpheus überzeugen darstellerisch und agieren wieder auf einem ähnlichem Niveau wie in „Matrix“. Smith, inzwischen zum Exilanten geworden, aber immer noch nicht mit einer besseren Synchronstimme ausgestattet, hat sich zu einem nahezu unbezwingbarem Virus innerhalb der „Matrix“ entwickelt und wartet im Film noch mit einigen Überraschungen auf. Auch das Orakel, dargestellt von Gloria Foster, die leider während den Dreharbeiten verstarb und für den dritten Teil „Revolutions“ von einer anderen Schauspielerin ersetzt werden wird, agiert gewohnt gut und rätselhaft. Neue Charaktere bei denen vor allem der machthungrige Merowinger, nebst seiner hübschen Gefährtin Persephone, und der mysteriöse Architekt brillieren, runden das Ganze ab. Wirkliche Fehlbesetzungen gibt es in dem Streifen nicht. Selbst die Agentenupgrades und die bleichen Zwillinge wirken glaubhaft, da die Produzenten hier auf sogar ehemalige Stuntmen und Kampfsportler zurückgegriffen haben.

Nur die Tatsache, dass Morpheus und Trinity gegen die Agentenupgrades zumindest für eine zeitlang Paroli bieten können, wirkt aufgrund der Erfahrungen des ersten Teils, in dem noch sämtliche Menschen vor den „normalen“ Agenten geflohen sind, etwas abgehoben.

Die Filmmusik besitzt leider nicht mehr ganz die Genialität des ersten Teils, da man sich doch ein wenig zu sehr auf Discorhythmen anstatt innovativer Rockmusik verlassen hat. Dafür bietet die Score um so einiges mehr, da Don Davis in Verbindung mit Juno Reactor hier ein echtes Meisterwerk und Hörerlebnis geschaffen hat.

Alles in allem entpuppt sich „Matrix Relaoded“ zu einem Film, der erst in seiner Gesamtheit und mit ein wenig nachdenken und Recherche erst so richtig gut wird. Man sollte vor allem nicht den Fehler machen, ihn mit dem Meilenstein „Matrix“ zu vergleichen, da „Reloaded“ nicht nur ein weiterer „Matrix“-Teil ist, sondern hier wurde eine Geschichte sehr konsequent weitererzählt, die nicht unbedingt in das Denkschema eines jeden Fans passen dürfte. Lässt man sich jedoch auf das „Neue“ in dem Streifen wird einen auch diese „Matrix“ packen, auf eine ähnliche Art und Weise wie die Erste, aber natürlich auf eine andere.

[rk]