|
| Main | Media | Reviews | DVD |
Ghost Ship
(Ghost Ship; USA/AUS, 2002)
In der Bergungsbranche gibt es kein besseres Team als das des Schleppers Arctic Warrior: Kapitän ist Sean Murphy (Gabriel Byrne), das Bergungsteam leitet die erfahrene Maureen Epps (Julianna Margulies). Zur Mannschaft gehören außerdem der 1. Maat Greer (Isaiah Washington) und die Techniker Dodge (Ron Eldard), Munder (Karl Urban) und Santos (Alex Dimitriades). Diese Crew kann jedes verlassene Schiff aufspüren, vorläufig flott machen und in den Hafen schleppen. Doch dafür streicht sie 90 Prozent des Gewinns ein.
Der kanadische Air-Force-Pilot Jack Ferriman (Desmond Harrington) ist mit diesen Bedingungen einverstanden, denn er will gemeinsam mit Murphys und Epps’ Team ein geheimnisvolles Schiff untersuchen, das er im Beringmeer treibend vor der Küste Alaskas entdeckt hat. Die Mannschaft hat zu diesem Zeitpunkt schon sechs harte Monate an Bord hinter sich und gerade mit einem Bergungseinsatz sehr gut verdient. Dennoch kann Murphy alle überreden, Ferrimans Auftrag anzunehmen, denn diesmal will der Captain den Gewinn auf alle sechs Crewmitglieder gleich verteilen. Ferriman stellt allerdings die Bedingung, bei der Bergung dabeizusein. Weil das Radargerät nicht verlässlich funktioniert, rammt die Arctic Warrior nachts den urplötzlich auftauchenden, unbeleuchteten Ozeanriesen. Bei Tageslicht wagt sich das Bergungsteam vorsichtig an Bord. Murphy entdeckt den Namen an der Bordwand: Es ist die Antonia Graza, und er hat von ihrem rätselhaften Schicksal gehört. Wo hat der italienische Dampfer die letzten 40 Jahre gesteckt? Verlassen treibt er in der Strömung, äußerlich scheint er intakt. Murphy weiß aber, dass die Stahldecks nach so langer Zeit vom Rost mürbe geworden sind. Tatsächlich bricht Munder durch ein Deck und droht in die Tiefe zu stürzen, doch Epps packt ihn in letzter Sekunde. Dabei glaubt sie auf dem Deck unter sich ein zwölfjähriges Mädchen zu sehen, das Epps aufmerksam anblickt. Auch die Brücke und die Kapitänskajüte geben keinen Aufschluss über das Schicksal von Besatzung und Passagieren. Murphy berichtet, dass Seefahrer viele ähnliche Geschichten erzählen, zum Beispiel von der Marie Celeste, die 59 Tage unter vollen Segeln über den Atlantik und ins Mittelmeer segelte, ohne dass ein Mensch an Bord war – das Schicksal der Mannschaft konnte nie geklärt werden. Dennoch ist sich die Besatzung der Arctic Warrior einig: Die Antonia Graza soll in den Alaska-Hafen Anchorage geschleppt werden. Bei einem Tauchgang stellen die Experten fest, dass der Dampfer durch ein kürzlich entstandenes Leck Wasser aufnimmt und langsam sinkt. Doch das lässt sich reparieren. Dennoch bleiben nur drei Tage, um das Schiff flott zu machen, denn eine Meeresströmung treibt die Antonia Graza auf gefährliche Klippen zu. Epps streift durch die endlosen Korridore des riesigen Schiffs. In der Wand des leeren Swimmingpools entdeckt sie Einschüsse – überall liegen große Mengen von Patronenhülsen herum. Plötzlich erscheint wieder das unheimliche Kind, Epps erschrickt, stürzt in den Pool und verliert vorübergehend das Bewusstsein. Merkwürdige Musik stört die Funkverbindung zwischen den getrennt suchenden Besatzungsmitgliedern. Epps wagt sich zusammen mit Ferriman weiter vor. Sie öffnet eine Luke: Aus dem Lüftungsschacht strömt ihnen ein Schwall Wasser entgegen, und in dem Wasser treiben mehrere Leichen – Männer, die erst kürzlich an Bord gekommen sein müssen, sie sind nicht länger als drei Wochen tot. Der Rückweg ist Epps und Ferriman versperrt, aber auf geheimnisvolle Weise öffnen sich andere Luken, duch die die beiden vorwärts kommen. Im Frachtraum bemerken sie, dass sich in der Ecke etwas bewegt – es sind Ratten, vor denen Epps kreischend zurückweicht. Doch durch diesen Fund werden die beiden auf Kisten aufmerksam, die alle anderen Überlegungen sofort vergessen lassen: Die Kisten enthalten Goldbarren in großer Zahl – der herbeigeholte Murphy schätzt, dass sie 200, 300 Millionen Dollar wert sind – vielleicht noch mehr. Offensichtlich handelt es sich um Diebesgut – die Bankstempel sind weggefeilt. Greer ist skeptisch: So ein Vermögen kann man sich doch nicht einfach unter den Nagel reißen – es muss sicherlich irgendwo eine Versicherungsgesellschaft geben, die großen Wert auf die Wiederbeschaffung legt. Doch Murphy beruhigt das Team: Nach den Gesetzen der Seefahrt darf ein herrenlos in internationalen Gewässern treibendes Schiff von jedem in Besitz genommen werden, der das Glück hat, es zu entdecken – er muss es nur noch in einen Hafen schleppen. An Bord der längsseits liegenden Arctic Warrior sind nur Santos und Greer zurückgeblieben. Santos hat inzwischen die Maschine des Schleppers gewartet. Er gibt Greer auf der Brücke das Signal, den Motor für einen Testlauf zu starten. Genau in diesem Moment redet das gespenstische Mädchen auf der Antonia Graza plötzlich auf Epps ein, warnt vor großem Unheil. Doch es ist bereits zu spät: Wie von Geisterhand öffnet sich das Ventil einer Gasflasche im Maschinenraum der Arctic Warrior, Gas strömt aus – als Greer den Anlasser betätigt, fliegt der Schlepper durch eine gewaltige Gasexplosion in die Luft und sinkt innerhalb weniger Sekunden. Epps hat von der Reling des Ozeandampfers die Situation sofort erfasst, sie springt ins Wasser und rettet Greer das Leben. Doch Santos ist bei der Explosion umgekommen. Der Rest der Mannschaft ist an Bord der Antonia Graza unversehrt geblieben. Allerdings gibt es jetzt keine Möglichkeit mehr, einen Hafen anzusteuern. Greer, der von vornherein davor gewarnt hatte, die Bergung zu leicht zu nehmen, ist wütend über die Katastrophe und prügelt sich mit Munder. Er will ein Floß bauen, um in Richtung Küste aufzubrechen. Epps schlägt dagegen vor, die Antonia Graza weiter zu reparieren, das Ruder flott zu machen und so den Dampfer durch die Meeresströmung zu dirigieren, bis Hilfe kommt. Ihr Vorschlag wird angenommen. Epps prüft anhand der Passagierliste, in welcher Kabine das allein reisende kleine Mädchen damals wohnte: Sie findet Katie (Emily Browning) tatsächlich in ihrer Kabine und erfährt von ihr, dass alle Passagiere und Besatzungsmitglieder, die 1962 an Bord umgekommen sind, als Geister auf der Antonia Graza nach wie vor der Willkür einer unheimlichen Macht ausgeliefert sind. Murphy trifft den gespenstischen Kapitän der Antonia Graza und erfährt, dass sie 1962 dem leckgeschlagenen Ozeandampfer Loreley zu Hilfe kam und dessen Goldladung an Bord nahm – was die Habgier der Graza-Besatzung weckte, die in einem Blutrausch alle unliebsamen Zeugen, alle Passagiere und schließlich sich gegenseitig umbrachte. In einer Halluzination sieht sich Greer in den strahlenden Ballsaal von 1962 zurückversetzt, wo Francesca (Francesca Rettondini), die bildschöne Sängerin des Orchesters, aggressiv mit ihm flirtet. Sie lockt ihn, lässt alle Hüllen fallen, und erst als er sie umarmen will, merkt er, dass sie nur aus Luft besteht – er stolpert und stürzt in den Tod. Gleichzeitig wird Murphy von Santos’ vorwurfsvollem Geist verfolgt. Als er Epps begegnet, hält er auch sie für Santos und will sie erschlagen. Ferriman rettet sie und sperrt den tobenden Murphy ein. Durch Katie erlebt Epps eine Vision vom blutigen Schicksal der Menschen auf der Antonia Graza – sie weiß nun, dass die Besatzung der Arctic Warrior – wie andere Eindringlinge zuvor – von den finsteren Mächten nur benutzt wird, um das Schiff seetüchtig zu erhalten, denn es soll auf jeden Fall weiter über die Meere treiben, um noch mehr Seelen für die Hölle zu rekrutieren. Als Epps anschließend Murphy in seinem Gefängnis ermordet auffindet, kennt sie nur noch ein Ziel: Die Antonia Graza muss mit einer Sprengladung sofort versenkt werden. Neben Epps sind nur noch Dodge, Munder und Ferriman am Leben – einer von ihnen steht mit den Geistern im Bunde. Und er ist durchaus nicht gewillt, seine grausigen Pläne aufzugeben…
Neben den bereits erschienen „Haunted Hill“ und „13 Ghosts“ ist „Ghost Ship“ der insgesamt dritte Horrorstreifen aus dem Hause Dark Castle Entertainment der sich durch die Kinos spukt. Jedoch kann „Ghost Ship“ wie schon seine beiden Vorgängerproduktionen nur Grusel- und Shockermittelmaß abliefern. Dies liegt vor allem an der kommerziellen und a-typischen Story des Streifens, die sich ziemlich ideenlos über die Kinoleinwand bewegt. Vieles aus „Ghost Ship“ hat man in anderen vergleichbaren Genreproduktionen schon teilweise bedeutend besser gesehen, woran aber auch die nur mittelmäßigen Darstellerleistungen schuld sind. Selbst Theaterdarsteller wie Gabriel Bryne bleiben unter ihren Möglichkeiten, da sie auch kaum in ihren doch recht oberflächlichen Rollen gefordert werden. Desmond Harrington vermag seine Rolle noch mit am Besten zu verkörpern, aber auch er kann sich mit seiner Leistung lediglich gering von den anderen Darstellern absetzen. Nachdem altbekannten „Zehn-Kleine-Negerlein“-Prinzip wird die Mannschaft des Bergungsbootes Arctic Warrior dahingerafft und auch das Finale bietet lediglich altbekannte Metaphern auf ähnliche Filme. Leider scheint der Newcomerregiesseur Steve Beck nicht viel aus seinem Erstlingswerk „13 Ghosts“ dazugelernt zu haben. Zwar ist „Ghost Ship“ marginal besser als „13 Ghosts“ aber um eine wirklich gutes Werk abzuliefern, muss man als Regisseur in der Lage sein alles aus seinen Darstellern herauszukitzeln und Situationen zu schaffen die wirklich durch Mark und Bein gehen, wie es z.B. ein Stanley Kubrick mit seinem Kultstreifen „Shining“ mit einem genial diabolischen Jack Nicholson gezeigt hat. Auch fehlt es „Ghost Ship“ an intelligenten Verschachtelungen oder Überraschungsmomenten, die sich in einem gut gemachten Horrorstreifen eigentlich schon immer bewährt haben. Selbst an einer Portion Humor fehlt es dem Film, um das Geschehen auch mal wieder aufzulockern, wie es z.B. LL Cool J als schlagfertiger Koch in dem Haistreifen „Deep Blue Sea“ gezeigt hat.
Somit verbleibt ein Horrorfilm, der zwar mit einer für Horrorfans stimmungsvollen Anfangssequenz aufwarten kann, aber dann schon ziemlich schnell im üblichen Genresand versackt. Genreliebhabern oder Fans denen „Haunted Hill“ oder „13 Ghosts“ schon gefallen hat, kann „Ghost Ship“ durchaus empfohlen werden. Jedoch vermag der Streifen auch keine neuen Akzente zu setzen, wodurch er für das restliche Kinopublikum eigentlich schon uninteressant geworden ist.
[rk]
|
|