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Daredevil
(Daredevil; USA, 2003)
Da gibt es Batman, den dunklen Rächer mit seinen ganzen Spielzeugen, der den Raubmord an seinen Eltern nie verdaute. Da gibt es Spiderman, den durch Spinnenbiss mutierten Jungfotograf, der nach dem Mord an seinem Onkel und Ersatzvater schwor die Bösen zur Strecke zu bringen. Und, nicht ganz so alt wie seine beiden Kollegen aus dem Comic-Universum, da gibt es Daredevil, den blinden Anwalt mit der Gabe durch Geräuschwellen doch zu sehen, der nach dem Mord am vergötterten Vater beschloß die Unschuldigen zu schützen und die Schuldigen mit aller Härte zu bestrafen. Sind Batman und Spiderman noch die klassischen strahlenden Helden, so ist der Daredevil doch eher eine Kopie der beiden, aber eine reaktionäre Kopie, die nicht schützt, sondern Selbstjustiz übt. Fraglich natürlich, ob eine Figur, die ihr gesamtes Potential im Endeffekt von anderen abkupfert in einer Kinoära überzeugen kann, in der Batman und Spiderman alle Kassenrekorde brechen.
Eine schwere Kindheit hatte Matt Murdock (Ben Affleck) ohne Freunde und nur mit einem Idol: seinem Vater Jack (David Keith), einem ehemaligen Profi-Boxer, der irgendwann zum Säufer wurde. Dann der Unfall, Matt spritzt eine radioaktive Flüssigkeit ins Gesicht und gleich darauf ein Gabelstapler in die Augen. Von da an ist der Junge zwar blind, aber er hat eine andere besondere Gabe: seine sonstigen Sinne sind ungewöhnlich geschärft, durch die verstärkte Wahrnehmung von Geräuschen ist es ihm möglich seine Umwelt doch wahr zu nehmen – und zwar schneller als jeder Mensch, der durch die Augen sieht. Zusammen mit dem Vater rappelt er sich wieder auf, bis dieser einem heimtückischen Mordanschlag zum Opfer fällt. Matt beschließt daraufhin seine Fähigkeiten zu nutzen um den Schwachen zu helfen. Im wirklich Leben wird er Anwalt, des Nachts jedoch stülpt er das Kostüm des Daredevil über und schwingt sich über die Stadt, immer auf der Suche nach Verbrechern, die bestraft werden müssen. Sein eigenes Privatleben geht dabei jedoch vor die Hunde, kaum ein Mensch weiß von seinem Geheimnis, keine Frau hält es lange mit ihm aus. Als er jedoch der schönen Elektra (Jennifer Garner) begegnet und sich in diese verliebt gerät er in eine teuflische Intrige hinein. Und er legt sich mit dem großen Gangsterboss, dem Kingpin (Michael Clarke Duncan) an, der seinen psychopatischen Killer Bullseye (Colin Farrell) auf ihn ansetzt, einen Mann, der niemals verfehlt…
„Daredevil“ ist ein wirkliches Problemkind geworden. Seiner Vorlage entsprechend zeichnet sich der Film durch Härte aus – eine Härte, die dem deutschen Kinozuschauer dank FSK 12-Zensurschnitten jedoch vorenthalten bleibt. Kritischer wird der Film dadurch natürlich nicht, er verliert in mancher Sequenz nur an Rhythmus.
Gemein mit vergleichbaren Produkten wie „X-Men“ und „Spiderman“ hat „Daredevil“ vor allem die technische Perfektion, der düstere visuelle Style braucht auch nicht runtergespielt zu werden, in diesen Bereichen, vor allem was das Spiel mit Licht und Farben angeht, kann der Film überzeugen. Story und Darsteller hinken jedoch hinterher. Das Drehbuch kaut ein ausgelutschtes Klischee nach dem anderen wieder, die Figuren bleiben größtenteils langweilig, Ben Affleck und Jennifer Garner wirken fehlbesetzt und Michael Clarke Duncan darf als Gangsterboss ständig nur ausdruckslos aus dem Fenster starren und zum Ende noch demonstrieren was für wunderschöne Feinrippunterhemden er trägt. Nur Colin Farrell kann als Bösewicht überraschen, was die Sache jedoch noch komplizierter macht, so ist sein Bullseye viel charismatischer als Afflecks Matt Murdock.
Auch der Spannungsaufbau lässt zu wünschen übrig, mehr als ein flaches Fantasyabenteuer, dem man nur wünschen kann, dass es nicht fortgesetzt wird, bleibt nicht übrig. Da hilft dem Zuschauer im Endeffekt nur eines: bei den alten, lieb gewonnenen Superhelden bleiben. [srs]
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